Unerträgliche Albernheiten! Die konnte Nikolaus nicht ertragen.

0 06.12.2019

Schon in den Tagen vor dem 6. Dezember ging Geheimnisvolles vor in unserem Treppenhaus. Manchmal fanden wir morgens in den Schuhen ein paar Erdnüsse. Oder gebrannte Mandeln lagen hier und da verstreut daneben. Manchmal fanden wir einen kleinen Apfel oder gar eine Mandarine. Offensichtlich war Nikolaus ein wenig fahrlässig mit seiner kostbaren Fracht und hatte ein Teil bei uns verloren. Wir Kinder freuten uns riesig.
Muttern hatte bis zum Nikolaustag schon einen ganzen Berg Plätzchen gebacken: Spritzgebäck, Spekulatius und Lebkuchen lagerten in Blechdosen im kühlen Keller. Auf den Nikolausteller kamen ferner ein paar Marzipankartoffeln und Dominosteine. Sie waren abgezählt. Jeder hatte gleich viele. Das war wichtig; der Futterneid war nämlich groß unter uns drei Blagen.

Außerdem lag eine Rute quer über den Teller, die allerdings meiner Meinung nach bei den älteren Brüdern viel zu selten zum Einsatz kam. Und sie war versüßt mit ein paar Schokoladenfigürchen, die in den Zweigen baumelten. Jeder bekam noch einen Stutenkerl und einen Schokoladennikolaus, der original so aussah wie der Nikolaus aus dem Struwwelpeter-Buch. Sie wissen schon: Das war der, der die frechen Jungen ins Tintenfass gesteckt hatte. (Am Rande: Der Mann aus dem Kinderbuch von 1844 trug einen weißen Bart, eine rote Mütze und einen roten Mantel!!!!)
Das sollte uns Kindern eigentlich Warnung genug sein. Bei uns zu Hause musste man sich vor dem heiligen Mann nicht fürchten, wir freuten uns nur über seine Hinterlassenschaften. Anders war es im Kindergarten. Da hatte der Nikolaus (im Kindergarten ordentlich als Bischof mit Hirtenstab gekleidet) Hans Muff dabei. Und der war gemeingefährlich. Das war noch nicht genug. Wenn Nikolaus das Goldene Buch aufschlug, verging uns das Lachen. „Albern“ seien wir gewesen, sagte der heilige Mann mit bitterem Ernst. Was für eine Verfehlung! Meine Freundin und Klein-Monica versanken vor Scham im Boden und gingen außerdem noch leer aus. Alle anderen hatten eine bunte Tüte bekommen!
So war das vor einigen Jahrzehnten. Und wie wird heute Nikolaus gefeiert? Mit Stutenkerl oder ohne? Gibt es selbstgebackene Plätzchen und werden die Dominosteine noch abgezählt? Aber die Rute bleibt doch hoffentlich außen vor! Außer bei Albernheiten, die darf man auch im Jahre 2019 nicht dulden.

Einen schönen zweiten Advent wünscht Ihre und eure Monica

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