Zurückgeblättert 1992: Zahl der Dorf-Sheriffs sinkt

1 08.06.2022

"Zurückgeblättert“ heißt es seit einem halben Jahr  in loser Folge auf borbeck.de. Durchgeackert werden alte Borbecker Nachrichten aus den Jahren 1972 und 1992. Manches scheint ewig gleich zu bleiben - wie der Ärger über den ÖPNV - , anderes ändert sich doch. Waren die Achtzigerjahren ein goldenes Zeitalter für die Jugendarbeit in Borbeck - so erscheint es wenigstens im Rückblick - spart die Stadt Anfang der 90er Jahre Stellen ein und manch' erfolgreiches Konzept geht baden. Bei der Polizei gibt es eine Neuordnung, das bedeutet auch für Borbeck tiefgreifende Änderungen

So ein Theater! Mit dem Loh-Loh-Ensemble unter Leitung des engagierten Lehrers Uwe Baron hat Borbeck eine fabelhafte Schultheatergruppe, die ihren großen Auftritt bei den 15. Schul- und Amateurtheatertagen in der Casa Nova hat. Schon bei der Premiere von „Lysistrata“ begeisterte die Gruppe der Hauptschule an der Lohstraße ihr Publikum.

Aus zwei mach‘ eine: Nach dem Weggang von Klaus Grießmann und Christoph Berse, die zusammen die bezirkliche Jugendarbeit in Borbeck prägten, kommt nach einem halben Jahr (Mitte Juni 1992) ein Nachfolger in Sicht. Auf Lothar Häger wartet viel Arbeit. Schlossparkfest, Kinderfilm-Festival, Rockwoche wollen geschultert werden.

Alte Tanks ans Tageslicht gebracht: Ende Juni beginnt ein großer Umbau an der Bocholder Straße. Die Hans-Soldan-GmbH will ihre Büro- und Lagerfläche vergrößern. Außerdem will die Sparkasse dort eine moderner Filiale erreichten. Doch zuvor müssen Tanks aus dem Boden entfernt werden, die noch von einer 1977 abgerissenen Tankstelle stammen.

Über 1000 Schulanfänger hat Borbeck 1992: Das bedeutet zehn Anmeldungen mehr als im Vorjahr. Die meisten Anmeldungen gibt es an der Schule am Reuenberg in Dellwig: 81 .

Das kann sich hören lassen: Seit zehn Jahren ist die Folkwang Musikschule im Juni 1992 im Schloss zu Gast. Der Tag der offenen Tür beweist: Wer kann, der kann.

Kleine Fische werden jetzt vor Ort erledigt: Aller guten Kommissariate sind drei: Innenminister Herbert Schnoor will mit einer Neuorganisation der 52 Polizeipräsidien den neuen Herausforderungen, der Kripo und Schutzpolizei in den letzten Jahrzehnten erwachsen sind begegnen. Stichworte sind „neue Formen der Kriminalität“, das Zusammenwachsen Europas etc.. Auch für Borbeck stehen jetzt im Zuge der Strukturreformen einschneidende Veränderungen vor der Tür. Die wichtigste NNeuerung: In den Essener Schutzbereichen wird es demnächst nur nach halb so viele Bezirksbeamte wie bisher geben. Für den Schutzbereich III zu dem Borbeck, Vogelheim und Altendorf gehören, bedeutet das: Die Zahl der Dorf-Sheriffs wird von 22 auf 11 sinken. Dies soll jedoch der Effektivität der Arbeit keinen Abbruch tun, heißt es bei der Polizei, denn: Die elf sind demnächst ausschließlich für den Außendienst da. Die elf „eingesparten Kollegen“ werden in drei neu zu bildenden Kommissariaten eingesetzt und zwar in der Woche an der Schlossstraße. „Dezentrale Kriminalitätsbegrenzung“ heißt das Zauberwort 1992.  Zwei Kriminalkommissariate und ein Verkehrskommissariat werden sich in Zukunft an der Borbecker Hauptwache mit der sogenannten Massenkriminalität befassen. D.h. „kleine Fische“ werden vor Ort erledigt. An der Zweigertstraße wird man sich mit Schwerkriminalität befassen. In Borbeck erhofft man sich für den Bürger kürzere Wege.

Verspätungen, Gedränge: „Einmal rund durch Borbeck: Hauptsache man hat Geduld“: Wie es so ist, mit dem ÖPNV durch Borbeck zu kariolen beschreibt Redakteur Andreas Eickholt im Juni 1992. Damals wie heute: Das Gedränge ist groß, Verspätungen an der Tagesordnung. „Doch: Warten verbindet“, heißt es in dem ganzseitigen Beitrag.

Das ist teuer: 270000 Mark wird im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung an der Beckstraße/Kleinstraße in Vogelheim in den Spielbereich investiert. Es gibt nicht nur neue Geräte, es wird auch Boden ausgetauscht, der als gering mit Schwermetallen belastet gilt.

Radwegeplanung anno 1992: Neue Radwege auf Kosten von breiten Straßen – für die Borbecker SPD-Bezirksfraktion ist dieser Gedanke kein Tabu mehr. „Wir müssen uns überlegen, ob mehrspurig angelegte ‚Straße immer noch in der vorhandenen Breite befahren werden müssen, oder ob dort nicht die Abtrennung für Radwege sinnvoll erscheint, gibt Bezirksvertreter Thomas Kutschaty zu bedenken. Aber: Dabei darf der Radwege-Ausbau nicht zu Lasten der Fußgänger gehen. Schmale Fußwege durch die Markierung von Radwegen noch schmaler zu machen führt nur zu Konflikten zwischen eh benachteiligten Gruppen im Straßenverkehr.

Ausgeträumt: Der Traum von einer richtigen Jugendfarm in Frintrop wird wohl vorläufig nicht in Erfüllung gehen. Schreiben die BN Mitte Juni 1992. Geplant war am Breukelmannhof beinahe ein richtiger Farm-Betrieb mit Tieren und Tierpflegern und pädagogischem Personal. Die Stadt hat kein Geld. Das ist schade.

Schauderhaftes Bild: Ein leidiges Thema in der Bezirksvertretung sind die Container-Standorte in Borbeck. Zahlreiche Sammelstellen böten in regelmäßigen Abständen einen schauderhaften Anblick.

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Kommentare

Kommentar von Mani Adam |

War trotzdem 'ne schöne Zeit. Aber zu diesem Zeitpunkt gab es leider noch keinen Oberbürgermeister wie heute.

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