Zurückgeblättert 1972: Bloß nicht klein kariert!

0 23.03.2022

Bloß nicht kleinkariert gibt man sich im März 1972 in Borbeck. Und das gilt nicht nur für die Herrenmode, die bei Lembeck verkauft wird. (Bild unten). Auch für die flirtenden Kinder Gottes hat man in Borbeck Verständnis. Und in den Supermarkt gingen die jungen Frauen superkurz.

Die Kinder Gottes tanzen im Park: In der ehemaligen Bergbauberufsschule an der Neustraße haben sich „Kinder Gottes“ niedergelassen. Sie fallen auf in Borbeck. Die Kinder Gottes lassen sich im Schlosspark nieder, lesen in der Bibel, singen und tanzen. Sie lassen die Finger von Drogen und Alkohol und sind bei den Nachbarn an der Neustraße beliebt. Die BN schreiben in ihrer Ausgabe vom 24. März 1972: „Einige von ihnen kommen aus USA, andere aus Großbritannien und Skandinavien. Junge Männer aus Bayern und Schwaben fehlen ebenso wenig wie Rheinländer, die uns berichteten, durch die Begegnung mit den „Kindern Gottes“ vom Rauschgift befreit worden zu sein.“ Zwei Jahre später, so wird es überliefert, beginnen die Kinder mittels „flirty fishing“ (also durch Flirts und Koketterie) jungen Nachwuchs für die Sekte zu rekrutieren.

Lange Frintroper Tradition: Der Frintroper Bürger- und Verkehrsverein will die Grünflächen verschönern und lädt für den 22. April 1972 zur Mitmachaktion ein. Gerümpel und Abfälle sollen verschwinden.

Die Ärzte kommen: Dr. Herbert Hohaus übernimmt am 1. April 1972 die Gynäkologie und Geburtshilfe im Borbecker Philippusstift. - Im Bedingrader Franziskuskrankenhaus übernimmt ebenfalls zum 1. April Dr. Winzen die Geburtsabteilung

Es wird gezündelt: 13 Wiesenbrände in zwei Tagen: Mit Beginn des Frühlings stieg auch die Zahl der Wiesenbrände, die meist von spielenden Kindern entfacht werden. Allein an zwei Tagen musste die Borbecker Feuerwehr dreizehn Einsätze fahren. Größere Flächenbrände entstanden an der Heegstraße, Heißener Straße, Vogelheimer Straße, Antoniusstraße, Donnerstraße, Haus-Berge-Straße. Weidkamp, Levinstraße, Bottroper Straße, Hesselbruch, Sulterkamp, Bedingrader Straße und Krandickshang.

Diskothek-Karussell dreht sich an der Frintroper Straße: Die Osterkirmes findet anno 1972 wieder auf dem Schützenplatz an der Frintroper Straße statt. Angemeldet ist ein Mini-Clipper, ein Diskothek-Karussell, ein Calypso-Gondelkarussell, ein Auto Scooter, ein Kinderkarussell und eine Pony Reitbahn. Die BN schreiben: „Und dazu kommen Verlosungs- und Lotteriegeschäfte, Schießhallen und Alberts Knusperhaus, das auf keiner zünftigen Kirmes fehlen darf.“

Die Straßenverbreiterung erfolgte nie: An der Donnerstraße 143 in Dellwig eröffnet die erste Accos-Filiale in Groß-Essen. Accos ist ein Mülheimer Lebensmittel-Filialbetrieb. Dem Filialchef Glittenberg stehen 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Seite. Die BN schreiben: An der Donnerstraße nimmt zudem ein modernes Geschäftszentrum deutliche Formen an. Die neuen Geschäftshäuser halten bereits die für die geplante Verbreiterung der Donnerstraße verbindliche neue Fluchtlinien ein. Erste Dominante der neuen Donnerstraße war die Zweigstelle der Stadtbücherei im Eschenbruch-Neubau auf dem alten Schulgrundstück der ev. Schäferdiekschule.

Allgemein beklatscht wurde 1972 die Verrohrung der Bäche. „Die Verrohrung des Pausmühlenbaches zwischen Langhölterweg und Prosperstraße ist der erste Schritt zur Anlage eines seit langem gewünschten Wanderweges. Teile des neugewonnenen Geländes könnte künftig für Spiel und Sport genutzt werden….

Stattliche Stiftung: Das schmiedeeiserne Friedhofstor zum katholischen Friedhof an der Haus-Horl-Straße wurde restauriert und erweitert. Ausführende Arbeiten erledigte Alfons Goerke „mit erstaunlichem handwerklichen Können“ wie die BN schrieben. Das Tor selber befand sich in Besitz des Bergwerksdirektors Reckmann von Prosper, der er um 1900 der Dellwiger Michaelsgemeinde stiftete.

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