Zum Muttertag gab's ein blaues Wunder

0 06.05.2022

Hach, wie schööön. Die blaue Blume ist ein zentrales Symbol der Romantik. Sie steht für Sehnsucht und Liebe und für das Streben danach Sinn und Zweck des Seins zu erkennen. Dichter und Maler widmeten sich der blauen Blume mit Hingabe. Die blaue Blume, welche genau damit gemeint ist, weiß man nicht, ist daher das geeignete Geschenk zum Muttertag. In der grau-blauen Theorie zumindest.

In der Praxis gab es blaue Flecken – überall. Natürlich hätten wir Kinder aus dem Garten dunkle Stiefmütterchen mopsen können, oder Vergissmeinnicht, die jedes Jahr reichlicher aus den Ecken und Kanten wucherten. Das wäre zu einfach gewesen. Zuerst ernteten wir Gänseblümchen en masse. Man kniff in die Stängel ein Loch und steckte dort den Stil eines weiteren Gänseblümchens hinein und so weiter und so fort, bis wir einen Ehrenkranz für Mutterns Platz am Frühstückstisch fertig hatten.

Dann kam die Umsetzung eines tollkühnen Plans: Die durstigen Blumen sollten Tinte trinken und dann blau anlaufen. Wir nahmen also die Ersatzpatronen aus unseren Pelikan-Füllern. Mit einer Stecknadel drückten wir das Kügelchen ein, das dafür sorgen sollte, dass so eine Patrone nicht kleckst. Dabei durfte man die Patrone nicht all zu fest anfassen. Egal. Dann versuchten wir, ein Gänseblümchen in jede aufgedrückte Patrone zu stecken und suchten das ganze umfallsicher irgendwo abzustellen. Die Fensterbank schien geeignet.

Alle paar Minuten schauten wir nach, ob die Blümchen schon getrunken hatten. Das ging nicht ohne sich die Blumen von unten zu besehen. Auch, was soll ich sagen: Die Tintentropfen auf der Fensterbank saugten wir mit unseren Ärmeln vom Pulli auf. Aber mit den blau eingefärbten Fingerkuppen produzierten wir – wie in den allerfeinsten Detektivbüro beschrieben – eine Menge verwertbarer Fingerabdrücke.

Vermutlich war es Omma Emma, die die Sauerei zuerst entdeckte, erst den Tag und dann uns Kinder rettete. Sie beseitigte alle Spuren, die dieses Experiment hinterlassen hatte, wusch die Ärmel aus und schrubbte die Finger bis sie feuerrot – aber sauber - waren. Wir erlebten ein blaues Wunder. Bimsstein lautete das Zauberwort. Doch am Ende war alles gut.

So, nun wünsche ich Ihnen und Euch einen schönen Sonntag und/oder einen schönen Muttertag und brave Kinder.

Ihre und Eure Monica

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