Wiegenlied

Plattdeutsche Gedichte von Hermann Hagedorn - ins Hochdeutsche übertragen von Franz Josef Gründges

0 12.12.2021

Min Könnigskend - Wiegenlied

Dörch't Bäukenbüschken suust dä Wend,

Durch das Buchenwäldchen saust der Wind,

„Heia" - honnert Joe on mäe...

“Heia”, hundert Jahre und mehr...

Ärges onner dä Bäukenbläe

Irgendwo unter den Buchenblättern

schlöpp än Kend,

schläft ein Kind,

min Könnigskend!

mein Königskind!

Ick weet än Lied,

Ich kenne ein Lied,

dä Melodie es längs vägohen . . .

die Melodie ist längst vergangen . .

Ät wo än Tied! Ät wo än Tied,

Es gab eine Zeit! Es gab eine Zeit,

do blewen Mond on Stäene stohen,

da blieben Mond und Sterne stehen,

wenn Moder song: „Min leiwe Schoop!"

Wenn Mutter sang: „Mein liebes Schaf!“

- dä Weige schockeln hen on häe -

Und dabei die Wiege hin und her schaukelte:

„Heia susa, Kennken schloop!"

„Heia Susanna, Kindchen schlaf ein!“

Hatte on Heeme. Botterblaumen 1984, S. 10 BN Nr. 34 / 20.08.1954 BN Nr. 10 / 03.03.1961

 

Wiegenlieder gehören zu Weihnachten wie der Stern von Bethlehem. Und so passt "Min Könningskind" gut in diese Zeit, auch wenn Hermann Hagedorn in seinen Zeilen die Buchenblätter rauschen lässt und von Winter keine Rede ist.

Die plattdeutschen Gedichte des Dellwiger Heimatdichters (kleines Bild, rechts) hat übrigens Franz Josef Gründges ausgewählt und stimmungsvoll ins Hochdeutsche übertragen.

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