Wenn Blattläusen Flügel wachsen

Dann wird der Wirt gewechselt

0 13.06.2019

Insektensommer hin, Insektensommer her: Bei den Blattläusen hört bei vielen Gartenfreunden die Freundschaft auf. Die sechsbeinigen Krabbeltierchen rauben den meisten von uns den letzten Nerv, entdecken wir sie in unserem Rosengarten oder auch auf der Blumenbank im Wohnzimmer.

Die Blattlaus (Aphidina) gehört zu den meist gehassten Insekten in unseren Breiten. Schuld daran ist ihr fabelhaftes Überlebenskonzept. Erste Blattläuse haben schon vor 280 Millionen Jahre ihre Rüssel in zarte Pflanzen gesteckt. Das beweisen Fossilienfunde. Heute kennt man allein in Mitteleuropa 800 verschiedene Blattlausarten.

Was die Blattlaus so unbeliebt macht, ist ihr massenhaftes Auftreten im Frühjahr. Je nach Wetterlage vermehren sie sich explosionsartig und leben in großer Anzahl auf den noch jungen Trieben, Knospen oder den Unterseiten der Blätter fast aller Nutz- und Zierpflanzen. Sie machen keine Unterschiede. Ob dicke Bohne oder Rosenknospe: Mit ihren Stechrüsseln zapfen sie die Leitungsbahnen der Pflanzen an und saugen den Pflanzensaft auf. Die befallenen Blätter kräuseln sich oder rollen sich zusammen. Die Triebe verkümmern.

Damit nicht genug. Blattläuse verbreiten stechend eine Lebensform, deren Überlebenstrategie noch erfolgreicher ist: Viren, die ebenfalls Krankheiten an den Pflanzen auslösen können. Aus diesem Grund gelten Blattläuse als bedeutende Schädlinge im Garten und in der Landwirtschaft.

Aus einem weiteren Grunde sind sie unbeliebt: Sie ernähren sich überwiegend von kohlenhydratreichen Pflanzensäften, dabei nehmen sie sehr viel mehr Zucker auf, als benötigt wird und scheiden große Mengen einer zuckerhaltigen Brühe (Honigtau) über den After wieder aus. Das unter einem Baum mit Blattläusen parkende Auto ist schnell verdreckt, Gartenmöbel, die versehentlich unter einem befallenen Strauch stehen, kann man dann mit einem Kärcher zu Leibe rücken. Außerdem lockt der süße Saft andere Insekten an. Bei einigen Blattlausarten besteht sogar eine Symbiose mit Ameisen, die sich gerne vom schmackhaften Honigtau ernähren und dafür die Blattlaus-Kolonien pflegen, behüten und deren Verbreitung unterstützen.

A propos Verbreitung: Auch da sind Blattläuse sehr pfiffig. Bei ein und derselben Art existieren unterschiedliche Erscheinungsformen (Morphen), so dass die Tiere aufeinanderfolgender Generationen sich in ihrem Aussehen und in ihrer Biologie vollständig voneinander unterscheiden können. Das heißt: Mal wächst einer Blattlaus-Generation Flügel, um bei Nahrungsmangel bequem den Wirt zu wechseln, und mal eben nicht.

Im Frühling bringt das Blattlausweibchen ohne Zutun des Männchens eine stattliche Anzahl von Klonen lebend zur Welt. Auf diese Weise entstehen täglich bis zu fünf „Töchter“. Das hat den Vorteil, schnell eine große Population aufzubauen. Warmes und trockenes Wetter bringt die Weibchen dazu, sich zu vermehren. Zum Sommerende, wenn die Tage kürzer und kühler werden, werden „echte“ Männchen gebraucht, die die Weibchen befruchten. Jede Lausefrau legt dann 40 bis 100 widerstandsfähige Eier, die den Winter überstehen und aus denen im Frühjahr neue Blattläuse schlüpfen..

Gott sei Dank hat die Blattlaus auch natürliche Feinde. Der 7-Punkt Marienkäfer, die Schwebfliege, die Gallmücke und die Florfliege gehören dazu. Marienkäfer und ihre Larven sind sehr effektive Blattlausfresser. Jeder Käfer vertilgt in seinem Larvenleben und Erwachsenendasein mehrere tausend Blattläuse - eine stolze Zahl. Aber auch unzählige Larven anderer Insekten, Spinnen und sogar einige Vögel ernähren sich von Blattläusen.

Machen sich die Nützlinge rar und nehmen die Läuse überhand, so kann man Blattläuse mit einem harten Wasserstrahl zum Beispiel von der Rosenknospe spritzen. Man kann sie auch einfach mit den Fingern abstreifen oder mit einem Pinsel entfernen. Blattläuse abhalten soll Lavendel, wenn man ihn zwischen die bedrohten Pflanzen setzt. Auch Knoblauch oder Zwiebeln vertreiben Blattläuse und Wühlmäus. Auf Kapuzinerkresse hingegen fliegen Blattläuse. Auch das kann man nutzen, um die Viecher von seinen Lieblingspflanzen abzulenken. Wer unbedingt ein Mittelchen möchte, sollte nicht auf Chemie zurückgreifen: Sud oder Jauche aus Brennesseln, Rainfarn, Ackerschachtelhalm und Knoblauch helfen gut und sind (für alle anderen Arten) ungiftig.

Zum Bild: Blattläuse sind bis sieben Millimeter groß und flach. Sie besitzen sechs Beine und ein Fühlerpaar. Am Hinterteil sitzen zwei röhrenartige Ausstülpungen (Siphonen), die ein klebriges Abwehrsekret ausscheiden, sobald die Blattlaus von einem ihrer zahlreichen Feinde angegriffen wird. Das Sekret enthält zusätzlich einen Alarmduftstoff, der den Laus-Kollegen die Anwesenheit von Feinden signalisiert. Blattläuse sind meist grün, können aber auch gelblich, bräunlich und sogar rot oder schwarz gefärbt sein. Foto: flora

 

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