Weißer Sonntag in der Bunker-Notkapelle

0 19.04.2022

BRAUK. "In meinem kleinen Privatarchiv habe ich zwei Aufnahmen gefunden, die P. Tietz und Kommunionkinder von St. Bernhard zwischen 1947 und 1950 zeigen", schreibt Franz Josef Gründges zu diesen beiden Bildern. "Die Aufnahmen sind vor dem Hochbunker gemacht worden, in dem eine Notkirche eingerichtet worden war, die ich 1956 selbst noch kennengelernt habe. "

Zum Salesianerpater schreibt er: "P. Anton Josef Tietz wurde am 15. Oktober 1900 in Peine bei Hannover geboren. Nach der Entlassung aus der Volksschule im Jahre 1915 fand er eine Anstellung im Kontor der Peiner Walzwerke AG. Als Spätberufener mit dem Wunsch Priester zu werden begann er am 11. Februar 1921 eine gymnasiale Ausbildung im österreichischen Unterwaltersdorf und machte dort das Abitur. Das Noviziat absolvierte er vom 15. August 1925 bis zum 15. August 1926 in Ensdorf/Oberpfalz. Von 1925 bis 1927 studierte er in Helenenberg bei Trier (seit 1925 ein Don Bosco Jugendhilfezentrum) und Essen Philosophie und leistete dort im Zeitraum 1928 bis 1929 ein pädagogisches Praktikum. 1929 und 1930 studierte er Theologie in Buxheim bei Memmingen, das er 1931 in Turin und 1932/33 in Benediktbeuern fortsetzte und 1933 dort abschloss. Im gleichen Jahr empfing er am 28. Mai in Benediktbeuern die Priesterweihe. Danach war er von 1933 bis 1941 als Priester, Lehrer und Jugendpräses des Don-Bosco-Zirkels am St. Johannes-Stift in Essen-Borbeck tätig, von 1939 bis 1941 war er gleichzeitig Kaplan an St. Johannes Bosco. Im Jahre 1941 wurde P. Anton Tietz im Zuge der Schließung des St. Johannes-Stiftes durch die Staatspolizei wegen seiner regimekritischen Predigten aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf verwiesen.

Die Jahre 1941 bis 1944 verbrachte er als Kaplan in Saarburg bei Trier. Von Dezember 1944 bis März 1946 war er Pfarrkurat der Evakuierten und Ostvertriebenen in Thüringen. Im Juli 1946 kam er als Pfarrkurat nach Essen zurück und war hier von 1946 bis 1950 erster Seelsorger des Seelsorgebezirks Essen-Dellwig-Vogelheim St. Bernhard im Brauk. In dieser Zeit richtete er im Hochbunker für zivilen Luftschutz an der Bottroper Straße eine Notkapelle ein, die am 13. Juli 1947 durch den Borbecker Dechanten Johannes Brokamp benediziert wurde. Gleichzeitig begann er um den Hochbunker herum in der Wohnsiedlung Brauk eine Gemeinde aufzubauen.

Nach seiner Versetzung verbrachte er zunächst einige Monate von April 1950 bis Oktober 1950 als Kaplan an St. Marien und von Oktober 1950 bis Oktober 1951 an St. Augustinus in Ricklingen bei Hannover. Am 26. Oktober 1951 übernahm er die Leitung des neu errichteten Lehrlingsheims Don-Bosco in Hannover-Ricklingen und war dort bis September 1954 als Direktor und gleichzeitig als Religionslehrer an der Bismarckschule in Ricklingen tätig. Danach kam P. Tietz nach Ricklingen zurück. Von September 1954 bis August 1957 übernahm er wieder die Leitung des dortigen Lehrlingsheims und war gleichzeitig Pastor an St. Augustinus in Ricklingen. Diese Tätigkeit musste P. Tietz Mitte 1957 beenden und kam wieder zu den Salesianern nach Essen-Borbeck zurück. Von September 1957 bis Ostern 1959 erteilte er Religionsunterricht am Gymnasium Essen-Borbeck. Danach war er von 1959 bis 1962 Pfarrer in Marienhausen und ab 1962 Wirtschaftsleiter in Bendorf und Jünkerath (Eifel). Am 11. Oktober 1971 ist P. Tietz im Krankenhaus Gerolstein verstorben.1 Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Mitbrüderfriedhof in Jünkerath. FJG

Quellen: Archiv des Bistums Essen. Weitere Angaben stellte Rudolf Tengler vom Provinzialsekretariat beim Provinzialat der SDB in München am 19.12.2016 per Mail zur Verfügung (Personalblatt). Der Hinweis auf die Grabstätte stammt von P. Bernhard Seggewiß aus Jünkerath.

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