Vor 100 Jahren: Polizei warnt vor Silvester-Ausschreitungen

Und die Stadt braucht dringend neue Friedhöfe

0 28.12.2023

Kriegsfolgen, Ruhrbesetzung und Hyper-Inflation - 1923 war für die leidgeprüfte Bevölkerung vor allem im Revier ein schwarzes Jahr. Wir bringen in loser Folge Kurznachrichten aus der Zeit vor hundert Jahren, die damals in zeitgenössischen Zeitungen erschienen.

Dringend gebraucht: Neue Friedhöfe

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Freitag, 28. Dezember 1923. Zu Montagnachmittag ist eine Stadtverordnetensitzung einberufen. Ihr liegt unter anderem der zweite Nachtragshaushalt für das Rechnungsjahr 1923 zur Beschlussfassung vor. (...) Des Weiteren steht auf der Tagesordnung die Anlage von neuen Zentralfriedhöfen, wozu von dem Beigeordneten Bode die dringend erforderlichen Maßnahmen vorgeschlagen werden. Die alten Friedhöfe mit Ausnahme der Friedhöfe in Altenessen, die nach dem Eingemeindungsvertrag nur Altenessen vorbehalten bleiben, sind nahezu voll belegt und die notdürftige Fertigstellung der neuen Friedhöfe in Huttrop und Schönebeck sowie die Erweiterung des Südwestfriedhofes sind eine unbedingte Notwendigkeit. Stadtverordnetenversammlung wird gebeten, die hierfür notwendigen Mittel in Höhe von 60.000 Goldmark zu bewilligen.

400 Trillionen Papiermark

EAZ, Samstag, 29. Dezember 1923. Gegenüber den neuerlichen Auslassungen amtlicher französischer und belgischer Zeitungen, die die Vermehrung des Notenumlaufs der Reichsbank auf 400 Trillionen Papiermark bis zum 30. November dieses Jahres zum Anlass nahmen, von einer neuen Inflation in Deutschland zu sprechen, stellt die Reichsbank fest, dass die Notenpresse für die Zwecke der Kreditgewährung an das Reich seit dem 15. November stillgelegt ist. Seit diesem Tage sind Reichsbanknoten lediglich für die Bedürfnisse der Privatwirtschaft weiter gedruckt worden.

Und ewig lahmt der Amtsschimmel

EAZ, Sonntag, 30. Dezember 1923. Streiflichter zur morgigen Stadtverordnetensitzung. (...) Man wird aber nunmehr auch von der Stadtverwaltung fordern müssen, dass der so unendlich schwerfällige Gang der bürokratischen Maschine aus vorsintflutlicher Langsamkeit sich in eine wenigstens mittelalterliche Gangart wandelt. Wer immer mit St. Bürokratius zu tun hatte, lernte Dauer der Wertschöpfungsperioden begreifen. Es darf nicht mehr vorkommen, dass erst die Urenkel Bescheid erhalten auf Eingaben, die längst verschollene Urgroßväter vertrauend in den Tempel St. Bürokratii trugen. Man glaube nicht an scherzhafte Übertreibung. Fälle, dass man nach einem halben Jahr, einem Jahre oder noch länger erst die weise Entscheidung der hohen Behörde erhielt, sind nicht so selten.

Polizei warnt vor Silvester-Ausschreitungen

Das Polizeipräsidium macht darauf aufmerksam, dass gegen Ausschreitungen in der Silvesternacht, insbesondere das sogenannte Neujahrsschießen, besondere Vorkehrungen getroffen sind. Es wird vor derartigem Unfug dringend gewarnt. Personen, die sich Zuwiderhandlungen gegen gesetzliche Bestimmungen zuschulden kommen lassen, werden unnachsichtig zur Anzeige und zur Bestrafung gebracht.

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

Zum Bild oben: Der Terrassenfriedhof in Schönebeck war 1923 nur notdürftig fertiggestellt. Offiziell wurde er 1926 eingeweiht.

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