Vor 100 Jahren: Karnevalsverbot in Preußen

0 07.02.2024

Kriegsfolgen, Ruhrbesetzung und Hyper-Inflation - 1923/24 war für die leidgeprüfte Bevölkerung vor allem im Revier ein schwarzes Jahr. Wir bringen in loser Folge Kurznachrichten aus der Zeit vor hundert Jahren, die damals in zeitgenössischen Zeitungen erschienen.

Straßenkarneval verboten

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Samstag, 2. Februar 1924. In einer Verfügung an die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin verweist der Minister des Inneren auf seinen Erlass vom 26. Oktober 1923, in dem ein Karnevalsverbot für Preußen ausgesprochen wird. Der Erlass wird für 1924 unverändert erneuert. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die von geschlossenen Vereinen veranstalteten karnevalistischen Sitzungen und so genannten Kostümfeste nicht unter das Verbot fallen.

Rote Schule feiert bei Brepohl

EAZ, 2. Februar 1924. Der evangelische Arbeiter- und Bürgerverein Essen-Borbeck begeht am kommenden Sonntag nachmittags viereinhalb Uhr bei Brepohl am Fliegenbusch eine Doppelfeier für Schule und Vereine. Die Jugendabteilung des Vereins und die Schulvereinigung der zurzeit aufgelösten evangelischen Schule Borbeck II, Heißener Straße, veranstalten gemeinsam einen Familienabend, bei dem Lehrer Fenge die Festansprache: "Jugenderziehung - ein Gebot der Stunde" halten wird. Außer Schülerchören und Reigen, Deklamationen, Musikstücken und gemeinsamen Liedern wird eine Humoreske: "Das erste Mittagessen" - ein zeitgemäßes Bergknappen-Zwiegespräch über Religion und Schule: "Auf der Heimkehr" und das Schauspiel: "Durch meine Schuld" geboten werden. Eintritt ist für die Mitglieder des Vereins, der Schule und der evangelischen Gemeinde frei.

Blutlache ruft Polizei auf den Plan

EAZ, Sonntag, 3. Februar 1924. Am Donnerstag fanden Strafgefangene des Zuchthauses Werden, die mit Ausschachtungsarbeiten an der Ruine Alte Burg am Pastoratsberg in Werden beschäftigt sind, einen Herren-Stehkragen, eine Krawatte und einen Kragenschoner. An der Fundstelle befand sich auf dem dort angehäuften Laub eine große Blutlache. Von der Blutlache aus führt eine lange starke Blutspur bis zu der in der Nähe liegenden, jetzt außer Betrieb befindlichen Zeche Pauline. Dort verliert sich die Spur.

Wie festgestellt worden ist, sind die aufgefundenen Gegenstände am Tage vor dem Auffinden am Fundort nicht gesehen worden. Es ist ferner festgestellt worden, dass es sich um vollständig frisches Blut handelt. Da es nicht ausgeschlossen erscheint, dass ein Verbrechen vorliegt, ist das Gelände noch an dem gleichen Tage in weitem Umkreise sorgfältig durch einen Polizeihund abgesucht worden, allerdings bislang ohne Erfolg.

Andererseits ist die Möglichkeit nicht ganz von der Hand zu weisen, dass es sich bei den rätselhaften Fund auch um einen groben Scherz handeln kann, der vielleicht von Viehdieben, die an der Fundstelle ein gestohlenes Stück Vieh abgeschlachtet haben mögen, verübt worden ist. Die Kriminalpolizei wird durch chemische Untersuchungen noch feststellen, ob es sich um Menschen- oder Tierblut handelt.

Wucher-Polizei hatte viel zu tun

EAZ, 7. Februar 1924. Dem Bericht der Nahrungsmittelkontrolle und der Wucherstelle der städtischen Polizeiverwaltung für den Monat Januar 1924 entnehmen wir unter anderem:

Untersucht wurden 291 Nahrungsmittelproben, davon 118 Milch und 173 andere Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände. Ferner wurden 30 Strafverfahren eingeleitet, und zwar 6 wegen übermäßiger Preisforderung, 13 wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz, 2 wegen Kettenhandels, 3 wegen Nichtführung von Protokollbüchern, 4 wegen Nichtanbringung von Preisschildern, 1 wegen unerlaubten Großhandels und 1 wegen Ausübung des Handels trotz Untersagung.

Gerichtlich bestraft wurden 8 Personen, und zwar 4 wegen Preistreiberei und 4 wegen Preisschildervergehens. Polizeilich bestraft wurden 14 Personen wegen Übertretung der polizeilichen Bestimmungen. Revidiert wurden 1420 Gewerbetreibende und die Wochenmärkte.

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

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