Vor 100 Jahren: Stadtverordnete wollen Naturschutz im Schellenberger Wald

0 08.07.2024

Was war los in Borbeck und Essen vor 100 Jahren? Wir bringen in loser Folge Kurznachrichten aus der Zeit vor hundert Jahren, die damals in zeitgenössischen Zeitungen erschienen.

Versailles bedeutet Demütigung und Armut

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Samstag, 28. Juni 1924. Am heutigen 28. Juni sind 10 Jahre nach der Bluttat von Sarajevo vergangen, die das Signal zum Weltkriege gegeben hat. Am gleichen Tage jährt sich zum fünften Male die erpresste Unterschrift unter dem drückenden Vertrag von Versailles. Dieser Jahrestag bedeutet für uns nationale Demütigung, Zerstückelung und Armut. Trotzdem kann dieser trübe Tag nur begangen werden im Sinne des Wortes "Ans Vaterland, ans teure schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen." Jetzt im Unglück soll erst recht unsere Liebe ganz Germania, dieser mater dolorosa, gehören und Sinn und Herz erfüllen.

Keine Zeche im Schellenberger Wald!

EAZ, 29. Juni 1924. Essener Stadtverordnetenversammlung. Zum Punkt "Errichtung einer Zechenanlage im Schellenberger Wald - eine Gefahr für das Ruhrtal" führt Beigeordneter Ehlgötz unter anderem aus, dass die Absicht bestehe, im schönsten Teile des Schellenberger Waldes eine Schachtanlage abzuteufen. Mit Rücksicht auf den früheren Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, dass dort die Anlage von Schachtanlagen verhindert werden müsse, habe die Verwaltung alles getan, um die Anlage nicht zur Ausführung kommen zu lassen. Es bestehe aber die Gefahr, dass eventuell von den Ministerien in Berlin eine Entscheidung entgegen den Wünschen der Stadtverordneten getroffen werde. Er bittet die Versammlung, Protest in dem Sinne zu erheben, dass unter allen Umständen der Schellenberger Wald als Erholungsstätte für die Essener Bevölkerung und für das ganze Ruhrgebiet erhalten bleibe und das unter keinen Umständen eine derartige Anlage mit Zustimmung der Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung errichtet werden darf.

Mehr als 1000 Anzeigen bei der Kripo

EAZ, Sonntag, 29. Juni 1924. Im Monat Mai 1924 gelangten bei der Essener Kriminaldirektion nicht weniger als 1047 Anzeigen zur Bearbeitung, die sich im einzelnen auf folgende Straftaten erstrecken: Mord 1, Raub und räuberische Erpressung 21, einfacher Diebstahl 646, schwerer Diebstahl 304, Sittlichkeitsverbrechen und Sittlichkeitsvergehen 18, Münzverbrechen 42, Vergehen gegen die Preistreibereiverordnung 15. In dem gleichen Zeitraum wurden einstweilen festgenommen 148 Personen.

Neuer Sportplatz an der Serlostraße

EAZ, 2. Juli 1924. Auf dem Gelände, das in etwa 230 Metern Ausdehnung von der Oberdorfstraße bis zur Serlostraße sich erstreckt, wird jetzt ein neuer Spiel- und Sportplatz angelegt. Diese Nachricht wird ebenfalls von der Bevölkerung des westlichen Stadtteils mit lebhafter Genugtuung aufgenommen werden. Die Wohnviertel an der Altendorfer Straße haben nicht die Annehmlichkeiten aufzuweisen, wie sie die Bewohner der anderen Stadtteile namentlich in den neueren Wohnungssiedlungen in ihren Hausgärten, in den Erholungsanlagen oder in den nahegelegenen Waldungen besitzen. Wollte man hier die Kleinen nicht den Gefahren der Straße aussetzen, so musste man sie in den dumpfen Stuben oder in den von der Sonne wenig beschiedenen engen Hofräumen behalten. (...)

Straßenbahnen werden sicherer

EAZ, Donnerstag, 3. Juli 1924. Eine aus Amerika stammende Neuerung, die auch für das Straßenbahnwesen auf dem Kontinent von Bedeutung werden kann, ist soeben in London eingeführt worden. Es handelt sich um den neuen Typ eines Straßenbahnwagens, der mit selbsttätig wirkenden Apparaten ausgerüstet ist, die das gefährliche Auf- und Abspringen während der Fahrt unmöglich machen. Bei jedem Haltepunkt betätigt der Schaffner des Straßenbahnwagens einen Hebel, der automatisch die Türen öffnet und die Trittstufen des Wagens zum Straßenniveau herablässt. Nachdem die Fahrgäste ausgestiegen oder eingestiegen sind, zieht eine zweite Bewegung des Hebels die Stufen wieder herauf und schließt die Wagentüren. Der Wagen kann nicht in Bewegung gesetzt werden, solange die Türen geöffnet sind und ebensowenig ist es möglich, die Türen zu öffnen, wenn der Wagen fährt.

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

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