Vor 100 Jahren: Bergleute beenden Streik

Kommunisten ziehen ins Stadtparlament ein

0 08.06.2024

Essen. Andreas Eickholt macht für uns wieder einen Blick zurück auf 1924.

Bergleute beenden vierwöchigen Streik

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Samstag, 31. Mai 1924. Die gestrige Revierkonferenz des Deutschen Bergarbeiterverbandes hat sich mit 140 gegen 34 Stimmen gegen den Streik ausgesprochen. Die Arbeit soll am Montag in allen Teilen des Reviers wieder aufgenommen werden. Die Betriebsräte werden sich sofort mit den Werksleitungen wegen der Wiederaufnahme der Arbeit in Verbindung setzen.

Die vier Bergarbeiterorganisationen erlassen einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt: Nach einem vierwöchigen schweren Kampfe um die Gestaltung des Tarifvertrages und der Arbeitszeit im Ruhrbergbau ist es zu einem für die Bergarbeiter annehmbaren Abschluss gekommen. (...)

Kameraden! Die Saboteure unserer Bewegung verbreiten aus durchsichtigen Gründen die Nachricht, dass dieser Kampf von den Organisationen erfolglos abgebrochen worden sei. Eine derartige Darstellung der Geschehnisse muss als eine völlige Verkennung der wirklichen Tatsachen bezeichnet werden. (...)


Kommunisten ziehen in neuen Rat ein

Essens neu gewählte Stadtverordnetenversammlung hat sich gestern konstituiert. Neben den wohlbekannten Gesichtern der Stadtverordneten, die bereits in der verflossenen Bürgerschaftsvertretung zu ihrem Teil am Wohl und Wehe unseres Gemeinwesens mitgearbeitet haben, sah man auch manches neue unbekannte Gesicht, zumal bei der von 3 auf 20 Mitglieder angewachsenen kommunistischen Fraktion, die kurz nach 5 Uhr geschlossen in den Sitzungssaal einzog.


Kühl und feucht

EAZ, Montag, 2. Juni 1924. Wetterbericht des Meteorologischen Observatoriums Essen. Das Hochdruckgebiet hat sich von Mitteleuropa ostwärts zurückgezogen. Vom Ozean ziehen neue Tiefdruckgebiete herein. Wir haben daher in den nächsten Tagen veränderliches und ziemlich kühles Wetter mit vereinzelten Regenfällen zu erwarten.


Franzosen verlangen genaue Preisangaben

EAZ, Dienstag, 3. Juni 1924. Es besteht eine Verordnung des Generals Degoutte, die den Verkauf von Waren besonders regelt. In der Verordnung wird den Kaufleuten insbesondere zur Pflicht gemacht, in den Schaufenstern Preisschilder anzubringen. Das Preisverzeichnis muss so gehalten sein, dass aus ihm die Preise für jedes Stück und jede Art der Waren erkennbar sind. Die Preise sind, wenn sie in Goldmark ausgedrückt werden, gleichzeitig in Papiermark mit anzugeben.

Die Erfahrung hat gelehrt, dass viele Geschäftsleute in der Stadt die Verordnung nicht genau befolgen. Diese Unvorsichtigkeit hat in manchen Fällen zu unliebsamen Folgen geführt. Die Franzosen halten auf strenge Beachtung der einschlägigen Vorschriften und überwachen genau ihre Durchführung. Die Verstöße gegen die Preisschilderverordnung werden stets mit empfindlichen Strafen geahndet. Französische Gendarmen kontrollieren von Zeit zu Zeit die Geschäfte. Die Kaufleute tun daher gut, sich genau an die einschlägigen Bestimmungen zu halten, wenn sie sich vor empfindlichen Strafen und anderen Unliebsamen schützen wollen.




Bewohner der "Besetzten Gebiete"

EAZ, Mittwoch, 4. Juni 1924. Nach den Vorschriften des Artikels 1 der französischen Verordnung 116 müssen alle Personen über 16 Jahre alt, die ihren dauernden Wohnsitz in den besetzten Gebieten haben, mit einer Ausweiskarte versehen sein, die den Vermerk "Territoires Occupés" (Besetzte Gebiete) trägt.

Der kommandierende General der Truppe gibt bekannt, dass es nicht erforderlich ist, neue Ausweiskarten durch die deutsche Behörde ausstellen zu lassen, vorausgesetzt, dass der Vermerk "Territoires Occupés" in kürzester Frist auf die vorhandene Karte angebracht wird. Ab 15. Juni müssen alle Personalausweise den oben erwähnten Vermerk tragen.


Lebensgefahr nach Messerstecherei

Steele. Blutiger Streit. Die Arbeiter W. und M. kamen aus geringfügiger Ursache in den Ruhrweiden aneinander. W. erhielt einen Messerstich in den Leib und wurde nach Anlegung eines Notverbandes in das Krankenhaus geschafft. Die Verwundung ist lebensgefährlich. Der Täter wurde verhaftet.


Attentat auf Polizisten an Zeche Hagenbeck

EAZ, Donnerstag, 5. Juni 1924. Den mehrfachen Anschlägen, die in der jüngsten Zeit unter dem Schutze der abendlichen oder nächtlichen Dunkelheit gegen Polizeipatrouillen und einzelne Polizeibeamte in Essen verübt worden sind, ist ein weiterer heimtückischer Überfall gefolgt.

In einer der letzten Nächte gegen 3 Uhr wurde eine Patrouille der blauen Polizei vor dem Tore der Zeche Hagenbeck von bislang unbekannten Personen ohne jedweden Grund aus dem Hinterhalt beschossen. Beamte sind nicht verletzt worden. Die Täter, etwa 6 Personen, ergriffen schleunigst die Flucht und liefen in der Richtung auf Heißen, nachdem die Polizeibeamten das Feuer erwidert hatten. Wer irgendwie Beobachtungen zu dem Anschlag gemacht hat oder in der Lage ist, Angaben über die Täter zu machen, wird gebeten, sich bei der Kriminaldirektion in der Hedwigschule zu melden. Die Angaben werden vertraulich behandelt.













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