Vor 100 Jahren: Bäumefällen für Zigaretten

0 02.05.2024

BORBECK. Läuft nicht rund im Revier: Jetzt wandern sie sogar nach Südamerika aus. Und das vor dem Muttertag. Was vor 100 Jahren bewegte: Wir bringen in loser Folge Kurznachrichten aus der Zeit vor hundert Jahren, die damals in zeitgenössischen Zeitungen erschienen.

In Borbeck wieder Kleinviehmarkt

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Samstag, 26. April 1924. Der für den zweiten Freitag jeden Monats genehmigte Kleinviehmarkt in Essen-Borbeck, der vorübergehend eingestellt war, findet von jetzt ab wieder statt. Markttage 1924: 9. Mai, 13. Juni, 11. Juli, 8. August, 12. September, 10. Oktober, 14. November, 12. Dezember.

Auswanderung nach Südamerika

EAZ, Sonntag, 27. April 1924. Aufgrund verschiedener Pressenachrichten der letzten Monate hat angeblich eine starke Auswanderung aus dem Ruhrbezirk stattgefunden. Zahlreiche Arbeitskräfte, die in Zeiten günstiger Industriekonjunktur aus anderen Teilen Deutschlands in das Ruhrgebiet gewandert waren, sind wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Andererseits sollen aber auch viele Arbeiter ins Ausland, insbesondere nach Südamerika, abgewandert sein.

Wie sich die Auswanderungsbewegung des Stadt- und Landkreises Essen gestaltet hat, ist aus folgender Aufstellung ersichtlich. Es haben sich Reisepässe zur Auswanderung ausstellen lassen: 81 Personen nach Brasilien, 18 nach Argentinien, 4 nach Südamerika, 3 nach Mexiko, eine Person nach Chile. Summa 107.

Muttertag als trauliche Familienfeier

EAZ, Mittwoch, 30. April 1924. Muttertag in Essen am 11. Mai 1924. Wie in ganz Deutschland, so wird auch in Essen am 11. Mai ein Muttertag abgehalten werden. Was mit dieser Veranstaltung bezweckt werden soll, das haben wir bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle ausführlich dargelegt. Es soll ein Dank- und Ehrentag für die Mutter sein, die so vieles geduldig für ihre Kinder trägt und deren Liebe und Sorge den Kindern Häuser baut. Der Muttertag soll nicht sein ein rauschendes öffentliches Fest. Er ist gedacht als eine stille, trauliche Familienfeier in jedem Hause, bei welcher in sinniger und individueller Weise der Mutter der Dank der Familie dargebracht werden wird. Aber auch der heimgegangenen Mutter soll an diesem Tage durch eine Vereinigung der Familienglieder am Grabe gedacht werden. Weiter auch die vielen armen, einsamen und verlassenen Mütter.

Der Muttertag soll die im deutschen Familienleben ruhenden tiefen Quellen der Kraft wieder freilegen und den Anstoß dazu geben, in Schule und Haus mehr als bisher die Mutterehrung als Teil der Erziehungsarbeit gelten zu lassen. Nicht zuletzt soll dadurch unser deutsches Volk wieder zu der tiefen Innerlichkeit des Familienlebens geführt werden, die unter den Einwirkungen der vergangenen rauen und unruhigen Jahre vielfach gelitten hat. (...)

Dreister Waldfrevel am helllichten Tag

EAZ, 30. April 1924. Vor dem Schöffengericht in Essen spielte sich folgende Verhandlung ab: Auf der Anklagebank sitzen 3 Waldfrevler, und zwar die Bergleute Clemens Groß, Johann Loßmann und Johann Schlag, junge Burschen im Alter von 18 bis 20 Jahren. Die Angeklagten waren im Februar dieses Jahres erwerbslos und gingen „stempeln“. Das Geschäft brachte aber zu wenig ein, vor allen Dingen blieb nichts für ihren Zigarettenbedarf übrig. Um sich nun die Mittel für Zigaretten beschaffen zu können, zogen sie in den Wald bei Bredeney, fällten Bäume und machten die Stämme zu Geld.

Am 13. Februar, am helllichten Tage vormittags gegen 10 Uhr, wurden sie in den Waldungen an der Bredeneyer Straße von Polizeibeamten bei ihrem schändlichen Treiben ertappt. Die dreisten Burschen hatten bereits 15 hochgewachsene prächtige Edeltannen abgeholzt und die Stämme zum großen Teil auf einem mitgebrachten Wagen fortgeschafft. (...) Das Gericht hielt in diesem Falle eine Geldstrafe für keine ausreichende Sühne und erkannte auf Gefängnisstrafen.

Fischbratöfen in allen großen Städten

EAZ, Freitag, 2. Mai 1924. Zur Förderung des dringend nötigen deutschen Fischabsatzes hat der wirtschaftliche Verband Deutscher Hochseefischereien größere Mittel für die Beschaffung der in England allgemein eingeführten Fischbratöfen zur Verfügung gestellt, durch die der Großstadtbevölkerung ein sättigendes und äußerst wohlschmeckendes Fischgericht mit gebackenen Kartoffeln für 30 bis 35 Pfennig beschafft werden kann. Man beabsichtigt, diese Fischbacköfen, die 600 Portionen in der Stunde herstellen können, in den größten Städten Deutschlands einzuführen, da hiervon der heute fehlende, aber sehr nötige Absatz der deutschen Hochseefischerei erwartet wird.

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

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