Vor 100 Jahren: Hühnerställe ziehen Spitzbuben an

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0 18.01.2024

Kriegsfolgen, Ruhrbesetzung und Hyper-Inflation - 1923/24 war für die leidgeprüfte Bevölkerung vor allem im Revier ein schwarzes Jahr. Wir bringen in loser Folge Kurznachrichten aus der Zeit vor hundert Jahren, die damals in zeitgenössischen Zeitungen erschienen.

Hühnerställe ziehen Spitzbuben an

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Sonntag, 13 Januar 1924. Die Unsicherheit in den Außenbezirken unserer Stadt nimmt immer mehr zu. Es ist noch nicht lange her, dass einige vermummte Räuber noch vor Ladenschluss in die Verkaufsstelle des Beamtenkonsums an der Margarethenhöhe eindrangen, die noch anwesende Kundschaft beiseite schoben und die Kasse raubten. Trotz der seitdem erhöhten Wachsamkeit der Anwohner des Bezirks lassen die Einbrüche nicht nach. Besonders die Hühnerställe üben eine starke Anziehungskraft auf die Spitzbuben aus. Es gibt fast keinen Hühnerstall auf der Margarethenhöhe, der von den Dieben nicht schon heimgesucht worden ist. Neben einer schärferen polizeilichen Streife, die unbedingt verlangt werden muss, kann die Tierhalter nur die allerschärfste Wachsamkeit vor Schaden bewahren.

Spendet für die Nothilfe!

Herzens- und Gewissenssache eines jeden, auch für dich, ist es, sich an der Essener Nothilfe durch regelmäßige Spenden zu beteiligen. Deine Nachbarn ringsherum hungern. Hast du das nicht bemerkt? Wenn nicht, dann wird es Zeit, dass du Umschau hältst. Die Hungernden sind meist verschämte Arme und melden sich nicht. Sie verhungern, wenn du nicht hilfst. Bei gutem Willem kannst du auch etwas tun. Nur Hilfe von Mensch zu Mensch kann uns noch retten. (...)

Arbeiter spenden Billionen

EAZ, Dienstag, 15. Januar 1924. An Zuwendungen flossen der Essener Nothilfe weiter zu: Geldspenden: Städtische Arbeiter 40,8 Billionen Mark, Firma Leopold Cosmann 50, Jüdischer Jugendverein 50, Firma Theodor Goldschmidt AG 25 (...)

Holländische Liebesgaben

Mit dem heutigen Tage sind, wie die Stadtverwaltung mitteilt, im Huyssenstift und im Schwesternhaus in der Norbertstraße 2 Volksküchen eröffnet worden, die die Bezeichnung Essener Nothilfe - Küche des niederländischen Roten Kreuzes im Haag führen, weil ihr Unterhalt vornehmlich auf holländischen Spenden beruht. Das Essen wird nach dem von Woche zu Woche für die übrigen Küchen herausgegebenen Speiseplan zubereitet. Die Zahl der Küchenteilnehmer ist für jede Woche einstweilen auf täglich 250 festgesetzt.

Riesige Verhandlungen vor den Strafkammern

EAZ, Mittwoch, 16. Januar 1923. Gestern haben die beiden neu gebildeten Strafkammern am Landgericht Essen (...) ihre Tätigkeit eröffnet. Diese beiden Strafkammern haben vor allen Dingen auch die zahlreichen Plünderungsprozesse zu erledigen, die beim hiesigen Landgericht anhängig sind und die sich zum Teil zu riesen Verhandlungen mit Dutzenden von Angeklagten auswachsen werden.

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

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