Vor 100 Jahren: Immer mehr drängen ins Café im Schloss

0 13.03.2024

Kriegsfolgen, Ruhrbesetzung und Hyper-Inflation - auch 1924 war für die leidgeprüfte Bevölkerung vor allem im Revier ein schwarzes Jahr. Wir bringen in loser Folge Kurznachrichten aus der Zeit vor hundert Jahren, die damals in zeitgenössischen Zeitungen erschienen.

Margarete Krupp vollendet ihr 70. Lebensjahr

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Samstag,15. März 1924. Den Fremden, der, in Altenessen dem Zuge entstiegen, seine vorgefasste Meinung von der rußigen Industriestadt bestätigt glaubt, führt der Essener Gastfreund gern zur Margaretenhöhe. Dort heißt er ihn beschämt stehen, denn er müsse bekennen, dass diese Schöpfung ihresgleichen nicht habe. Und dann pflegt sich die Selbstsicherheit des sich im festen Besitze seines Vorurteils Wähnenden sehr schnell in überraschtes Staunen zu verwandeln.

Weitab von Qualm und Asche, umsponnen von dem Zauber grüner blühender Natur, liegt da ein Städtlein, weltentrückt, das Werk eines einzigen Baumeisters, einheitlich nach seiner künstlerischen Auffassung erbaut und bewohnt von Arbeitern und kleineren Beamten. Weinlaub klettert empor an den Wänden, blühende Rosen umranken die Gartentore und spannen leuchtende Bogen darüber. Häuser und Gärten versinken in träumendem Buchenwald. Die Frau, die dieser Siedlung Leben und Namen gegeben, ist FRAU MARGARETE KRUPP. (...)

Schloss Borbeck erweitert sein Café

EAZ, Sonntag, 16. März 1924. Schloss Borbeck. Durch die andauernde Zunahme der Besucherzahl war die Verwaltung gezwungen, die Räume des Kaffees bedeutend zu erweitern. Nachdem die Renovierungsarbeiten beendigt sind, finden sonntags die üblichen Konzerte statt. Die Verwaltung gibt von heute ab wieder Jahreskarten ab.

Reichsbahn verlangt Millimeterarbeit

EAZ, Montag, 17. März 1924. Die Reichseisenbahndirektion Essen teilt mit: Vom 1. April des Jahres ab gelten die Monatskarten und vom 1. Mai des Jahres ab auch die Wochen- und Schüler-Monatskarten im gesamten Gebiete der Reichsbahn nur in Verbindung mit einem Lichtbild des Inhabers der Zeitkarte. Das Lichtbild, das nicht aufgezogen sein darf, muss 70 Millimeter hoch und 46 mm breit sein. (...)

Schwindler nimmt Tabakhändler aus

EAZ, Dienstag, 18. März 1924. Der Schwindler, welcher vor einigen Tagen in verschiedenen Tabakwarengeschäften als französischer Kriminalbeamter auftrat und Revisionen und Versteuerungen der Tabakwaren vornahm, ist festgenommen worden. Geschädigte, die bisher keine Anzeige erstattet haben, wollen sich beim vierten Kriminalkommissariat in der Hedwigschule melden oder im nächsten Polizeirevier Anzeige erstatten.

Stadt soll Krankenwagenfahrten bezahlen

EAZ, Mittwoch, 19. März 1924. Vorgestern Nachmittag wurde eine Frau, die aus der Stadt kam, auf dem Beisewege von schweren Krämpfen befallen. Sie schlug wuchtig auf den Boden hin. Ein vorübergehender Herr und 2 gerade hinzukommende Polizeibeamte trugen die heftig um sich Schlagende in den anliegenden Friedrichshof, wo man sie erst an dem Hause niederlegen und die weiteren Dinge abwarten wollte. Sie wurde aber schließlich in ein Haus gebracht. Den Beamten wurde der Vorschlag gemacht, die Kranke mit Krankenwagen nach dem Krankenhaus oder nach ihrer Wohnung zu schaffen. Die Beamten erwiderten, das wäre so einfach nicht, wer denn den Wagen bezahlen solle? Die augenscheinlich nicht mit Glücksgütern bedachte Frau würde allerdings die Kosten wohl kaum haben bestreiten können.

Natürlich muss in solchem Falle eben das Wohlfahrtsamt für die Unkosten aufkommen. Nicht nur mit Rücksicht darauf, dass bei auf offener Straße vorkommenden Unfällen häufig Gefahr im Verzuge sein kann, sondern auch im Interesse der allgemeinen Ordnung müsste eine schnelle Fortschaffung der Verunglückten durch Krankenauto erfolgen, ohne dass, wie das schon vorgekommen ist, erst lange Hin- und Herfragen am Fernsprecher darüber entstehen, wer die Kosten für den Krankenwagen trägt. Was den anderen Städten in solchen Fällen möglich ist, muss auch in Essen ausführbar sein. Die Polizeibeamten müssten dementsprechend instruiert werden.

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

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