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0 28.08.2025
Über unverhofften Besuch freute sich Naturfreund Hermann Bovens. Libellen gaben sich in seinem Garten ein Stelldichein in der Hoffnung, ein paar Mücken oder Fliegen fangen zu können.
Mit von der Partie: Die Blaugrüne Mosaikjungfer. Sie beeindruckt nicht nur durch ihre schöne, farbige Musterung, sondern auch durch ihre Größe. Rund acht Zentimeter kann sie lang werden und mit ausgebreiteten Flügeln etwa genau so „breit“. Wenn sie versehentlich dicht am Kopf eines Gartenfreunds – oder einer Gartenfreundin – vorbeisummt, halten viele respektvoll Abstand. Aber keine Bange: Libellen stechen nicht. Einen Zusammenstoß muss man auch nicht befürchten. Sie können verdammt gut sehen. Die Augen der Libellen können – je nach Art - aus bis zu 30000 Einzelaugen bestehen (so genannte Facettenaugen).
Wie eine Fotodrohne können Libellen in der Luft stehen – und sogar rückwärts fliegen. Beim Zickzack-Kurs durch die Luft sind Libellen den technischen Geräten deutlich überlegen. Nicht ohne Grund: Es muss ja auch rasch gehen, will die Libelle eine Mücke vernaschen, einen Rivalen vertreiben oder einem Weibchen imponieren.
Beim Flug werden Maximalgeschwindigkeiten von 50 km/h erreicht. Etwa 30 mal in der Sekunde schlagen die filigranen Tierchen mit den Flügeln. Das liegt an einem fabelhaften Trick der Natur: Libellen – das gilt grundsätzlich für alle Arten – können ihre beiden Flügelpaare auch unabhängig voneinander bewegen.
Auch die Partner finden sich sozusagen im Flug. Dies ist an einem sonnigen Tag an vielen Teichen gut zu beobachten. In ihrer Entwicklung sind Libellen auf das Wasser angewiesen. Die Eier werden in oder nahe an ein Gewässer gelegt, manche Arten lassen sie auch einfach im Flug über dem Wasser fallen. Die Larvalentwicklung findet im Wasser statt; dabei ist es von Art zu Art sehr unterschiedlich, wie lange diese dauert (zwischen 40 Tagen und fünf Jahren).
Die Larve lebt genau wie die Libelle räuberisch. Und dann, eines Tages, klettert sie aus dem Wasser und häutet sich zu einer wunderschönen Libelle. Ihre Hülle verbleibt am Schlupfort, meist an einem Halm einer größeren Pflanze.
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist bei uns recht häufig. Sie liebt langsam fließende und kleine, stehende Gewässer. Aber auch ein kleiner Gartenteich kommt ihr gerade recht als Lebensraum. Hauptsache, es gibt genügend Mücken oder Fliegen zu jagen; die stehen nämlich auf ihrem Speisezettel.
Etwas kleiner als die Blaugrüne Mosaikjungfer ist die Gebänderte Prachtlibelle. Sie zählt zu den Kleinlibellen, ist aber unter diesen die größte mit einer Länge von fünf Zentimetern und einer Flügelspannweite von etwa sieben Zentimetern.
Man findet sie an langsam fließenden Bächen und Flüssen mit viel Ufervegetation. Besonders prächtig kommen die Männchen daher. Ihre Körper schillern eindrucksvoll blaugrün, die Flügel sind durchscheinend grün und haben eine breiten, blau glänzenden Streifen, die so genannte Flügelbinde.
Die Weibchen sind auch schmuck anzuschauen, doch insgesamt sind sie etwas weniger auffällig.
Bis Anfang September kann man die Männchen der Gebänderten Prachtlibelle dabei beobachten, wie sie ihr Revier gegen Eindringlinge verteidigen. Sie sitzen dabei irgendwo auf einem hohen Halm. Dann und wann verlassen sie ihre Warte, um ihr Revier zu kontrollieren. Ein fremdes Männchen wird nicht geduldet, es kommt zum Schaukämpfen in der Luft.
Übrigens: Die ersten Libellen segelten schon vor ca. 320 Mio. Jahren durch die Sumpfwälder des Oberkarbons. Seitdem jagen sie mit nahezu unverändertem „Bauplan“ entlang der Gewässerufer nach anderen Fluginsekten. Sie sind damit eine der am längsten existierenden Tiergruppen der Erde und haben viele Episoden der terrestrischen Evolutionsgeschichte überlebt, darunter auch die Episode „Dinosaurier“. A propos: Einen Unterschied, der wohl viele aufatmen lässt, gibt es schon: Die Libellen der Urzeit waren deutlich größer als unsere heutigen Flugkünstler.
Zu den Bildern:
Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Bild oben) ist bei uns recht häufig. Vielleicht sieht man sie bald noch öfter, wenn die Renaturierung des Emschersystems komplett abgeschlossen ist. Foto: Hermann Bovens
Die Gebänderte Prachtlibelle (Bild im Text) ist unter den Kleinen die Größte. Für Nordrhein-Westfalen hat der „Arbeitskreis Libellen“ 73 Libellenarten aufgelistet. Foto: Hermann Bovens
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