Süß und saftig

Aber Birnengitterrost schädigt das leckere Obst

0 23.09.2022

Süß und saftig: Nur selten hat man das Glück, ein reife Birne vom Baum sofort verspeisen zu können. Im Handel erhält man nur Früchte, die noch unreif gepflückt wurden, denn reife Birnen sind sehr empfindlich, bekommen schnell Druckstellen und werden faul. Fachleute schätzen, dass es weltweit etwa 5000 Birnensorten gibt. Gezüchtet und veredelt wurden sie alle aus der Wildbirne oder Holzbirne, von denen es nur noch wenige Vorkommen gibt in Nordrhein-Westfalen, vor allem in der Eifel, im Siebengebirge und im Weserbergland.

Ein Birnbaum hat eine tiefe Pfahlwurzel, die sich nach allen Seiten hin verzweigt und den hochwüchsigen Stamm im Boden fest verankert. Wenn seine Krone sich ungestört entwickeln kann, ähnelt sie in der Form einer Birnenfrucht. Der kundige Gärtner erkennt schon ehe der Birnbaum ausschlägt, ob er reich blühen wird. In den dickeren Knospen sind blütentragende Triebe angelegt. Sie werden später zu kurzen Zweigen mit Blättern und Blüten. Es sind die Tragknospen. Die länglichen, spitzen Knospen entfalten an langen Trieben nur Blätter.

Die Blattflächen neigen sich beim Aufschlagen der Regentropfen mit der Spitze nach unten,. so dass das Regenwasser von Stockwerk zu Stockwerk schräg nach außen abfließt. Am äußersten Kronenumfang tropft es zur Erde. Der Boden wird also nicht dicht am Stamm, sondern weiter außen am stärksten durchfeuchtet. In diesem Umkreis liegen die feinsten Wurzeln, die Saugwurzeln.

Die Blütenstände sind für die Insekten weithin sichtbar. Der eigentümlich süße Duft lockt vor allem Fliegen an. Die Blüte ist der Kirschblüte sehr ähnlich. Die fünf Kelchblätter und die fünf reinweißen Kronblätter stehen auch bei ihr auf dem Rand des krugförmigen Blütenbodens. Die Staubblätter der Birnblüte sind aber rotbraun. Die Birnenfrucht entsteht aus dem Blütenboden und dem Stempel. Der Blütenboden wird fleischig und saftig und umschließt das Kerngehäuse mit den Kernen, den eigentlichen Früchten der Birne.

Birnen blühen früher als Äpfel. Zwar können sie kühle Temperaturen verknusen, doch Frost während der Blüte bekommt ihnen nicht. Birnen sind im Vergleich zu Äpfeln weniger widerstandsfähig. Sie enthalten in etwa so viel Zucker wie Äpfel, sind aber säurearm und schmecken daher besonders süß. Birnen enthalten viel Kalium. Das hat eine entwässernde Wirkung. Ihr Phosphorgehalt soll die Nerven stärken.

Immer seltener findet man gesunde Birnbäume in den Gärten. Grund ist der Birnengitterrost. Dieser Pilz braucht zwei „Wirte“. Er befällt dauerhaft einige Wacholderarten und verursacht dort knotige Verdickungen der Äste. Im Frühjahr werden die Sporenlager im Wacholder sichtbar. Sie sind orangefarbene und gallertartig. Dann werden diese Pilzsporen durch Wind auf die Blätter von Birnen übertragen. Es bilden sich erst auf der Blattoberseite orange-rote Flecken. Hier produziert der Pilz Sommersporen, die ihrerseits nur die Blätter der Birnbäume infizieren und Fliegen und Wespen anlocken, die bei der Verbreitung der Sporen helfen. Auf diese Weise und bei günstiger Witterung kann sich der Pilz binnen kurzer Zeit explosionsartig ausbreiten. Im Spätsommer wächst der Pilz durch das Blatt und bildet auf der Blattunterseite bräunliche, oft mehrere Millimeter lange Wucherungen, wo die Wintersporen gebildet werden. Mit der Sporenreife reißen die Wucherungen auf und setzen die Wintersporen frei, die nun wieder Wacholder infizieren können.  Das dabei auf dem Blatt entstehende „Muster“ sieht aus wie ein „Gitter“.

In manchen Jahren erreicht der Befall fast alle Blätter eines Baums. Junge Birnbäume kann der Pilzbefall ernsthaft schädigen und auch ältere Bäume haben Stress mit dem Pilz. Wer also in seinem Garten Birnbäume pflanzen möchte, sollte wissen, ob die Wacholderart im Nachbargarten zu den Wirten des Birnengitterrosts zählt. Fachleute gehen davon aus, dass die Pilzsporen bis zu 500 Meter weit „fliegen“ können. Infiziertes Birnenlaub sollte nicht auf den heimischen Komposthaufen gegeben werden, sondern mit dem Hausmüll abtransportiert.

Zum Bild: Auf der Blattoberseite erscheinen im späten Frühjahr kleine, kräftig orangerot gefärbte Flecke, die sich im Verlauf des Sommers vergrößern. Bei starkem Befall können sie ineinanderfließen. Auf diesen Flecken bilden sich kleine, dunkle, klebrige Punkte, die Fruchtkörper des Pilzes. Im Spätsommer entstehen auf der Blattunterseite warzenförmige Auswüchse mit Sporenlagern.


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