Strohblond bis rabenschwarz

0 16.12.2022

So um den vierten Advent herum inspizierte Muttern den Christbaumschmuck. Er bestand aus Strohsternen unterschiedlichster Machart. Hatten die filigranen Gebilde das Jahr noch überstanden? Oder waren sie zu Staub zerfallen oder beim unvorsichtigen Einsortieren gar zerbrochen? Dann mussten neue Strohsterne gebastelt werden. Eine fiselige Angelegenheit, bei der Klein-Monica nur als Zuschauerin am Küchentisch geduldet wurde.

Zunächst mussten die Strohhalme gewässert werden. Das geschah am besten schon ein paar Stunden vor der eigentlichen Arbeit. Dann wurden so gesplisst, d.h. an einer Seite aufgeritzt. Das ging mit einer kleinen Schere recht gut.
Dann kam Mutterns Bügeldecke zum Einsatz. Sie trug die Zeichen der Zeit, war über und über mit braunen Flecken übersät und roch außerordentlich muffig. Eine Mischung aus verbranntem Stoff und Stärke. Die Strohhalme wurden geplättet. Mit der Spitze des Bügeleisen fuhr Muttern unten in den aufgesplissten Halm und dann mit dem Eisen den ganzen Halm entlang.
Je nachdem wie lange sie den Halm bügelte, konnte er unterschiedliche Färbungen erreichen. Von strohblond bis rabenschwarz. Die dunklen rochen dann etwas verbrannt, aber Klein-Monica fand sie klasse.

Die platten Halme wurden auf die gewünschte Länge abgeschnitten. Es sollte ja große und kleine Sterne geben. Dann kam Uhu zum Einsatz. Eine feine Sauerei, die der ältere Bruder mit dem Klebstoff veranstaltete. Statt die Halme in der Mitte aufeinander zu kleben, blieben sie an den Fingern kleben, und mehr als einmal musste Muttern einschreiten. Sie drückte legte die Halme richtig zurecht und drückte so lange, bis der Kleber getrocknet war.
Dann kam die Feinarbeit. Die Halme wurden mit der kleinen Schere so beschnitten, dass sie möglichst hübsche Zacken und Zinnen hatten.
Selbstverständlich beherrschte Muttern auch die Kunst, die Sterne zu kleben, sondern mit Zwirn zum Zusammenhalt zu bewegen. Diese Technik kam bei Strohhalmen zum Einsatz, die nicht gebügelt worden waren.

Schade, dass keiner von Mutterns Sterne die Jahrzehnte überlebt hat. Wirklich schade.
Bis zur nächsten Woche
Ihre und Eure Monica

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