So eine Enttäuschung! Statt Paul lag Paula im Puppenwagen

0 19.12.2020

Monicas älterer Bruder wünschte sich jedes Jahr zu Weihnachten ein Pony. Er meinte, der Garten sei groß genug. Ich hingegen hätte für mein Leben gerne ein Eichhörnchen gehabt. Kein echtes, ich war ja nicht blöd und wusste, dass man mit denen nicht vernünftig spielen konnte. Eins aus dunkelbraunem Plüsch wollte ich, mit einem tollen, buschigen Schwanz.

Was war ich traurig, als ich keines unter dem Weihnachtsbaum entdeckte. Um ein Haar hätte ich kartoffeldicke Tränen geheult. Dann nahm mich Vater zur Seite und zeigte auf die Tannenspitze. Er hatte das Eichhörnchen in den Baum gesetzt. Dort war dem armen Tier mittlerweile Kerzenwachs übers Fell gelaufen, aber ich war glücklich.

Eigentlich hatte Vater zwei linke Hände. Handwerkern gehörte jedenfalls nicht zu seinen Fähigkeiten. Im Garten grünte und blühte es, auch beim Tapezieren waren meine Eltern spitze, aber Wasserhähne reparieren oder Radios, Türen abschleifen: Das war nicht seine Sache. Um so mehr weiß ich heute zu schätzen, was er damals für sein Töchterchen gebastelt hat. Eine Puppenstube zum Beispiel. Mit Dachterrasse und Lampen in den Zimmern. Die konnte man sogar anmachen! Eine Batterie hinterm Haus sorgte für den Strom. Oder der Puppenkleiderschrank Marke Eigenbau! Toll.

So gerne hätte ich einen richtigen Puppenjungen gehabt.

Als „Paul“ dann in seinem Puppenkinderwagen unterm Weihnachtsbaum stand. sah ich direkt nach ob auch alles dran war. Durch meine Brüder und da vor allem durch den samstäglichen Badetag wusste ich ja Bescheid. Was für eine Pleite! Doch ich taufte Paul trotzdem nicht in Paula um.

So ist das im Leben: Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung – und das ist vielleicht sogar besser.

Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest. Bleiben Sie gesund und munter; das ist doch das Wichtigste.

Ihre und Eure Monica

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