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0 13.04.2026
„Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün und lass uns an dem Bache die Veilchen wieder blüh‘n“, dichtete anno 1775 Christian Adolf Overbeck und Mozart machte das berühmte Lied daraus. Aber keine Sorge: So weit ist die Erderwärmung noch nicht vorangeschritten, als dass die einst für den Mai ersehnten Veilchen 230 Jahre später bereits im März in voller Blüte stehen.
Die Veilchen, die wir aus dem ersten Frühlingsmonat kennen, sind die so genannten Märzveilchen. Wenn man Glück hat, kann man auch noch im April hier und da welche erschnuppern. Denn „Viola odorata“, das Wohlriechende Veilchen, verströmt an warmen Tagen einen starken Duft. „Märzveilchen“ haben dunkelviolette Blüten und einen dichten Kranz dunkelgrüner, herzförmiger Blätter.
Das kleine Blümchen füllt ganze Poesiealben: "Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein." Der Ruf der Bescheidenheit haftet dem Veilchen seit alters her an. Schon im antiken Athen wurden Frauengräber mit Veilchen geschmückt, als Zeichen der Weiblichkeit, Ausdauer und Bescheidenheit.
Das wird auch deutlich in einem weiteren Lied Mozarts. Demütig stirbt das Veilchen unter den Füßen einer munteren Schäferin. Mozart lieh sich dafür drei Strophen eines Gedichts von Goethe und fertig war „Das Veilchen“.
Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und muntrem Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.
Ach! denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen mattgedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!
Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in Acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut’ sich noch:
Und sterb ich denn, so sterb ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.
Das arme Veilchen!
Es war ein herzigs Veilchen.
Auch Rainer Maria Rilke liebte das blaue Blümchen. Er dichtete:
Still für sich,
und doch für mich
blüht das kleine Veilchen.
Bringt mir Freud
im Wintersleid
für ein ganzes Weilchen.
Doch zurück zur Botanik: Der kurze kräftige Wurzelstock des Märzveilchens ist durch zahlreiche Nebenwurzeln im Boden verankert. Der Wurzelstock hat den Winter überdauert und hält im Frühjahr gleich die richtige Portion an Nährstoffen bereit, so dass schon früh im März die Laubblätter erscheinen. Sie sind zunächst wie eine Tüte eingerollt. Der Rand der Blätter ist gekerbt. Am Grunde des Blattstiels stehen kleine Nebenblätter. Oft entspringen in den Achseln der unteren Laubblätter Zweige, die über den Boden „kriechen“ und in einiger Entfernung vom Mutterstock Nebenwurzeln in den Boden senken. Die Zweige treiben neue Blattrosetten. Mit diesen Tochterpflanzen breitet sich der Veilchenstock nach allen Seiten aus. Wenn die Verbindung zur Mutterpflanze abstirbt, wird die junge Pflanze selbstständig und schickt ihrerseits wieder Ausläufer auf die Reise. Etwa zehn Zentimeter hoch wird das ausgewachsene Veilchen.
Die Blüte des Märzveilchens ist zweiseitig-symmetrisch. Der Blütenstiel ist dünn und biegt sich mit der Blüte nach unten. Der Blütenkelch trägt zwei winzige Hochblätter. Die Blüte hat fünf Blütenblätter, die beiden oberen sind größer als die anderen, die beiden seitlichen unteren sind abwärts gerichtet und das fünfte und untere Blütenblatt bildet einen langen Sporn. In ihm sammelt sich der Nektar. Kommt nun eine Biene oder Hummel angebrummt und versenkt den Rüssel in den Sporn, fällt der Pollen auf das Tierchen. Beim Besuch der nächsten Blüte wird diese dann durch den Pollen der anderen bestäubt.
Allerdings kann das Veilchen auch anders: Im Sommer bildet es noch einmal Blüten aus, die sich allerdings nicht öffnen und durch den eigenen Pollen selbst bestäuben.
Die Früchte des Veilchens sitzen in einer Kapsel, die nach der Reife aufspringt. Die sehr glatten Samen werden weit durch die Luft expediert. Sie besitzen für Ameisen sehr schmackhafte Anhängsel. Die Ameisen verschleppen den Samen, fressen das Anhängsel und lassen den Rest liegen. Auch auf diese Weise verbreitet sich das Veilchen.
Noch gleichzeitig mit dem Duftenden Veilchen blüht das Waldveilchen. Im Mai und Juni findet man im Wald, unter Gebüsch und auf Wiesen das Hundsveilchen. Beide Veilchen blühen aber heller violett, und sie duften nicht.
Auch das Feldstiefmütterchen, die Stammform des Gartenstiefmütterchens, ist mit den Veilchen verwandet. Es blüht aber mehrfarbig.
Das Veilchen ist eine sehr alte Heilpflanze. In der Heilkunde findet das März-Veilchen Anwendung bei Bronchialkatarrhen, Husten und Keuchhusten. Man verwendet die Pflanze auch als Gurgelmittel bei Angina. Auf die Magenschleimhaut soll sich Veilchen ebenfalls günstig auswirken. Allerdings: Veilchenpastillen sind nicht jedermanns Geschmack. „Nach Waschmittel“ schmecken jedenfalls aus Sicht der Autorin die lilafarbenen Bonbons von der Bude.
Weltweit gibt es rund 500 wild wachsende Veilchenarten, außerdem unzählige Gartenformen. In Deutschland kommen rund ein Dutzend Viola-Arten vor, manche - darunter das häufige Hundsveilchen, das Wald- und das Hainveilchen - ähneln dem Duftveilchen äußerlich sehr, so dass sie für Laien kaum zu unterscheiden sind. Duftveilchen trifft man bevorzugt auf schattigen Wiesen, an Waldrändern, unter Hecken und an Grabenrändern an.
Zum Foto: Das Bild von dieser hübschen Veilchenwiese machte jüngst Uwe van Hoorn im März in Heidhausen.
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