Vor 100 Jahren: Hagel und Regen statt Sonne

0 21.06.2024

Riesige Mengen Regen und Hagel statt Sonnenschein

Essener Allgemeine Zeitung (EAZ), Samstag, 14. Juni 1924. Man kann nicht sagen, dass sich der Monat Juni übel eingeführt hat, und dennoch hat er schon manchen durch seine letzthin unbeständige Witterung Kummer und Ärger bereitet. Wer soll auch wissen, dass eine halbe Stunde nach dem schönsten Sonnenschein Blitze zucken, der Donner rollt und riesige Regen- und Hagelmengen herniederprasseln. Die Pfingstausflügler und die die Ferientage draußen zu verleben wünschten, vor allem aber auch die Landwirte wissen ein Lied davon zu singen. Auch gestern ging wieder ein ziemlich schweres Gewitter über Essen und seine Umgebung nieder. In der Stadt ist, soweit wir feststellen konnten, keinerlei Unglücksfall vorgekommen, in der Umgebung aber trat das Gewitter sehr bösartig auf.

Altendorfer Gemeinden pilgern nach Hardenberg

EAZ, Sonntag, 15. Juni 1924. Heute pilgern die Angehörigen der Pfarren Mariä Himmelfahrt und Sankt Anna nach Hardenberg. Die Regie (frz. Besatzungs-Eisenbahn – die borbeck.de-Red.) und die Deutsche Reichsbahn gewähren bei Stellung von Sonderzügen nicht mehr die bisherige Ermäßigung, sondern stellen nur noch Wagen dritter Klasse zum Preise vierter Klasse. Infolgedessen kostet für die beiden Pfarrgemeinden am Sonntag die Fahrkarte zu dem 8.08 Uhr ab Essen West abfahrenden Sonderzug nicht, wie bekannt gegeben wurde, hin und zurück 80 Pfennig, sondern eine Mark 80. Für die Fußpilger nach Hardenberg für die Rückfahrt die Hälfte, 90 Pfennig.

23 Tote bei Straßenbahnunglück klagen an

EAZ, 15. Juni 1924. Bereits vor dem Kriege hatten sowohl die Eisenbahnbehörde als auch die Provinzialverwaltung von Rheinland und Westfalen die Absicht, alle in verkehrsreichen Provinzialstraßen liegenden Eisenbahnübergänge zu beseitigen und durch Unter- oder Überführungen zu ersetzen. Tatsächlich sind dann auch eine ganze Anzahl Überführungen gebaut. Doch hat man dabei die Hauptverkehrsstraße Recklinghausen - Herten - Buer - Gladbeck - Bottrop - Osterfeld und Münster - Haltern – Hervestdorsten - Sterkrade beziehungsweise Bottrop - Essen nicht berücksichtigt. Auf beiden Provinzialstraßen liegen eine Anzahl gefährlicher Eisenbahnübergänge und man braucht nur an die vielen Unfälle, die sich auf diesen Straßen ereignet haben, zu erinnern, so wird man ohne weiteres zugeben müssen, dass die Behörden vielfach schuldhaft gehandelt haben. Das eben vorgekommene schwere Unglück in Karnap zeigt wiederum so recht, wie gefährlich es ist, Eisenbahnübergänge insbesondere zur Nachtzeit zu passieren. Bei dem furchtbaren Zusammenstoß auf der Strecke Borbeck - Bottrop am Eisenbahnübergang der Eisenbahnlinie Oberhausen – Dellwig - Bergeborbeck usw. wurde bekanntlich ein voll besetzter Straßenbahnwagen von einem D-Zug erfasst, wobei 23 Menschen ihr Leben einbüßten beziehungsweise dauernd zu Krüppeln wurden. (...)

"Eine Reise durch Eretz Israel" im Handelshof-Kino

EAZ, Dienstag, 17. Juni 1924. Der vom Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem hergestellte Film "Eine Reise durch Eretz Israel im Jahre 5683" (1923) wurde am Sonntagvormittag in den Handelshof-Lichtspielen vorgeführt. Im Mittelpunkt der hochinteressanten Fahrt durch 30 neue Siedlungen, die auf dem Boden des jüdischen Nationalfonds entstanden sind, steht ein reicher jüdischer Baumwollhändler aus Pittsburgh in Amerika namens John Bloomberg aus Bialystok gebürtig, der unter dem überwältigenden Eindruck des Geschauten nach beendeter Reise von Jerusalem aus an seinen Bruder telegraphierte: "Übersende telegraphisch einhunderttausend Dollar. Beabsichtige mich hier anzusiedeln." (...)

Toter Säugling in der Berne gefunden

EAZ, Donnerstag, 19. Juni 1924. Am 16. des Monats wurde in der Berne in der Nähe der Heegstraße die Leiche eines ausgetragenen Kindes weiblichen Geschlechts gefunden. Um den Hals und das rechte Bein ist eine Schnur gewunden. Die Kindesmutter ist bisher noch nicht ermittelt. Das Kind hat bei der Geburt wahrscheinlich gelebt. Zweckdienliche Angaben, welche vertraulich behandelt werden, nimmt die Kriminaldirektion, Hedwigschule, Zimmer 4 entgegen.

Seuchenherde ärgern Bürger im Norden

EAZ, Donnerstag, 19. Juni 1924 (Leserzuschrift). Der Notiz in der Freitagsnummer der Essener Allgemeinen Zeitung, dass die Polizeibeamten angewiesen sind, gegen das Abladen von Küchenabfällen und Schutt auf Höfen und hinter Hecken einzuschreiten, kann man aus Gesundheitsrücksichten nur beipflichten. Vor allen Dingen sollte die Stadt aber darauf achten lassen, dass derartige Seuchenherde nicht in öffentlichen Straßen angelegt werden. Seit Monaten wird nämlich an der täglich von Tausenden von Personen passierten Hammerstraße gleich hinter den Friedhöfen ein derartiger Abfall von allem Möglichen und Unmöglichen abgeladen, der jeder Beschreibung spottet. Die Anwohner der benachbarten Straßen haben schon vor einiger Zeit bei der Stadt Protest gegen diese Verseuchung eingelegt, aber die Stadt stört sich wenig an Proteste die aus dieser Gegend kommen. Auch hier wohnen anständige und steuerzahlende Menschen, die verlangen können, dass die Stadt dieses nördliche Viertel nicht zu sehr vernachlässigt und nur auf die Verschönerung des Südviertels bedacht ist. (L.)

Quelle: Haus der Essener Geschichte / www.zeitpunkt.nrw - zusammengestellt und bearbeitet von Andreas Eickholt

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