Schweinchen Kack brachte Glück fürs neue Jahr

1 29.12.2023

Falls wir Blagen es überhaupt schafften, Silvester bis Mitternacht wach zu bleiben, gab es für uns "Gänsewein", der prickelte genau so gut wie Sekt - dachten wir - und man konnte prima mit ihm an- und aufstoßen.

Muttern hatte immer in einer ihrer Küchenschubladen ein Tütchen Kaiser-Natron liegen. Ganz egal, ob es darum ging, Sodbrennen zu bekämpfen, Backpulver zu ersetzen, die Säure in eingelegten Bohnen zu mildern, etwas gründlich zu reinigen oder eben Gänsewein herzustellen: Mit Kaiser-Natron war das alles möglich.

Zunächst einmal wurde ein Liter kaltes Kranenberger aus dem Hahn in der Küche in einen Tonkrug gefüllt. Dann kam zum Leitungswasser der Saft einer Zitrone hinzu sowie ein wenig Zucker. Wenn der Zeiger auf 24 Uhr rückte, streute Muttern etwas vom Kaiser-Natron hinein und fertig war der prickelnde Gänsewein. Prost!

Zuvor hatte Vattern die Küche für das Tischfeuerwerk präpariert. Das Tischfeuerwerk wurde bereits um Viertel vor zwölf – nach dem Bleigießen – gezündet. Dazu gehörten „Tischraketen“, die mit einem leisen „Plopp“ ein paar Kügelchen Pappe durch den Raum fliegen ließen, und Knallbonbons, um die sich die Kinder schon vorher lautstark gezankt hatten. Außerdem ein paar wenige Wunderkerzen, die unter Mutters besorgten Blicken gezündet wurden, und als Höhepunkt des Abends "Schweinchen Kack".
Die Figur war nur wenige Zentimeter groß und guckte freundlich aus der Wäsche. Vattern steckte eine Art Patrone in Schweinchens Allerwertesten und zündete sie mit einem Streichholz an. Die Patrone qualmte, und es stank wie verrückt. Schließlich quoll eine bestimmt 30 oder 40 Zentimeter lange „Wurst“ aus Schweinchen Kacks Hinterleib. Die Begeisterung bei uns Kindern war unbeschreiblich groß. Inspiriert ließ Vattern die Sau ein zweites Mal stoffwechseln. Das brachte doppelt Glück.

Jetzt wurde auch draußen geböllert. Doch unsere Familie blieb im Haus. "Zu gefährlich" fand Muttern die Böllerei. Klein-Monica war außerdem schon im Schlafanzug. Vermutlich hatte sie der Gänsewein müde gemacht. Und das Sandmännchen hatte außerdem Schlafläuse mitgebracht und gegen die half nur das warme weiche Bett. So war das damals.

Ob mit oder ohne Knallerei: Ihnen allen einen schönen Jahreswechsel, einen guten Start ins neue Jahr und ein wohl genährtes Glücksschwein.

Monica

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Kommentare

Kommentar von Ludwig |

Morgens zogen wir los nicht explodierte Kracher sammeln. Die hat Papa dann in einen Zinkeimer, mit glühenden Kohlen, geworfen. Das Sammeln zu verbieten war aussichtslos, also mußte es in geordnete Bahnen gelenkt werden.

Antwort von Rainer W. Seck

Einen schönen Silvestermorgen,

ja, das haben viele Kinder gemacht. Aus dem "Zinkeimer" lese ich, dass Sie auch zur leicht älteren Generation gehören.
Beliebt waren damals auch die kleinen Zieselmännchen bei uns Kindern.

Das Redaktionsteam wünscht Ihnen und Ihren Lieben einen guten Rutsch.

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