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0 28.12.2025
Zu Silvester gab es für uns Blagen "Gänsewein", der prickelte genau so gut wie Sekt - dachten wir - und man konnte prima mit ihm an- und aufstoßen. Muttern hatte immer in einer ihrer Küchenschubladen ein Tütchen Kaiser-Natron liegen. Ganz egal, ob es darum ging, Sodbrennen zu bekämpfen, Backpulver zu ersetzen, die Säure in eingelegten Bohnen zu mildern, etwas gründlich zu reinigen oder eben Gänsewein herzustellen: Mit Kaiser-Natron war das alles möglich.
Zunächst einmal wurde ein Liter kaltes Kranenberger aus dem Hahn in der Küche in einen Tonkrug gefüllt. Dann kam zum Leitungswasser der Saft einer Zitrone hinzu sowie ein wenig Zucker. Wenn der Zeiger auf 24 Uhr rückte, streute Muttern etwas vom Kaiser-Natron hinein und fertig war der prickelnde Gänsewein. Prost!
Zuvor hatte Vattern die Küche für das Tischfeuerwerk präpariert. Zwischen Kohleherd und Kühlschrank steckte eine Asbestplatte. Die tat ihren Dienst und verhinderte, dass der Kühlschrank zu sehr durch den bollernden Kohleofen aufgeheizt wurde. Zu Silvester kam die Platte auf Mutterns Küchentisch, damit dieser nicht in Flammen aufginge.
Das Tischfeuerwerk wurde bereits um Viertel vor zwölf – nach dem Bleigießen – gezündet. Dazu gehörten „Tischraketen“, die mit einem leisen „Plopp“ ein paar Kügelchen Pappe durch den Raum fliegen ließen, und Knallbonbons, um die sich die Kinder schon vorher lautstark gezankt hatten. Außerdem ein paar wenige Wunderkerzen, die unter Mutters besorgten Blicken gezündet wurden, und als Höhepunkt des Abends "Schweinchen Kack".
Die Figur war nur wenige Zentimeter groß und guckte freundlich aus der Wäsche. Vattern steckte eine Art Patrone in Schweinchens Allerwertesten und zündete sie mit einem Streichholz an. Die Patrone qualmte, und es stank wie verrückt. Schließlich quoll eine bestimmt 30 oder 40 Zentimeter lange „Wurst“ aus Schweinchen Kacks Hinterleib. Die Begeisterung bei uns Kindern war unbeschreiblich groß. Inspiriert ließ Vattern die Sau ein zweites Mal stoffwechseln. Das brachte doppelt Glück.
Jetzt wurde auch draußen geböllert. Doch unsere Familie blieb im Haus. "Zu gefährlich" fand Muttern die Böllerei. Klein-Monica war außerdem schon im Schlafanzug. Vermutlich hatte sie der Gänsewein müde gemacht. Und das Sandmännchen hatte außerdem Schlafläuse mitgebracht und gegen die half nur das warme weiche Bett. So war das damals.
Heute würde man auch bei Klein-Monicas auf den Einsatz von Asbestplatten und Schweinchen-Kacks - die offenbar quecksilberhaltige Dämpfe pupten verzichten. Doch ungefährlicher ist die Knallerei heute wohl kaum geworden. Immerzu gibt es Berichte von brennden Häusern und verletzten Menschen.
Also: Wenn Sie böllern möchten, seien Sie bitte vorsichtig! Das kann ins Auge gehen.
Ob mit oder ohne Knallerei: Ihnen allen einen schönen Jahreswechsel und einen guten Start ins neue Jahr.
Monica
Zum Bild: Das hat Monica aus dem Netz gefischt. Im Jahre 2005 gab es wohl noch solche Figuren zu kaufen.
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