Schnaken stechen nicht

Aber die Larven haben großen Appetit

0 10.08.2023

Von weißen Wohnzimmerwänden regelrecht angezogen fühlen sich offenbar die Schnaken. Sie flattern durchs geöffnete Fenster, um sich im Zimmer ein wenig aufzuwärmen oder weil sie vom Licht einer Lampe angelockt wurden.

Von vielen Menschen werden Schnaken nicht sehr geschätzt. Das liegt wohl an ihren auffällig langen, dünnen Beinen, die an die Beine einer Großen Zitterspinne oder an die eines Weberknechts erinnern. Aber: Spinnen haben acht Beine, die Schnake kommt nur auf sechs. Außerdem hat sie zwei Flügel, das weist sie als Insekt aus der Ordnung der „Zweiflügler“ aus und macht sie verdächtig. Denn die Schnake gehört damit zur gleichen (Unter)Ordnung wie die Mücken.

Achtung: Entwarnung

Achtung: Entwarnung! Im Gegensatz zu Stechmücken stechen Schnaken nicht. Sie haben kein Appetit auf Blut, sind keine Stechsauger. Sie brauchen Wasser und Nektar zum Überleben. Und daher kann man völlig gefahrlos dies filigrane Tierchen durchs Fenster wieder an die frische Luft setzen, wenn man die Gesellschaft nicht mag.
Wer will, schaut sich vorher einmal das Insekt aus der Nähe an. Aber vorsichtig. Sonst schreckt es auf und tanzt scheinbar ziellos durch das Zimmer.

Der Körper ist lang, schmal und hinter den Flügeln an den Seiten mit jeweils einem eigenartigen, keulenförmigen Fühler besetzt. Die so genannten „Schwingkölbchen“ oder „Halteren“ ermöglichen den Zweiflüglern die Orientierung und Stabilisierung im Raum. Es sind zu Stummeln umgewandelte Flügel. In der Ruhestellung werden die Flügel meistens schräg nach hinten gehalten. Das hintere Ende der Tiere ist deutlich verdickt. Es trägt beim Männchen Zangen, beim Weibchen einen Eierleger.

Gegen Abend werden die Tiere gesellig. Man sieht hier und da kleine Gruppen, vermutlich auf der Suche nach einem Partner, einer Partnerin. Bald nach der Kopulation erfolgt die Eiablage durch Einschieben des Eierlegers meist in feuchten Boden, auf Wiesen, in Gewässernähe, bisweilen direkt in den Gewässerschlamm oder – je nach Art - auch in moderndes Holz.
Aus den Eiern schlüpfen walzenförmige graue Larven ohne Beine, aber mit kräftigen Mundwerkzeugen und großem Appetit. Sie zerkleinern zerfallendes und frisches meist pflanzliches Material und spielen so bei der Bodenbildung eine große Rolle. Schnakenlarven sind aber nicht nur toll. Bei einem Massenauftreten können sie im Gemüsebau großen Schaden anrichten. Vier Larvenstadien braucht es, bis sich die Tiere verpuppen. Und aus der Puppe schlüpft dann endlich die Schnake. Einige Schnakenarten bringen es auf diese Weise auf zwei Generationen im Jahr.
Schnaken zu bestimmen ist etwas für Fachleute. Auf der ganzen Welt gibt es etwa 4000 Arten. In Deutschland gibt es rund 140 Schnakenarten. Die größten von ihnen können 40 Millimeter lang werden. Die Flügelspannweite kann bis zum 50 Millimeter betragen.

Gut zu erkennen sind die seitlichen Schwingkölbchen der Schnake. Foto: Herbert2512/pixabay

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