Rotzfrech und niedlich

Das Rotkehlchen wurde „Vogel des Jahres 2021“

0 26.03.2021

Jetzt ist es raus. Die Wahl zum Vogel des Jahres ist gelaufen. Es verwundert nicht, dass das Rotkehlchen gewonnen hat: Es ist so niedlich – und mag Menschen.

Der Gesang der Rotkehlchen scheint für unsere Ohren lieblich und schwermütig zu sein. Das Rotkehlchen singt aber nicht (nur) für uns oder für ein Weibchen, sondern um den Rivalen aus seinem Revier fern zu halten. Sein Reviergesang kennt viele lange, variable Strophen. Es entsteht ein Sängerwettstreit der einige Zeit dauern kann, und bei dem die Männchen bis zu 100 Dezibel (Quelle: Wikipedia) starken Sängerlärm verursachen.

Reicht der Gesang nicht, um den anderen zu vertreiben, wirft sich das Rotkehlchen drohend in die Brust, so dass das Rot gut zur Geltung kommt. Meist weicht dann der Gegner. Manchmal aber wird rohe Gewalt angewendet, bis endlich klar ist, wer auf der Verliererseite steht.

Ganz schön kess sind die Piepmätze auch im Umgang mit den Menschen. Bis auf ein, zwei Meter kommen sie heran, wenn man im Garten Unkraut zupft, gräbt oder mit einem Rechen hantiert. Rotkehlchen sind gerne in der Nähe dieser fabelhaften Zweibeiner ohne Flügel, die so viele Regenwürmer ans Licht holen, ohne sie selber fressen zu wollen.

Manche Rotkehlchen ziehen im Winter gen Süden, andere bleiben hier. Bei den „Hierbleibern“ beginnt die Paarbildung schon im Dezember. Diejenigen Vögel, die in südlicheren Gefilden überwintern, haben mitunter im Frühjahr das Nachsehen und bleiben mit Pech solo.

Die Brutzeit beginnt Anfang April und endet im Juli. Das Weibchen legt drei bis sieben gelbliche Eier mit zahlreichen rotbraunen Punkten und Linien. Zwei Bruten pro Jahr sind keine Seltenheit.

Rotkehlchen sind ganz schön pfiffig. Fühlen sie sich beim Nestbau beobachtet, fliegen sie mit dem Material erst eine andere Stelle an, bevor sie es heimlich an den tatsächlichen Nistplatz bringen. Das Weibchen baut das Nest allein. Meist schlüpfen die Jungen nach zwölf bis 15 Tagen. Die Mutter hilft ihnen aus dem Ei. Die Schalen schafft sie davon – sie wären in der Nähe der Nestes zu auffällig und würden Nesträuber anlocken. Zu den Nesträubern zählen Mäuse, Ratten, Wiesel, Eichhörnchen, Eichelhäher.

Beide Eltern füttern den Nachwuchs. Nach 13 bis 15 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Die Eltern müssen sie aber noch etwa acht Tage weiterfüttern.

Der „Vogel des Jahres“ wurde zum ersten Mal öffentlich gewählt. An den Vorwahlen beteiligten sich 130000 Vogelfreunde, die zehn Vögel für die Hauptwahl bestimmten. Insgesamt machten 326.000 Vogelfreunde mit.

Auf den Pläten eins bis zehn landeten:

1. Rotkehlchen, 59.338 = 17,4%
2. Rauchschwalbe, 52.410 = 15,3%
3. Kiebitz, 43.227 = 12,6%
4. Feldlerche, 40.523 = 11,9%
5. Stadttaube, 31.453 = 9.2%
6. Haussperling, 28.137 = 8,2%
7. Goldregenpfeifer, 23.054 = 6,7%
8. Blaumeise, 22.908 = 6,7%
9. Eisvogel, 22.711 = 6,6%
10. Amsel, 17.988 = 5,3%

Zum Bild: Der kleine Kerl mit dem roten Flecken auf der Brust verteidigt sein Revier lautstark und rotzefrech. Foto: Uwe van Hoorn

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