Prima Klima für Wespenspinnen

Nachwuchs wird vom Winde verweht

0 01.09.2023

Da sitzt sie, die Wespenspinne. Sie hat einen Garten in der Glühstraße ausgewählt, um ihre Brut durchzubringen und bastelt auf einem Stein gut sichtbar an ihrem Kokon. 300 bis 400 Eier passen hinein. Doch dazu später.

Eigentlich hübsch anzusehen sind die weiblichen Wespenspinnen (auch Zebraspinne oder Tigerspinne genannt) mit ihren schwarz-gelb gestreiften Beinen und dem ebenfalls schwarz-gelb-weiß leuchtenden Hinterleib. So hübsch sind aber nur die 2,5 Zentimeter großen Weibchen. Die Männchen sind viermal kleiner und von bräunlicher Farbe. Sie sieht man viel seltener und das nicht nur, weil sie so klein sind. Für sie ist das Wespenspinnen-Weibchen eine echte Gefahr. Nach der Befruchtung muss das Männchen sich schnell aus dem Staub machen, sonst wird es vom Weibchen gefressen. Das hat das Wespenspinnenmännchen übrigens mit den armen Kerlen von Schwarzen Witwen, Kreuzspinnen und Gottesanbeterinnen gemeinsam.

„Argiope bruennichi“, so der wissenschaftliche Name, gehört zur Familie der Echten Radnetzspinnen. Ihre bis zu 40 Zentimeter großen Netze weben sie an warmen Plätzen in halbhohen Gräsern oder Sträuchern, wo sie auf ihre Lieblingsspeise, Heuschrecken, hoffen. Das Netz der Radwegspinne erkennt man übrigens am breiten Zickzack-Band, das sich vom Mittelpunkt aus nach unten und oben zieht. Warum spinnt sie so und nicht anders? Das weiß man noch nicht genau.

Die Spinne sitzt kopfüber im Zentrum ihres Netzes (sozusagen auf der Radnabe) und wartet darauf, dass sich ein Insekt in den klebrigen Fäden verfängt. Dann hastet sie dort hin, verschnürt ihr Opfer zu einem handlichen Paket, beißt zu und saugt es aus.

Der Giftbiss der Wespenspinne gilt also nicht nur dem Männchen. Auf dem Speisezettel stehen im Normalfall: Insekten wie Heuschrecken, Bienen, Wespen, Fliegen, Schmetterlinge und falls vorhanden: Libellen.

Menschen haben aber in der Regel nichts zu befürchten, sollten sie einmal von der Wespenspinne gebissen werden. Der Biss kann ähnlich schmerzen wie ein Bienen- oder Wespenstich. Allergiker sollten aber Vorsicht walten lassen. Meist kommt die Spinne aber mit ihren Beißwerkzeugen gar nicht durch die menschliche Haut.

Bis vor rund 50 Jahren konnte man in unseren Breiten keine Wespenspinne finden. Durch die Klimaerwärmung breiten sich die einst in Südeuropa beheimateten wärmeliebenden Krabbler auf dem ganzen Kontinent aus.

A propos Ausbreitung: Wespenspinnen paaren sich im Juli, August. Vorsichtig nähert sich das Männchen dem Weibchen im Netz. Dieses lässt das Männchen zwecks Paarung unter den Bauch krabbeln. Danach geht es um Leben und Tod für das Männchen. Das ist der Grund, warum man im September meist nur weibliche Wespenspinnen sieht.

Die Eier trägt das Weibchen zunächst am Hinterleib, dann webt es einen Kokon für 300 und 400 Eier. Der Kokon wird dann an Gräsern oder Ästchen befestigt. Ist alles erledigt, stirbt auch das Weibchen.

Der Nachwuchs schlüpft bereits im Herbst aus den Eiern, überwintert aber als Winzling im Kokon. Zu fressen gibt‘s genug bis Mai. Für Nahrung hat die Mutter gesorgt und sie in den Kokon gelegt. Die Kleinen beißen ein Loch in den Kokon, krabbeln hinaus und hinauf auf einen Halm und lassen sich vom Wind davontragen. Damit ist aber noch lange nicht gut: Die Jungtiere häuten sich bis Juli rund zwölfmal. Dann sind sie adult, also erwachsen. Der Lebenszyklus von Wespenspinnen beträgt ein Jahr – falls sie nicht vorher von ihren Feinden erwischt werden. Und das sind meist Vögel.

Zum Bild: Das Borbecker Wespenspinnenweibchen kümmert sich intensiv um seinen Nachwuchs und spinnt einen Kokon. Foto: ReBri

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