Pollenallergiker haben ein Näschen für den Frühling

Die Hasel hat es in sich: Bald gibt’s wieder tränende Augen, triefende Nasen

0 22.01.2021

Pollenallergiker haben ein feines Näschen für den Frühling. Und das kribbelt schon früh im Jahr, wenn es länger nicht geregnet hat. Es bedarf nämlich nur ein paar sonniger Tage bei Temperaturen über null Grad, damit Hasel, Birke, Erle und Co. u.a. - sie gehören alles zur Familie der Birkengewächse - ihre Wirkung auf menschliche Atemwege entfalten können. Und so sieht man in diesen Tagen zum ersten Mal allergisch gerötete Augen und aus dem gleichen Grunde triefende Nasen.

Dabei schaut es recht harmlos aus, wenn zum Beispiel die Hasel (Coryllus avellana) blüht. Im Winter erkennt man an den rutenförmigen Zweigen neben kleinen bräunlichen Knospen walzenförmige Gebilde aus fest aneinandergelegten, bräunlichen Schuppen. Sie stehen zunächst steif vom Zweig ab. In den ersten warmen Vorfrühlingstagen strecken sie sich bis auf das Dreifache der ursprünglichen Länge, werden biegsam und hängen lose nach unten: Das sind die Kätzchen. Die schuppenförmigen Blättchen der Kätzchen rücken auseinander und lassen – wenn man eine Lupe zur Hand hat - zwei zarte Hochblättchen erkennen und acht Staubbeutel. Es sind die männlichen Blüten, die dicht an dicht zu dem Blütenstand „Kätzchen“ vereinigt sind.

Am gleichen Zweig findet man zwischen braunen Laubknospen kleine Knospen, aus denen wie die Ärmchen einer Seeanemone ein kleiner roter „Federbusch“ herausragt.

Öffnet man eine weibliche Knospe, so erkennt man zwischen winzigen Laubblattanlagen grüne schuppenförmige Deckblättchen, an deren Grund je zwei Stempel entspringen. Der Fruchtknoten ist von zwei bei vier zerschlissenen Hochblättern umgeben und trägt zwei rote Griffel. Die fedrigen Narben ragen aus der Knospe heraus. Die inneren Teile dieser Stempelblüten oder weiblichen Blüten werden durch die Blattanlagen und die derben Knospenschuppen geschützt.

Männliche und weibliche Blüten sind also voneinander getrennt. Man nennt sie „getrenntgeschlechtig“. Die Hasel ist eine einhäusige Pflanze, weil sich sowohl Staub- als auch Stempelblüten an ein und demselben Strauch entwickeln.

Zurück zu den Allergikern: Die Hasel ist ein Windblütler und das erklärt das ganze Elend. Bei den anderen Vertretern der Familie sieht es im übrigen ähnlich aus. Aus den biegsamen Kätzchen schüttelt der Wind ganze Wolken von trockenem, leichten, gelben Blütenstaub. Etwa zwei Millionen Pollenkörner enthält ein einziges Kätzchen. Das haben Fachleute herausgefunden

Die fedrigen Narben der weiblichen Blüten sind vorzügliche Staubfänger und werden so durch den Wind bestäubt. Den Weg zu den unscheinbaren weiblichen Blüten würden die Insekten kaum finden, da die weiblichen Blüten keinen Nektar enthalten und keinen Duft verbreiten.

Die Hasel blüht vor dem Laubaustrieb und ist als Frühblüher wichtiger Pollenlieferant für Honigbienen. Die fliegen an warmen, sonnigen Tagen die männlichen Kätzchen an. Erst danach entwickeln sich die Laubblätter. Die verblühten Staubkätzchen fallen als Ganzes ab. flora

Zu den Bildern: Auf einem Spaziergang entdeckte Andreas Koerner blühende Haselzweige (Bild oben).  Das Foto von flora zeigt eine weibliche Haselblüte. In der Natur muss man schon genau hinschauen, um sie zu entdecken.

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