Nur zwei Wespenarten haben Appetit auf Wurst und Pflaumenmus

Und: Sie nerven nur einen Sommer

0 31.07.2020

Rund 400 Wespenarten gibt es in Mitteleuropa. Manche sind wenige Millimeter groß, andere – wie die Hornissen – sind richtige „Riesen“. So unterschiedlich die Hautflügler aussehen, so unterschiedlich ist auch ihre Lebensweise. Töpferwespen zum Beispiel leben einzeln und bauen für ihre Larve Brutzellen aus Lehm. Die Grabwespe baut ihr Nest unter die Erde, gräbt mit Ausdauer Röhren in den Boden. Dort deponieren sie dann gelähmte Opfertiere, als Häppchen für ihre Larven.

Man unterscheidet Echte Wespen, die einen Staat bilden, und einzeln lebende Solitäre Faltenwespen. Staatenbildende Wespen gibt es in unseren Breiten 16 Arten, in Städten kommen meist nur sechs davon vor. Appetit auf Pflaumenkuchen und Grillkoteletts haben aber nur zwei Arten: die „Gewöhnliche Wespe“ und die „Deutsche Wespe“. Sie werden dem Menschen lästig bei Kaffeeklatsch und Gartenparty.

Dabei sind Wespen besser als ihr Ruf: Ein kleiner Wespenstaat vertilgt bis zu 3.000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag und beseitigen frische Tierkadaver. Die Wespen brauchen eiweißreiche Nahrung für die Aufzucht ihrer Brut. Deshalb brauchen auch Wespen unsere Sympathie: Reich strukturierte Landschaften mit Wasserstellen, vielen Blütenpflanzen auf (Streuobst-) Wiesen, in Feldgehölzen, in Feld und Rain, Wälder mit alten, dicken und auch abgestorbenen Bäumen sowie naturnahe Gärten ohne Giftanwendung sind die besten Refugien für Wespen, aber auch für viele andere Tiere, die es zu beobachten und zu schützen lohnt.

Erwachsene Wespen brauchen Kohlenhydrate. Sie bestäuben Blüten und naschen von süßen Früchten. Von Wespen bevorzugt werden Blüten mit frei zugänglichem Nektar und wenig ausgeprägtem Duft. Beispiele sind Dill, Petersilie und Schafgarbe, Glockenblumen, Spitzblättrige Zwergmispel, Berberitze, Rachenblütler wie die Braunwurz und der spät blühende Efeu oder der Wilde Wein.

Wespen leben nur einen Sommer lang. Alle Wespen verlassen im Herbst ihr kunstvoll aus klein gekautem Holz und Speichel gebautes Nest und sterben. Nur junge Königinnen suchen sich eine geschützte Unterkunft zum Überwintern, kommen aber im darauf folgenden Frühjahr nicht zum alten Nest zurück, sondern gründen im Frühjahr einen neuen Wespenstaat in einem frisch fabrizierten Nest. Die Nester der Deutschen Wespe und der Gewöhnlichen Wespe können bis in den November hinein aktiv sein. Die Nester der meisten anderen Arten gehen schon vorher ein.

Ein Wespenstich ist schmerzhaft, aber meist nicht gefährlich (außer für Allergiker). Wurde man allerdings – zum Beispiel durch Unachtsamkeit beim Trinken - in den Mund gestochen, sollte man Eiswürfel lutschen und einen Arzt benachrichtigen. Das gilt für Insektengift-Allergiker alle Male. Viele von ihnen halten zur Wespen-Zeit eine Notfallapotheke parat und können sich selber helfen.

Übrigens: Wespen sind durch das Landesnaturschutz-Gesetz geschützt. Es ist verboten Wespennester zu zerstören. Hornissennester sind hier im besonderen Maße geschützt. Bei Zerstörung eines Hornissennestes können bis zu 50000 Euro an Geldstrafe fällig werden.

Tipps zum Umgang mit Wespen:

- Wespen rechtzeitig durch eine andere entfernt liegende Nahrungsquelle vom Tisch ablenken.

- Fallobst aus dem Garten entfernen.

- Keine Speisen ohne Abdeckung stehen lassen – Düfte ziehen an.

- Im Freien Trinkgläser abdecken und aus sehr dünnen Strohhalmen trinken.

- Einzelne lästige Wespen in einem umgestülpten Glas bis zum späteren Freilassen „ruhig stellen“.

- Nicht barfuß über blühende Wiesen laufen.

- Über Kinderwagen helle Tüllgardinen anbringen und verschmierte Kindermünder öfter säubern. Wichtig sind immer ruhige, langsame Bewegungen, damit sich die Wespen nicht angegriffen fühlen.

- Helle Kleidung tragen.

- Wespen nicht anpusten.

- Haarspray, Parfum, Rasierwasser gaukeln süße Nahrung vor und locken Wespen an.

Zum Bild: Appetit auf Pflaumenmus und Dampfnudel hat diese Wespe.Es ist besser, ihr einen Krümel zu gönnen, als nach ihr zu schlagen oder sie gar unzupusten. Im Gegensatz zu Bienen können Wespen mehrmals stechen. Der Stachel einer Wespe ist glatt und lässt sich nach einem Stich wieder herausziehen. Foto: flora

Übrigens: Die zweite Runde für den Insektensommer läuft: https://www.borbeck.de/nachrichten-details/zweite-runde-gez%C3%A4hlt-wird-was-da-summt-und-brummt.html

 

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