Nur eine Frostnacht kann die Pracht verderben

Tulpen-Magnolien zeigen den Beginn des Frühlings an

0 20.03.2020

Eine wahre Pracht allerdings sind die Tulpen-Magnolien mit ihren großen Blüten. An der Kreuzung Bockmühle blüht gerade so ein Prachtexemplar, das schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben dürfte. Und unvergessen ist die Bürgermeister-Heinrich-Magnolie am Amtsgericht, die vor ein paar Jahren von städtischen Grünpflegern ins Jenseits befördert wurde. Sie zeigte zuverlässig den Beginn des Frühlings an. In Frintrop steht hinter dem Pfarrhaus an der Straße Himmelpforten so eine Schönheit und ein weiteres Prachtexemplar hat Andreas Koerner am Düppenberg entdeckt (unser Foto). Es steht im ehemaligen Garten des noch ehemaligeren Wohnhauses der Hiltruper Schwestern, das wiederum neben der Marienkapelle stand. In dem Wohnhaus war später die "Fähre" ein Suchthilfeeinrichtung untergebracht. Auf dem Bild erkennt man noch das Gartentor.

Zurück zur Botanik: Die Tulpen-Magnolie ist eine eine Kreuzung der chinesischen Yulan-Magnolie (Magnolia denudata) und der ebenfalls aus Ostasien stammenden Purpur-Magnolie (Magnolia liliiflora). Die Tulpen-Magnolie ist heute die in Mitteleuropa am häufigsten angepflanzte Magnolie, deshalb wird sie auch einfach als „Magnolie“ ohne weiteren Zusatz benannt.

Die Tulpen-Magnolie ist ein sommergrüner Baum oder großer Strauch, der eine Höhe bis zu neun Metern erreicht. Typisch für diese Kreuzung ist eine ausladende Krone auf einem kurzen und meist krummen Stamm. Die Rinde des Stammes ist anfangs glatt und verändert sich mit zunehmendem Alter der Pflanze in ein braungrau mit feinrissiger Borke.

Ihre Laubblätter sind kurz gestielt, werden zwölf bis 20 Zentimeter lang und bis zu sechs Zentimeter breit. Sie sind glattrandig und auf der Oberseite von matter, frischgrüner Farbe. Auf der Unterseite sind die Blätter etwas heller und etwas behaart. Sie sind wechselständig.

Die Blütenknospen werden schon im Herbst angelegt; zwei seidig behaarte, derbe Hochblätter umschließen sie. Die Blüten, wegen der dieser Zierbaum angepflanzt wird, erscheinen schon vor dem Austrieb des Laubes, in diesem Jahr recht früh, sonst von April bis Mai. Die Knospen stehen aufrecht an den Enden eines Zweiges. Auch nach dem Öffnen sind sie noch glockig zusammengeneigt. Die Blütenfarbe schwankt je nach Sorte von weiß über hellrosa bis zu violett. Oft ist das Blüteninnere heller gefärbt, während die Blüten außen und an der Basis dunkler rotviolett gefärbt sind. Die äußeren drei Blütenblätter sind kleiner und etwas grünlich überhaucht, es folgen sechs bis zwölf innere Blütenblätter. Im Zentrum der Blüte sind viele rote Staubblätter und viele Fruchtblätter angeordnet (in unbestimmter Anzahl). Von der Purpur-Magnolie hat die Tulpen-Magnolie die Eigenschaft geerbt, während des Sommers gelegentlich weitere Blüten zu entwickeln.

Samen werden nur selten entwickelt, meist fällt die ganze Fruchtstandsachse noch grün ab. Sie färbt sich rosa-rot zur Reife, falls eine Befruchtung erfolgte. In jeder Sammelbalgfrucht enthalten meist nur wenige Balgfrüchte tatsächlich Samen. Die roten Samen hängen nach der Reife an langen Samenfädchen aus der Balgfrucht heraus.

Die erste Kreuzung wurde von Étienne Soulange-Bodin im Jahr 1820 erzielt. Die Hybride wurde schnell als Ziergehölz populär, schon um 1827 wurden erste Pflanzen nach England eingeführt. Während der folgenden Zeit wurden immer wieder Rückkreuzungen mit den Eltern-Arten, aber auch mit anderen Magnolien durchgeführt. Heute gibt es eine breite Palette an Sorten, die in den Merkmalen zwischen den Elternarten stehen. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Blütenfarbe, der Blütezeit und der Wuchshöhe.

Die Tulpen-Magnolie benötigt einen frischen, leicht sauren Boden. Sie liebt die Sonne und ist sehr frostempfindlich: Ein einziger Spätfrost kann die Knospen schädigen, ein starker Regen, die Blüten auseinander reißen. Dann ist sie hin die Pracht.

Und außerdem: Wer seinen Garten unter ökologischen Gesichtspunkten anlegen oder entwickeln will, verzichtet auf die Magnolie und pflanzt stattdessen einen Obstbaum, der Bienen, Insekten und Vögeln nutzt, im Frühling ebenfalls wunderschön blüht und im Herbst vielleicht reiche Ernte bringt.

 

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