Nicht bockig und nicht gemein

Der Gemeine Widderbock tarnt sich als Wespe

0 21.06.2024

Sie sind meist sehr hübsch und bunt gezeichnet, sind schmal und haben lange Fühler, die nach unten gebogen sind. Die sehen in etwa so aus, wie die Hörner eines Steinbocks. Und das hat einer ganzen Familie den Namen „Bockkäfer“ eingebracht.

Der Gemeine Widderbock, den Naturfreund Uwe van Hoorn in seinem Wintergarten ertappte, ist wie eine Wespe gezeichnet, also schwarz mit gelben Streifen um die schlanke Taille. Die gelben Streifen entstehen durch gelbe Härchen. So will die Käfer seine Fressfeinde verwirren, die eine vermeintliche Wespe doch lieber fliegen lassen.

„Gemein“ ist dieser Bockkäfer auf keinen Fall. Er beißt nicht, sticht nicht und ist insgesamt ein friedlicher Geselle, ernährt er sich doch ausschließlich aus pflanzlichem Material. Das Käferchen wird sieben bis 14 Millimeter lang.

„Gemein“ ist der Vorname von zahlreichen Pflanzen oder Tieren, wenn man sagen will, dass das vorliegende Exemplar das in der Natur vorherrschende (bzw. allgemeine) ist. Darauf hat man sich geeinigt, denn es existieren zahlreiche regionale Namen für ein und dasselbe Pflänzchen oder Tier. Die Wissenschaftler schufen also eindeutige Namen (auf Latein). Und so wurde „offizinalis“ zum „(All)Gemeinen“.

Also: Der Gemeine Widderbock, der auch Echter Widderbock oder Wespenbock genannt wird, ist die häufigste Art seiner Gattung in Mitteleuropa. Dennoch ist er wie die meisten Bockkäferarten nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Zu Hause ist der Gemeine Widderbock fast in ganz Europa, er besiedelt Laubwälder und ist bis ins Bergland zu finden. Von Mai bis Juli sind sieht man die erwachsenen Käfer (Imagines) fliegen. Dann ist Paarungszeit. Sie fliegen aber nicht nur auf passende Partner, sie fliegen auf Doldenblütler wie die Wilde Möhre, Fenchel, Giersch etc. Sie lieben die Blüten vom Weißdorn und haben Appetit auf Totholz von Laubbäumen.

Die Larven benötigen zwei Jahre Entwicklungszeit bis zum Imago. Dabei fressen sich die „Würmchen“, die zunächst unter der Rinde trockener Äste leben, tief ins abgestorbene Holz von Eichen, Buchen, Weißdornen und Obstbäumen. Die längste Zeit ihres Lebens verbringt der Widderbock also nicht an der frischen Luft, sondern im Innern von Laubhölzern.

Zum Bild:  Mimikry! Mit dieser Tarnung  als Wespe versucht der Käfer Fressfeinde abzuschrecken. Foto: Uwe van Hoorn

 

 

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 1 und 8.