Nach dem Gedicht "Heeme" wurde sogar eine Straße benannt

0 20.02.2022

Heeme

Heimat

Hi'e es min Riek,

Hier ist mein Reich,

sowiet ick kiek!

soweit ich schaue!

Wo rondöm roe Füe flammt,

Wo rundum rote Feuer flammen,

Schachräe ruscht on Kolwen stampt,

Schachträder rauschen und Kolben stampfen,

Maschinen schnuwt on Iser dröhnt,

Maschinen schnauben und Eisen dröhnen,

van Rollen on Stooten dä Are stöhnt.

von Rollen und Stoßen die Erde stöhnt.

On hoge öwer dät Gewemmel

Und hoch über diesem Gewimmel

steht dän Hemmel.

steht der Himmel.

Steht do kloe on vuller Prach,

Steht da klar und voller Pracht,

bloo bi Dage, schwatt bi Nach.

blau bei Tage, schwarz bei Nacht.

Steht do al dä do'usend Joe

Steht da wohl schon tausend Jahr

ewen prächtig, ewen kloe.

eben prächtig, eben klar.

Bi dä Arbeit, bi dä Rauh

Bei der Arbeit, bei der Ruh

hä mi fröndlich tau.

blinzelt er mir freundlich zu.

Wo ick goh

Wo ich geh

on wo ick stoh,

und wo ich steh,

en Sonnenschien on Stäenennach,

in Sonnenschein und Sternennacht,

en Wenterwend on Sommerprach,

in Winterwind und Sommerpracht,

bi Räegerusch on Beckenwispern

beim Räderrauschen und Bachwispern

höe ick än heemlich, heemlich Flispern...

hör ich ein heimliches, heimliches Flüstern . . .

Dät send dä Stemmen! „Fit! Fit! Fit!"

Das sind die Stimmen! „Fit fit fit!“

Ät lutt bold so wie Wee'enpiepen,

Es klingt fast so wie Weidenflöten,

dä fröhjoes sick dä Jonges schnitt...

die im Frühjahr sich die Jungen schneiden . . .

Ick kann dän Ton met Hänne griepen,

Ich kann den Ton mit Händen greifen,

hä geht en 't Hatte mi so deip ...

er geht ins Herz mir so tief . . .

- Vadder sengt!

– Vater singt!

Moder sengt!

- Mutter singt! -

Heeme! Wat häw ick di leiw!

Heimat! Was hab ich dich lieb!

Das Heimatgedicht "Heeme" des Dellwiger Heimatdichters Hermann Hagedorn erfreute sich schon vor vielen Jahrzehnten großer Beliebtheit. 1965 wurde sogar die Straße "Heeme" in Frintrop/Bedingrade danach benannt. Dieses wie alle anderen plattdeutschen Gedichte dieser Reihe wählte Franz Josef Gründges aus und übertrug sie stimmungsvoll ins Hochdeutsche. Das Bild unten zeigt übrigens Hagedorn in seiner Wahlheimat Fretter im Sauerland mit "Fridolin".

 

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