Muttern lief rot an vor Anstrengung

0 02.04.2026

Die Vorfreude auf Ostern begann, wenn Muttern beim Eiermann zwei Paletten mit weißen Eiern kaufte. Zwar hielt Oppa eine stattliche Anzahl Hühner auf großem Terrain, doch auf sie war zu Ostern kein Verlass. Sie legten, wann sie wollten, und das war auf keinen Fall täglich.

Natürlich wurde auch für den Osterstrauß gebastelt. Dafür blies Muttern Hühnereier aus. Sie pickte vorsichtig dazu oben und unten ein Loch ins Ei. Unten mit einer Stricknadel etwas größer. Dann nahm sie das Ei in ihre Hand und presste ihre Lippen oben auf das kleine Loch und pustete und pustete und pustete. Ich hatte immer ein wenig Angst um sie, wenn sie ihre Wangen aufblähte und vor Anstrengung rot anlief. Manchmal zerbrach bei der Prozedur ein Ei. Dann konnte sie richtig sauer werden.

Die ausgeblasenen Eier durften wir Kinder bemalen. Natürlich erst, wenn sie unter fließendem Wasser einigemaßen von innen gereinigt waren. Auch das Bemalen war riskant. Die dünne Schale zerbrach sehr leicht. Bemalt wurden die Eier für den Osterstrauß mit Wasserfarben, später, als wir etwas größer waren, mit Filzstiften. Und wenn wir Kinder es nicht zu doll trieben, hatten einige dieser Schönheiten sogar die Chance, Ostern zu erleben. Klein-Monica war jedenfalls begeistert von ihren Kunstwerken.

Die Hühnereier fürs Osternest und für den Frühstückstisch wurden ein paar Tage vor dem Fest steinhart gekocht und in heißes Wasser, Essig und Farbtabletten gelegt. Vollkommen überflüssig fand Klein-Monica die gelbe Farbtablette. "Zu unbunt", meinte sie und hoffte auf ein kräftiges Rot und ein sattes Blau aus den anderen Pötten. Kräftig und satt wurden die Farben aber nur, wenn man sich Zeit und die Eier lange in der Flüssigkeit liegen ließ.

Für den Arbeitsschritt danach hielt Muttern Speckschwarte bereit. Die Eier sollten doch schön glänzen! Dieser Arbeitsschritt war tabu für die Kinder. Schließlich konnte das mit der Schwarte eingeriebene Ei aus den Händen flutschen und dann wäre die ganze Arbeit nicht umsonst, aber vergebens gewesen.

Ostersonntag gab's Theater. Das Eier-Kitschen war ein zweifelhaftes Vergnügen. Jeder nahm ein gekochtes Ei in die Hand und kitschte es gegen das Ei des jeweils anderen. Derjenige, dessen Osterei dem Kitschen standhielt, durfte das beschädigte behalten. Natürlich kannte Klein-Monica noch nicht den Trick und hielt dem Bruder das Ei mit dem stumpfen Ende hin. Klar, dass Klein-Monica das Ei schnell los und das Geheul groß war.

Auch beim anschließenden Osternestsuchen im Garten war der Futterneid groß. Die Brüder, fünf und acht Jahre älter und größer, wussten natürlich, dass unser Osterhase auch klettern konnte. Viele Nester waren in luftiger Höhe versteckt oder in den hohlen Stämmen der alten Pappeln ganz hinten im Garten. Kein Drankommen für kleine Kinder. Mag sein, dass Vattern dann und wann schlichtend eingriff.

Im Nest gab es zuckersüße Eier. Die einen sahen aus wie kleine Spiegeleier. Mit ihnen konnte man zielsicher jedes noch so kleine Loch im Milchzahn aufspüren. Und es gab die winzigen Zuckereierchen. Mit den roten Winzlingen konnte man "erwachsen" spielen und sich die Lippen bemalen - mit mäßigem Erfolg.

Trotzdem war der Jubel groß.

So war es früher bei Klein-Monica und bei Ihnen und Euch?

Alles Gute! Monica

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