Mit elegantem Bogen

Vielblütige Weißwurz gedeiht auch im Schlosspark

0 22.05.2020

Man sieht sie häufiger, als in den Vorjahren. So scheint es jedenfalls. Die Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) wächst auch im Schlosspark an dem Weg parallel zur Fürstenbergstraße und auch Richtung Albert-Liebmann-Schule. (Bitte nicht pflücken, bitte nicht ausgraben für den Garten). Ihre wechselständig beblätterten Triebe sind recht auffällig, weil sie in elegantem Bogen sich krümmen und in den Blattachseln – also da wo das Blatt aus dem Stängel wächst – drei bis fünf Blüten trägt. Das reicht für den Vornamen "Vielblütige".

Liebe Kinder haben viele Namen und so wird  Polygonatum multiflorum auch Vielblütiges Salomonssiegel, Wald-Weißwurz oder Wald-Salomonssiegel genannt. Die Verwendung des Namensbestandtteils „Salomonssiegel“ ist nicht unbedingt hilfreich. Es soll wohl die verwandtschaftliche Nähe zum „Salomonssiegel“ unterstreichen. "Polygonatum odoratum" sieht der Vielblütigen Weißwurz recht ähnlich, duftet aber und ist wesentlich seltener anzutreffen.

Die Vielblütige Weißwurz wächst als sommergrüne, krautige Pflanze. Die Stängel werden bis zu 60 Zentimeter lang – in Ausnahmefällen noch länger. Er ist rund oder stumpfkantig (im Unterschied zum deutlich eckigen Stängel des Salomonsiegels). Die Laubblätter sind auf besondere Weise angeordnet. Sie stehen sich im Wechsel gegenüber am Stängel, sind aber nur zu zwei Richtungen angeordnet (zweizeilig). Sie sind sattgrün und in etwa eiförmig. Sie können recht groß (bis zu 17 cm lang und 7,5 Zentimeter breit) werden.

Die elegante Schönheit übersteht den Winter als Wurzelgeflecht (Rhizom) in der Erde. Die Pflanze ist ein so genannter Geophyt. Das weiße Rhizom (daher der Name „Weißwurz“) ist zwischen fünf und zehn Millimeter dick und an einigen Stellen knotig verdickt. Die Knoten markieren jeweils den Jahreszuwachs. Viele Knoten (Poly gony) an der Wurzel deuten also auf eine alte Pflanze hin. Veröffentlichungen nennen bis zu 17 Jahresabschnitte an einer Pflanze. Die Rhizomspitze dringt im Frühjahr durch den Boden und verlängert sich jeweils in den aufrechten Blütenspross.

 

Etwa drei bis fünf Blüten hängen an einem Stiel, der den Blattachseln entspringt. Das reicht für die Namensgebung "vielblütig". Die glockigen Blüten sind etwa 11 bis 15 Millimeter lang, weißlich. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Der Nektar ist nur von Insekten mit langen Rüsseln erreichbar. Doch um auf Nummer sicher zu gehen, hat die Natur für die Vielblütige Weißwurz das System der Selbstbestäubung ersonnen.

Zum Bild. Aus den Blüten entstehen giftige, dunkelblaue bis schwarze Beeren, die etwa sieben bis neun Millimeter groß sind. Die Früchte reifen zwischen August und September. Zum Bild: Man findet die Vielblütige Weißwurz allgemein verbreitet in krautreichen Buchen-, Eichen- und Nadel-Mischwaldgesellschaften. Sie liebt lockere, basenreiche, oft kalkhaltige Lehmböden in schattiger Lage. Das Foto machte Andreas Koerner.

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