Meisen sind schon auf Freiersfüßen

Gärtner schätzen sie als emsige Insektenfresser

0 22.02.2019

Bild: Immer auf der Suche nach Nahrung: Im Sommer stehen Insekten auf dem Speisezettel, im Winter werden Meisen zu Vegetariern. Foto: H.D. Dommer

Ich habe zwei Meisen, nicht unterm Pony, sondern im Apfelbaum. Sie sitzen dort und proben schon mal `nen heftigen Flirt: Sizidä sizidä –- oder so ähnlich, mein Meisisch ist nicht so gut.

Das Fabelhafte am Vorfrühling ist: Man kann die Piepmätze nicht nur hören, man kann sie auch in den noch unbelaubten Bäumen gut sehen. Von hoher Warte aus, singt ein verliebtes Amselmännchen sich die Seele aus dem Leib. Armer Kerl.

Doch zurück zur Meise: Diese kleinen rundlichen Vögel haben schon seit Kindertagen einen Platz in meinem Herzen. Im tiefen Winter wurden bei uns die Vögel mit Sonnenblumenkernen und mit Äpfeln gefüttert. Die gab es bei uns en gros im Keller. Auf der Stellage hielten sie sich gut, wurden nur ein wenig mürbe, so dass man sie mit den Händen auseinanderbrechen und den Vögeln anbieten konnte. Meist waren Amseln am Futterplatz und Drosseln. Doch auch die Kohlmeisen – alle unsere Meisen sind Standvögel und bleiben im Winter hier – kamen und pickten an den Apfelstücken herum. Sie sind wunderhübsch mit ihrem gelben Bauch mit dem schwarzen Latz, dem schwarzen Köpfchen mit weißen Wangen und dem grünlichen Rücken.

Meisen sind Höhlenbrüter, können aber keine Höhlen bauen. Deshalb nehmen sie Nistkästen gerne an. Foto: flora

Die Kohlmeisen zählen zu den größten Meisen ihrer Familie. Sie wird etwa 14 Zentimeter groß und 20 Gramm schwer. Die Meise ist ein Kletterkünstler. Oft sieht man sie im Sommer auf dünnen Zweigen schaukelnd nach Insekten, deren Eiern, Larven und Puppen suchen. Immerzu und immerzu sind sie auf der Suche nach Nahrung. Kein Wunder: Sie bringen es auf zwei Jahresbruten und müssen jeweils bis zu 14 Jungtiere durchbringen. Kohlmeisen gehören also zu den überaus nützlichen Piepmätzen. Das wissen die Gärtner zu schätzen und bieten ihnen deswegen nicht nur die im Winter beliebten Meisenknödel oder Meisenringe an, sondern auch Nistkästen, die gerne angenommen werden. Also: Wer eine Meise hat (besser: zwei) kann sich glücklich schätzen.

flora

Übrigens: Die Redensart eine „Meise (unterm Pony) haben“ ist nur eine Variante von „einen Vogel haben“ oder „bei dir piept‘s wohl“. Die Bedeutung nicht ganz bei Verstand zu sein geht auf eine alte und verbreitete Vorstellung zurück, demzufolge Geistesgestörtheit durch Nisten von Tieren im Kopf verursacht wird. (vgl. Lutz Röhrich (1992): Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. 3 Bände).

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 9 und 2.