Man vergisst nicht eine Minute davon

0 11.09.2026

Es gibt Momente, Tage, Erinnerungen an Geschehnisse, die prägen sich ins Gedächtnis ein. Man vergisst sie nie, nicht eine Minute davon.

Am 11. September 2001 saßen wir in der Redaktion der Borbecker Nachrichten und arbeiteten jeder in seinem Zimmer an seinen Computer. Es ging um Konzerte, um den Denkmaltag, um Rot-Weiß und eine Ausstellung der Geflügelzüchter.

Ein Kollege stellte zufällig zwischendurch das Radio an, als die ersten Nachrichten aus New York eintrafen. Der Kollege zauberte dann aus dem Schrank ein winziges Fernsehgerät, das er heimlich dann und wann benutzte. Uns reichte der kleine, schwarz-weiße Bildschirm, um das ganze Elend zu erfassen. Wir sahen die Katastrophen, die Attentate, die Verbrechen, Menschen aus den Fensterns stürzen, die Staubwolke, das zweite Flugzeug. Wir waren den Tränen nah, ängstlich und dachten: Das gibt Krieg.

Das Telefon schellte. Ein junges Mädchen wollte sich um einen Praktikumsplatz bewerben. Es war noch ahnungslos. Ich sagte. "Mach' den Fernseher an!" Und: "Alles andere später".

Dann wurde es ruhig. Kein Telefonat mehr, kein Publikumsverkehr. Alle saßen vor den Fernsehern.

Ich ging nach Hause, fix und fertig. Die Kollegen ließen mich ziehen. In der Nacht zuvor hatte ich bei meinem Vater gewacht. Er hatte nur noch wenige Tage zu leben. Wir sagten ihm nichts. Er sollte Ruhe finden als der Hass in die Welt, in unseren Alltag kam.

Es gibt Momente, Tage, Erinnerungen an Geschehnisse, die prägen sich ins Gedächtnis ein. Man vergisst sie nie, nicht eine Minute davon.

Monica

 

 

 

 

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