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0 10.09.2026
Aufgrund des Klimawandels breitet sich die Gottesanbeterin seit einigen Jahren in Deutschland aus. Der Sommer 2026 scheint der Fangschrecke mit den Riesenaugen besonders gut zu tun. „Noch nie wurden so viele Gottesanbeterinnen gesichtet“, berichtet NABU-Sprecher Helge May. „Allein in der letzten Juliwoche gingen im Portal NABU-naturgucker.de mehr als 2000 Beobachtungen ein. Das ist ein Mehrfaches der Vorjahre und außergewöhnlich früh.“
Auf dem Weg von der Larve zum fertigen Insekt häuten sich Gottesanbeterinnen mindestens sechs Mal. Je nach Umgebung sind sie grün oder braun gefärbt und dadurch bestens getarnt. Flügel haben nur die erwachsenen Tiere. Nun fallen sie auf, wenn sie auf der Suche nach Nahrung und Hochzeitspartnern kurze Flüge unternehmen und dabei auch in Gärten kommen oder sich sogar ins Haus verirren. Der Anstieg der Beobachtungen signalisiert daher, dass immer mehr ausgewachsene Gottesanbeterinnen unterwegs sind. Meist ist das ab Mitte August der Fall, 2026 hat die Hitze die Entwicklung wohl um zwei bis drei Wochen beschleunigt.
Die auch Mantis genannte Gottesanbeterin galt noch vor wenigen Jahrzehnten als Exotin und kam fast nur am Kaiserstuhl im äußersten Süden der Republik vor.
Im Zug des Klimawandels hat sich das Areal gewaltig vergrößert. Heute gibt es nach NABU-Angaben ein großes Westvorkommen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie ein deutlich davon getrenntes Ostvorkommen von Thüringen bis zur Lausitz und hoch nach Berlin. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die „Ost-Gottesanbeterinnen“ aus Tschechien und Polen eingewandert sind.
Beim NABU ist man gespannt, ob sich beiden Metapopulationen vereinigen werden und bald ganz Deutschland besiedelt ist. „Einzelne Funde gibt es inzwischen aus jedem Bundesland, aber in der Fläche bleibt viel Luft. Nach Norden dünnen die Bestände stark aus, die Mittelgebirge sind der Mantis auch noch zu kalt“, erläutert May. Wer eine Gottesanbeterin sieht, sollte das unbedingt melden: „Die Art ist für Citizen Science, also die Erfassung durch Laien, ideal geeignet. Sie ist ruhig und geduldig, man kann sie gut fotografieren. Und sie ist durch ihre großen Fangarme unverwechselbar. Auswertungen der hochgeladenen Bilder zeigen, dass es kaum Fehlbestimmungen gibt.“
Bei den Gottesanbeterinnen ist noch im September Fortpflanzung angesagt. Noch bis in die zweite Septemberhälfte sind sie häufig zu sehen, dann nimmt ihre Zahl rasch ab. Geschätzt ein Drittel der Männchen stirbt häufig unmittelbar nach der Paarung, denn sie werden von den Weibchen verspeist. Was grausam klingt, ist im Sinne der Arterhaltung nachvollziehbar. Die Männchen haben ihre Schuldigkeit getan und die Weibchen stärken sich für die anstrengende Eierproduktion. Im Herbst sterben auch die Weibchen, nur die „Oothek“ genannten Eipakete überwintern.
Bildunterschrift: Bekannt ist die Art für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten. Gelegentlich kostet die Fortpflanzung dem Männchen im wahrsten Sinne den Kopf: das Weibchen verspeist diesen während oder nach der Paarung. Keine Wunder also, dass Madame in die Trickkiste greifen muss, um einen Gatten anzulocken. Sie produziert Pheromone (Duftstoffe), die ein Männchen betören können. Die Männchen sind mit 60 Millimeter Körpergröße deutlich kleiner als die Weibchen (75 Millimeter).
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