(K)Ein Tipp für das heimische Wohnzimmer

Die Echte Vanille ist eine sehr, sehr anspruchsvolle Pflanze

0 28.11.2019

Die Idee ist einfach verlockend: Man räumt den ollen Kaktus von der Fensterbank im Wohnzimmer und platziert dort stattdessen eine vom Fachhandel im Internet angebotene Orchideenart, aus deren Kapseln man das zweitteuerste Gewürz der Welt (nach Safran) herstellen kann. Theoretisch ganz einfach. Die Umsetzung ist schon etwas schwieriger.

Die Echte Vanille ist nicht nur eine sehr hübsche Orchidee, sondern auch eine recht anspruchsvolle Pflanze.Sie mag es warm. Deshalb hat sie in unseren Breiten nur im Zimmer eine Chance. Unter 15 Grad Celsius sollten die Temperaturen zu keiner Jahreszeit fallen und auch im Winter mag sie es hell . Im Sommer ist ein warmer und sonniger bis halbschattiger Standort ideal. Mittagssonne mag Vanilla planifolia, so ihr wissenschaftlicher Name, aber überhaupt nicht. Die Luftfeuchtigkeit sollte idealerweise um die 70 Prozent betragen. Möchte man sein Wohnzimmer nicht zum Regenwald umgestalten, sollte man sie regelmäßig mit Wasser besprühen.

Damit die Pflanze überhaupt Samenkapseln ausbildet – meist werden sie botanisch falsch als Schoten bezeichnet – muss die hübsche, gelbe Blüte auch bestäubt werden. In Ermangelung von Kolibris und speziellen Insektenarten im heimischen Wohnzimmer, muss man selber Hand anlegen und die Blüten bestäuben und zwar mit einem langen Stachel. In der Heimat der Pflanze (Mexiko und Mittelamerika) erledigen das die oben genannten Kolibris und entsprechend bestückten Insekten.

Noch etwas spricht gegen das heimische Wohnzimmer: Bis zu zehn Meter lange Ranken können die Kletterpflanzen ausbilden. Sie zählen daher zu den größten Orchideen überhaupt. Erst ab eine Länge von etwa zwei Metern bringt sie Blüten hervor. Die Blüten sind grün-gelblich.

Einmal im Jahr setzt die Vanille Blüten an, in einem Zeitraum von zwei Monaten. Die Blüten sind weiß-gelblich, werden in den Blattachseln angelegt und können zehn Zentimeter groß werden. Nur vormittags öffnen sie sich für ein paar Stündchen. Nur während der kurzen Blütenöffnungsphase kann sie bestäubt werden. Klappt das nicht, fällt die Blüte binnen eines Tages ab.

Die Samenkapseln werden 15 bis 20 Zentimeter lang. Sieben Monate braucht es, bis die Frucht reife ist. Doch einfach ernten reicht nicht. Die Kapseln müssen fermentiert werden, d.h. die Kapseln nehmen erst einmal ein Bad in heißem Wasser, bevor sie abwechselnd in der Sonne und im Schatten getrocknet werden, bis sie schwarz werden. Das kann wiederum Monate dauern.

Man ahnt jetzt, warum Echte Vanille so teuer ist. Kein Wunder also, dass die Lebensmittelindustrie schon früh auf die Suche nach Alternativen ging.

Der deutsche Chemiker Wilhelm Haarmann entdeckte 1874 ein Verfahren, mit dem er aus Koniferen, immergrünen Nadelbäumen, den Stoff Coniferin gewann, und daraus wiederum Vanillin bastelte.

Heute kann man Vanillin auch biotechnologisch aus Schimmelpilzen und Bakterien einer Säure herstellen, die man aus Nelkenöl gewinnt. Das meiste synthetische Vanillin wird aus Lignin fabriziert. Das ist ein (Abfall)stoff, der bei bei der Zellstoffherstellung anfällt. Das synthetische Vanillin steckt in vielen Lebensmitteln. Gesundheitsexperten geben zu bedenken, dass hohe Dosen des so genannten Ethylvanillins als krebserregend und erbgutverändernd gelten. Außerdem steigere es den Appetit erheblich.

Verbraucher, die sich nicht mit künstlichen Aromen abspeisen lassen wollen, kaufen Produkte die mit „Bourbon-Vanille“ oder mit „Echter Vanille“ oder „mit Vanille hergestellt" sind und machen einen Bogen um „Vanille-Extrakt“, „natürliches Vanillearoma“, „natürliches Aroma“ und „Vanillegeschmack“.

Zum Bild: Hübsch sehen sie aus, die Blüten der Echten Vanille. Werden sie nicht innerhalb kurzer Zeit bestäubt, fallen sie ab.

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