Käfer lieben den Natternkopf

Staude wurde zur Wildpflanze des Jahres 2026 gewählt

0 05.02.2026

Aus der Blüte weit heraus ragt der Stempel, er ist vorn gespalten, wie die Zunge einer Schlange. Und das hat dem Natternkopf vermutlich seinen Namen eingetragen. Damit endet allerdings allerdings schon jede Ähnlichkeit mit dem Reptil, denn giftig ist er nicht. Käfer lieben die Staude. Der Verein Naturgarten e.V. stellte sie zur Wildpflanzen-Wahl des Jahres 2026.

Von Mai bis Oktober bildet die krautige Staude ihre zartrosa, violetten bis blauen Blüten. Den ganzen Sommer locken sie zahlreiche Insekten an. Hummeln, Bienen, Schwebfliegen: Sie scheinen ganz genau zu wissen, auf welcher Blüte es am meisten zu holen gibt. Und in der Tat: Die jungen, gerade aufgeblühten Blüten leuchten rosa und zeigen an, dass sie noch reichlich Nektar enthalten. Ältere Blüten ändern ihre Farbe, sie werden blaulila.

Die Samen des Natternkopfes sind kleine Nüsschen mit drei Kanten. Ihre Oberfläche ist rau und so wie gechaffen dafür am Tierfell oder an den Socken des Wandereres eine Reise in die nähere oder weitere Umgebung anzutreten. Die Samen sind aber auch noch klein und leicht genug um durch den Wind verbreitet zu werden.

Der Gewöhnliche Natternkopf – sein wissenschaftlicher Name lautet Echium vulgare - ist zwei- oder mehrjährig. Im ersten Jahr bildet er nur eine Blattrosette aus. Die Blätter sind schmal wie eine Lanze („lanzettlich“ sagt der Botaniker). Erst im zweiten Jahr bildet er Stängel aus, die je nach Standort nur 25 Zentimeter oder bis zu einen Meter hoch werden.

Der Natternkopf gehört wie das ganz zeitig im Jahr blühende Lungenkraut zur Familie die Raublattgewächse (Boraginaceae). Wie der Familienname schon sagt, besitzen ihre Mitglieder steife Borsten an Stängel und Blättern. Zerreibt man ein Blatt des Natternkopfes zwischen den Fingern und schnuppert dann daran, riecht man den typischen Borretsch- oder Gurken-Geruch.

In Borbeck findet man den Natternkopf vor allem auf dem Gelände des ehemaligen Sammelbahnhofs Frintrop und am Kanal, dort wo die Ufer besonders trocken und steinig sind.

Kein Wunder: Der Natternkopf ist ein Pionier und liebt trockene, sonnige und nährstoffarme Standorte. Trockenheit macht ihm nichts. Seine langen Pfahlwurzeln reichen bis zu zwei Meter in den Untergrund. Seine Blätter sind durch eine dicke Haus geschützt und die der dichte, grauscheinende Stoppelpelz reflektiert das Sonnenlicht. Besonders praktisch: Nachts „fängt“ der Natternkopf mit seinen Borsten den Tau ein und bekommt so einen „Extra-Schluck“ Wasser.

Natternkopf kann man mit der - weitaus selteneren - Ochsenzunge verwechseln. Und dies geschieht seit Jahrhunderten, darauf deuten die Volksnamen von Natternkopf und Ochsenzunge hin, die häufig identisch sind.

Wie der Natternkopf ist auch die Ochsenzunge ein Raublattgewächs. Und in Anspielung auf eine raue Rinderzunge entstand wohl auch der Name. Die Ochsenzunge hat, genau wie der Natternkopf, borstige Blätter. Die Blüten ändern ihre Farbe von rosa nach dunkelviolett. Beide Pflanzen sind essbar.

Zum Bild: Der Natternkopf ist in ganz Deutschland, Europa und Westasien verbreitet. Man findet ihn auf verlassenen Industrieflächen, an Eisenbahndämmen an trockenen Wegen. Foto: flora

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