Johanniskraut: Vor der Selbstmedikation wird gewarnt

Eine jahrhundertealte Heilpflanze wächst am Wegesrand

0 27.06.2024

An sonnigen Wegrändern erblüht rund um den Johannistag (24. Juni) das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum). Es wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet, vor allem äußerlich bei Wunden und Verbrennungen. Heute schätzt man vor allem die stimmungsaufhellende Wirkung von Johanniskraut: Depressionen leichten bis mittelschweren Grades lassen sich mithilfe der Heilpflanze lindern. Auf jeden Fall aber sollte, bevor man sich mit dem Mittel versorgt, ein Arzt oder Psychologe konsultiert werden.

Das Johanniskraut muss hochdosiert eingenommen werden, damit es wirkt. Das klappt nur in Form von meist verschreibungspflichtigen Fertigarzneimitteln. Ebenso wie chemische Antidepressiva kann Johanniskraut Nebenwirkungen hervorrufen. Diskutiert wird vor allem eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht (photosensibilisierende Wirkung) durch Hypericin. Daher werden in der Ratgeber-Literatur besonders Menschen mit hellem Teint darauf hingewiesen, die Sonne zu meiden, wenn sie Johanniskraut nehmen.

Ölige Zubereitungen von Johanniskraut (wie Johanniskrautöl) besitzen eine entzündungshemmende Wirkung und werden äußerlich angewendet und können selber hergestellt werden.

Volkstümlich wird das Echte Johanniskraut auch als „Herrgottsblut“ bezeichnet. Das rührt vermutlich daher, dass zerriebene Blüten die Finger färben. Der lateinische Name Hypericum perforatum, bezieht sich auf die dicht mit Öldrüsen besetzten grünen Blätter, die sie – gegen das Licht gehalten - wie perforiert aussehen lässt. Das Öl ist hell und durchscheinend.

Das Echte Johanniskraut ist ein ausdauerndes Kraut, das unter der Erde überwintert und jahrelang an gleicher Stelle wieder zur Blüte kommt. Das Kraut wird bis zu einem Meter hoch. Die Wurzel reicht tief und ist weit verzweigt. Der aufrechte Stängel ist zweikantig und innen mit Mark gefüllt. Dadurch unterscheidet sich das Echte Johanniskraut von anderen Johanniskrautarten.

Bis August reicht die Blütezeit. Auffällig sind die zahlreichen Staubblätter, die den Fruchtknoten umgeben. Für Hummeln, Bienen und Schwebfliegen gibt es also tüchtig Pollen zu holen, aber keinen Nektar.

Es bilden sich kleine Samen in Kapselfrüchten, die von Tieren verschleppt oder durch den Wind verbreitet werden. Aber auch die Wurzeln kriechen unterirdisch weiter und bekommen neue Sprosse.

Weil das Echte Johanniskraut als Heilpflanze verwendet wird, wird es auch landwirtschaftlich angebaut. In der übrigen Landwirtschaft gilt es aber als Unkraut und Weideunkraut. Das Problem: Hypericin erhöht auch bei Weidetieren (Pferde, Kühe) die Lichtempfindlichkeit der Haut. Unter Lichteinfluss können Tiere, die das Kraut gefressen haben, an nicht pigmentierten Hautstellen Entzündungen entwickeln.

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