Jetzt röhrt der Hirsch (nicht mehr im Wohnzimmer)

Die Brunftzeit des größten heimischen Wildtieres dauert bis Oktober

0 21.10.2022

Auf den einschlägigen Ölbildern, die anno tuck so manches Wohnzimmer schmückten, röhrt der Hirsch das ganze Jahr über. Er wirft den mit einem mächtigen Geweih geschmückten Kopf in den Nacken. Dabei schaut er auf den Bildern meist von links nach rechts in ein idyllisches Tal. Berge oder ein dunkler Tann zieren den Hintergrund. Ein kapitaler Bursche - und als Ölschinken schon lange nicht mehr in Mode.

„In echt“ gibt‘s den röhrenden Hirschen in unseren Breiten von September bis Oktober. In der so genannten Brunftzeit lässt das Männchen seinen lautes Röhren hören. Damit hofft er Weibchen zu betören und Mitbewerber zu beeindrucken. Klappt das nicht, kommt es zum Kampf. Dabei setzen die Hirsche ihr imposantes Geweih als Waffe ein.

Die Kämpfenden gehen frontal aufeinander zu und schieben sich mit dem Geweih über den Brunftplatz. Ganz, ganz selten kommt es vor, dass ein Hirsch im Kampf getötet wird. Meist hat der Unterlegene ein Einsehen und haut ab.

Das Geweih besteht aus zwei mit Haut überzogenen Knochenstangen, die je nach Alter und Ernährung des Hirschen in verschiedener Weise verzweigt sind. Ein Tier, das ein noch unverzweigtes Geweih trägt, heißt „Spießer“, vier Enden hat ein Gabler. Bei den Rothirschen kann das Geweih bis zu 18 Enden (manchmal sogar mehr) haben. Jedes Jahr im frühen Frühjahr werfen die Hirsche ihr Geweih ab, jedes Jahr wächst binnen 140 Tagen ein neues heran.

Bis zu 20 Jahre alt werden kann Cervus elaphus, so der wissenschaftliche Name des größten heimischen Wildtieres. Im Sommer trägt der Rothirsch ein rotbraunes Fell; im Winter ist es graubraun.

Bis zu 250 Kilo bringt ein Hirsch auf die Waage. Dieses Gewicht futtert sich der Vegetarier mit Gräsern und Kräutern, Trieben, Knospen und Blättern, Feldfrüchten und Früchten der Bäume an. Hirsche leben die meiste Zeit gern gesellig leben. Rudel können bis zu 200 Tiere umfassen.

Das bringt vor allem Waldbesitzer auf den Plan. Die Deutsche Wildtierstiftung schreibt dazu: „Fast alle Wälder in Deutschland werden intensiv für die Holzproduktion genutzt. Für den wirtschaftenden Forstbetrieb ist das Rotwild ein Schädling.“

Kein Wunder: Im Frühjahr fressen sie die Knospen der jungen Bäume, im Winter schälen sie die Rinde der Bäume ab. An diesen Stellen können dann Pilze in den Baumstamm eindringen. Die Bäume verlieren für die Forstwirtschaft ihren Wert. „Eine Besonderheit des Rothirsches ist, dass er gerne in großen Rudeln lebt. Und selbst wenn die Populationsdichte in einem großen Gebiet insgesamt eher gering ist, kann ein Rudel Rotwild lokal bereits in kurzer Zeit einen bedeutenden Einfluss auf die Waldvegetation nehmen“, so die Wildtierstiftung.

Daher werden jährlich rund 70000 Stück Rotwild im Jahr erlegt und als „Wildbret“ verzehrt. Allerdings trage die Art und Weise der Jagd an vielen Stellen zu einer Verschärfung der Konflikte mit der Land- und Forstwirtschaft bei, heißt es bei den Naturschützern: „Wird das Rotwild permanent durch die Anwesenheit des Jägers im Revier beunruhigt, ziehen sich die Tiere in immer dichtere Waldbereiche zurück und hier müssen sie ihren Hunger notgedrungen mit Baumrinde stillen.“ Wer mag, informiert sich über den Konflikt und wie man ihn entschärfen könnte auf der Seite www.rothirsch.org der Deutschen Wildtierstiftung.

Noch eins zum Schluss: Der weibliche Hirsch heißt nicht Reh, sondern Hirschkuh. Das Reh ist ein ganz anderes Mitglied der Familie der Geweihträger.

Zum Bild: So oder ähnlich röhrten die Rothirsche einst im heimischen Wohnzimmer. Diese Abbildung stammt aus einem alten Biobuch.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 1 plus 5.