Jetzt geht's ans Eingemachte

0 07.03.2020

Muttern konnte problemlos ihre fünfköpfige Familien über den Winter bringen, ohne dass sie hätte Einkaufen müssen, außer vielleicht mal ein paar Koteletts. Alles, was der Garten hergab - und das war verflixt eine Menge – stapelte sich zum Herbst hin sauber aufgereiht im Keller. Die Äpfel waren zu Apfelmus verarbeitet, Birnen eingekocht, Pflaumen ebenso, Sauerkirschen sowieso und süße Kirschen auch. Auf der anderen Seite: Eingekochte Suppen, Möhren, Stielmus, Dicke Bohnen, Grünen Bohnen, Wachsbrechbohnen. Außerdem hortete sie Sonnenblumenöl und Margarine. Die Kartoffeln standen zentnerweise unter der Kellertreppe, gleich wenn man unten ankam rechts. Der Raum passte für zwei große quadratische Kisten. Hühner gab es im Stall, nur die Kaninchen waren schon abgeschafft als Klein-Monica durch den Garten tollte.

Vattern bewirtschaftete „sein Land“. Schon im März hatte er, wie der Bauer im Lied die Rösslein angespannt und sein Feld bestellt. Es war übrigens das einzige Lied, das Vattern alle Finger gebrauchend auf dem Klavier spielen konnte. Im Mistbeet ging es los mit Radieschen und Salat. Auf dem Rand der Beateinfassung zu balancieren, war übrigens - da gefährlich - aller strengstens verboten, denn das Mistbeet war mit einer alten Fensterscheibe abgedeckt. „Männeken!“, hieß es drohend, wenn Klein-Monica mal wieder ihr Leben riskieren wollte.

So erfolgreich war Vattern, dass Jahr für Jahr mehr Vorräte in den Keller wanderten. Das Eingemachte vom Vorjahr wurde von uns Kindern ignoriert, wenn es hieß: „Hol doch bitte zum Nachtisch ein paar Birnen aus dem Keller“. Die alten sahen nämlich eher aus, wie in Formalin eingelegte Babyquallen, nur viel brauner – in etwa so, wie die glibbrige Schmierseife, die Muttern ebenfalls in allen Ecken bereithielt, für die schmutzigen Wechselfälle des Lebens.

Ich weiß nicht, wie viele von den unansehnlich gewordenen Weck-Gläsern letztendlich weggeworfen werden mussten. Es waren allerhand.

Natürlich kann man sich tüchtig lustig machen über die Hamsterkäufer. Aber: Wenn Muttern (Jahrgang 1924) heute Gesundheitsminister wäre, dann würde es jetzt genügend Handschuhe, Mundschutz, Kittel und Desinfektionsmittel in jedem Krankenhaus, in jeder Praxis geben. Da bin ich sicher.

Übrigens: Ans Eingemachte geht es noch lange nicht.

Bis zur nächsten Woche! Ihre und Eure Monica

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 1.