Himmelsziegen meckern nicht

Bekassine fühlt sich auf feuchter Brache wohl

0 11.04.2024

Zwei prächtige Bekassinen entgingen dem Gerscheder Vogelkundler Uwe van Hoorn auf einer großen Brache in Bochold/Bergeborbeck nicht. Dort finden sie zurzeit alles, was das Schnepfenherz begehrt. Gallinago gallinago, so der wissenschaftliche Name, gehört zur Familie der Schnepfen und die werden in unseren Breiten immer seltener. In Deutschland gilt sie als vom Aussterben bedroht.

Erkennen kann man die Bekassinen an dem sehr langen, geraden Schnabel. Außerdem geht sie häufig geduckt und ist auf diese Weise gut getarnt. Ihr Gefieder ist braun gemustert. Auffällig sind die hellen Streifen, die vom Kopf über die gesamte Oberseite verlaufen. Der Bauch ist heller als der Rücken. In niedriger Vegetation kann sie sich gut verstecken. Die Flügel sind braun mit weißem Rand hinten.

Der Vogel ist nicht klein. Er wird 25 bis 27 Zentimeter lang und hat eine Spannweite bis 47 cm.

Die Bekassine ist ein Bodenbrüter. Feuchtwiesen, Sümpfe und Moore sind eigentlich ihr Zuhause. Aber so eine hübsche Brache, mit großen Wasserlachen und Pfützen, wie es sie im Essener Norden gibt, kann auch zum Domizil werden.

Ab Ende März und im April legt die Bekassinen-Lady vier grünliche, dunkel gefleckte Eier in ein gut verstecktes Nest aus altem Pflanzenmaterial am Boden. Sie brütet nur einmal im Jahr. Der Bekassinen-Mann setzt sich nicht auf die Eier, er bleibt aber in Nestnähe, um potenzielle Feinde abzuschrecken. Nach rund 18 Tagen schlüpfen die Kleinen. Aufgepasst: Es sind Nestflüchter, die bereits am ersten Tag zum Spazierengehen aufgelegt sind. Fliegen können sie nach vier bis fünf Wochen.

Schnecken, Regenwürmer, Insekten und deren Larven stehen auf dem Speisezettel der Vögel genau so wie Samen und Früchte verschiedener Kräuter. Den langen Schnabel benutzt die Bekassine auf Futtersuche im weichen Boden wie eine Pinzette, mit deren Hilfe sie ihre Mahlzeit ans Tageslicht zerrt. Das klappt, weil die Schnabelspitze mit Sinnesorganen ausgestattet ist, die auf Berührungsreize reagieren. Der Oberschnabel ist zudem an seiner Spitze biegsam.

Über den Winter zieht es die Bekassinen ans Mittelmeer. Von dort kommen sie im Frühjahr zurück. Mal schauen, wie sich das Zugverhalten aufgrund wärmerer Winter entwickeln wird.

Gallinago gallinago wird im Volksmund auch „Himmelsziege“ genannt, denn im Fluge hört sich das Tier an, als würde es meckern. Diese merkwürdigen Laute entstehen allerdings nicht durch Rufe, sondern durch mit den Flügeln erzeugte Vibrationen. Die Himmelsziege meckert also eigentlich gar nicht.


Bildunterschrift: Äußerlich kann man Männchen und Weibchen kaum voneinander unterscheiden. Foto: Uwe van Hoorn

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