Hätte Hildegard das bloß gewusst

Altes Heilkraut „Beinwell“ sollte nicht innerlich angewendet werden

0 02.06.2023

Hätte Hildegard von Bingen das gewusst, sie hätte bestimmt darauf verzichtet, ihren Patienten Beinwell-Extrakte oder Tee gegen Rheuma, Bronchitis, Magenschmerzen etc. einzuflößen. Womöglich hätte sie es bei einem Umschlag aus Blättern und Wurzeln des Krautes belassen, denn Beinwell enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide, netterweise als PA abgekürzt. Das kann man sich nämlich besser merken. Und diese PA können Krebs erzeugen. Und nicht nur das: Sie wirken toxisch auf Leber, Lunge etc. Das weiß man heute.

Dass Beinwell einst beliebtes Heilkraut war, lässt der Name ahnen. Entzündungen, offene Wunden, selbst Knochenverletzungen wurden mit den Wurzeln dieser Staude behandelt. Auch der lateinische Name „Symphytum officinale“ lässt darauf schließen. Mit dem „Hausnamen“ „officinale“ werden alle Pflanzen bedacht, die in der Heilkunde Verwendung fanden und der „Vorname“ „Symphytum“ heißt in etwa „Zusammengewachsen“.

Überall auf den Wiesen findet man diese auffällige Staude, die bis zu 90 Zentimeter hoch werden kann. Besonders schöne gibt es am Haus Ripshorst und sogar an der Radtrasse, Die Staude gehört – wie das Lungenkraut und der Natternkopf - zur Familie der Raublattgewächse.

Aus einem Büschel großer, grundständiger Blätter erheben sich die verzweigten Stängel, die gleichfalls Blätter tragen. Alle grünen Teile der Rauhaargewächse sind dicht mit Borsten besetzt. Der Hauptblütenstiel, der die zahlreichen kurz gestielten Blüten trägt, ist anfangs wie eine Spirale eingerollt. In dem Maß aber, wie sich die jüngeren Blüten entfalten, rollt er sich auf. Einen solchen Blütenstand nennt man Wickel.

Ein kleiner, fünfzipfeliger Kelch umschließt die glockenförmige Blumenkrone. Sie ist regelmäßig gebaut und endet in ebenfalls fünf Zipfel. Beinwell blüht gelblich-weiß oder rosa bis fast violett, je nach Standort von Mai bis September. Aus dem Fruchtknoten erhebt sich ein langer Griffel, dessen Narbe weit aus der Blütenglocke hervorragt. Die Fäden der fünf Staubblätter sind mit der Blütenkrone verwachsen.

Findige Hummel "klaut" den Nektar

Sehr häufig findet man die Blüte hinten von der Erdhummel angebissen, die wegen ihres kurzen Rüssels den Nektar auf normalen Weg nicht erreichen kann. Die Löcher benutzt auch die Honigbiene, um Nektar zu saugen.

Aus den vier Teilen des Fruchtknotens gehen einsamige Teilfrüchtchen hervor. Jedes dieser glänzend schwarzen Nüsschen besitzt ein weißes, fleischiges Anhängsel, das von Ameisen gern verzehrt wird. Das Nüsschen lassen die Insekten aber liegen. So tragen sie zur Ausbreitung des Beinwells bei.

Beinwell hat einen kurzen unterirdischen Spross, der sich in einer tiefgehenden Pfahlwurzel fortsetzt. Die Wurzeln sind schwarz. Zu medizinischen Zwecken wird die Wurzel des Beinwells verwendet. Die hervorragende Förderung der Wundheilung ist vor allem auf den Gehalt an Allantoin zurückzuführen. Der Wirkstoff hat Einfluss auf die Zellbildung und beschleunigt die Wundheilung.

´Wie das? Gesundheitsgefährend und doch in der Apotheke erhältlich?

Die Lösung ist einfach: Nachdem Chemiker und Pharmakologen herausgefunden hatten, welche negativen Folgen die innerliche Anwendung zum Beispiel von Beinwell haben kann, wurden PA-Höchstgrenzen in Arzneimitteln festgelegt und Pflanzensorten gezüchtet, die frei von diesen Inhaltsstoffen sind.

Logische Folge: Man sollte die Finger von wildwachsenden Beinwell-Pflanzen lassen, und sich keinen „Gesundheitstee“ daraus brühen. Das gleiche gilt übrigens auch für Huflattich, Lungenkraut, Pestwurz

Noch ärger: In manchen Veröffentlichungen werden Beinwellblätter als Wildgemüse oder Salat gerühmt. Hier gilt: Besser nur gelegentlich eine kleine Portion essen!

Zum Foto: Hübsch anzuschauen ist Beinwell auf jeden Fall. Foto: flora

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