Guck mal, wer da guckt!

Im Bunker am Fliegenbusch hat es sich ein Turmfalke gemütlich gemacht

1 22.04.2022

Der Hochbunker am Fliegenbusch ist wohnlich für einen Turmfalken und so hat es sich dort ein Paar gemütlich gemacht. Auch hoch oben im Frintroper Wasserturm brütet ein Falkenpaar. Gibt es sonst noch bewohnte Türme? Der Turm der Michaelskirche wäre sicherlich auch gut geeignet. Der Turmfalke auf dem Bild von H.D. Dommer jedenfalls kann mit seinem Domizil ganz zufrieden sein.

Falco tinnunculus, so der wissenschaftlich Name, ist der am häufigsten vorkommende Falke in Mitteleuropa und er ist vielen wohl bekannt, eben weil er Stadtbürger geworden ist und – wenn er fliegt – leicht an seinem Rüttelflug zu erkennen ist. Bei dieser Flugtechnik bleibt er in einer Höhe von 10 bis 20 Metern an einer Stelle in der Luft stehen, bewegt sich also keinen Meter nach vorn oder zur Seite. Er schlägt schnell mit den Flügeln, der Schwanz ist beim Rütteln meist breit gefächert und etwas nach unten geknickt.

Wenn der Turmfalke rüttelt, hat er Kohldampf und sucht nach Beute. Hat er zum Beispiel eine Wühlmaus entdeckt, stürzt er darauf zu und ergreift sie. Erst kurz vor dem Boden bremst er ab. Die meisten Greife erledigen ihre Beute durch das Ergreifen mit ihren Fängen. Im Gegensatz dazu der Falke: Er greift und beißt zu, wenn er ein passendes Plätzchen für die Mahlzeit ausgemacht hat.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch ihr Gefieder. Bei Männchen ist der Kopf grau, während Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt sind. Männchen haben außerdem auf ihrem rotbraunen Rücken kleine schwarze und zum Teil rautenförmige Flecken. Ihre Oberschwanzdecken sowie der Hinterrücken und die Schwanzfedern – der so genannte Stoß – sind gleichfalls hellgrau. Das Stoßende weist eine deutliche schwarze Endbinde mit einem weißen Saum auf. Die Unterseite ist hell cremefarben und nur sehr leicht bräunlich gefleckt oder gestreift. Der Unterbauch und die Unterflügeldecken sind fast weiß.

Das ausgewachsene Weibchen ist am Rücken dunkel quer gebändert. Im Unterschied zum Männchen ist der Stoß braun und zeigt zudem mehrere Querstreifen und eine deutliche Endbinde. Auch die Unterseite ist dunkler als beim Männchen und weist eine stärkere Fleckung auf. Jungvögel gleichen in ihrem Gefieder den Weibchen.

Bei beiden Geschlechtern ist der Schwanz abgerundet, da die äußeren Schwanzfedern kürzer als die mittleren Schwanzfedern sind. Bei ausgewachsenen Vögeln erreichen die Flügelspitzen das Schwanzende. Die Beine sind sattgelb, die Krallen schwarz.

Zwischen 34 und 36 Zentimeter ist so ein Falke lang. Die Flügelspannweite beträgt rund 75 Zentimeter. Die Weibchen sind etwas größer und schwerer als die Männchen. Sie bringen bis zu 300 Gramm in der Legeperiode auf die Waage.

Auf dem Speisezettel der Falken stehen alle Sorten Mäuse, aber auch kleinere Vögel, Käfer, Heuschrecken. Sollte mal eine Mausknappheit herrschen – was in der Stadt wohl kaum zu erwarten ist – kommen auch Wirbellose auf den Tisch.

Der Appetit ist nämlich groß: Ein frei fliegender Turmfalke benötigt täglich etwa 25 Prozent seines Körpergewichts als Nahrungsmenge.

Im März/April wird mächtig gebalzt. Wie andere Felsbrüter bauen Falken keine Nester. Dann und wann benutzen sie aber verlassene Nester von Krähen, oder sie verscheuchen verwilderte Haustauben von ihren Nestern.

Das Weibchen ist schon im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif. Ab Mitte April legt es drei bis sechs Eier, die bis zu viereinhalb Zentimeter groß sind. Das Brutgeschäft erledigt es weitgehend allen. Nach rund 28 Tagen schlüpfen die Kleinen. Sie werden fast ständig von der Mutter gehudert (gefüttert). Den Bringedienst übernimmt das Männchen, das fortwährend Mäuse und andere Kleintiere anschleppen muss.

Nach zwei Wochen wechseln sich die Eltern ab mit der Fütterung. Nach der vierten Woche haben die kleinen Falken ihr Daunenkleid ab und ein Gefieder angelegt, das in der Jugend noch dem des Weibchens ähnelt.

Kommt nichts dazwischen können Turmfalken recht alt werden. Vogelkundler haben anhand ihrer Beringung ein erreichtes Alter von 18 Jahren nachweisen können. Und das ist schon was.

Zurück

Kommentare

Kommentar von Andreas Koerner |

Ein Herr Wagener, der im Ludwig-Theben-Haus wohnt, erzählte mir von einem Turmfalken im Turm der Dionysiuskirche. Ich habe dort nie einen bemerkt. Herr Wagener hat sicher eine gute Beobachtungsposition hoch oben im Ludwig-Theben-Haus.

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 7 und 8.