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0 01.12.2025
BORBECK-MITTE. "Glückauf, Kumpel", die Ausstellung in der Alten Cuesterey weckt Erinnerungen. "Mein Vater war Bergmann auf Amalie", sagt Ausstellungsbesucher Rainer Seck. Deshalb habe ich in der Cuesterey eine Barbara-Statue gekauft. Die Schutzpatronin der Bergleute muss mein Papa 1965 in der Tasche gehabt haben. Beinahe wäre er bei einem Strebzusammenbruch fast ums Lebengekommen! In der Nachbarschaft wohnten viele Kumpels. Mancher von Vaters Arbeitskollegen ist im Berg geblieben", erinnert sich Seck. "Waren schon harte Zeiten!"
"Heftig" ist die am vergangenen Wochenende am Weidkamp 10 eröffnete Ausstellung vor allem wegen der Vielzahl der ausgestellten Dinge, die der Duisburger Heribert Schielke und sein Team Wagenladung für Wagenladung aus seiner Wohnung nach Borbeck brachte und in der Alten Cuesterey sorgfältig aufbaute. Gezeigt wird das legendäre Arschleder genau so wie Dutzende Lampen, Bilder, Figuren und Figürchen aus dem Pott und aus dem Erzgebirge, wo nicht nach Kohle, sondern nach Erzen geschürft wurde.

Ein besonders liebenswertes Detail der Ausstellung ist ein Piepmatz aus Stoff im kleinen Vogelkäfig. Er steht für eine "tierische" Lebensversicherung. Oft war ein Kanarienvogel mit im Stollen. Dieser reagierte schnell bei geringen Konzentrationen Kohlenmonoxid mit Apathie und Ohnmacht oder sogar Tod. Der Bergmann behielt bei der Arbeit seinen Kanarienvogel stets im Auge und reagierte sofort, wenn der Vogel träge wurde.
Einst wurden die kleinen Sänger von Bergleuten hunderte von Metern unter Tag mitgenommen, beispielsweise in der Grube Samson in Sankt Andreasberg. Die Vögel zeigten an, wenn der Sauerstoff knapp wurde.
Für den Borbecker Bezug in der Ausstellung sorgte Dirk Hagedorn. Der Bergbau-Kenner vergrößerte zahllose Bilder, formulierte Erläuterungstexte und erarbeitete ein Begleitheft zur Ausstellung, in dem sämtliche Borbecker Zechen kurz und bündig vorgestellt werden. Noch ist die Druckerschwärze feucht, wann das Begleitheft vor Ort ist, erfahren Sie in einer weiteren Meldung.
Sinn für Spässken hatten die Ausstellungsmacher bei der Eröffnung. Ins Kostüm des Bergbau-Maskottchens schlüpfte Jürgen Raudczus und man muss sagen, es steht im gut. Gesungen wurde auch, natürlich, das Steigerlied. Weit über zweihundert Gäste kamen an den ersten beiden Eröffnungstagen. Die weiteste Anreise hatte eine 80-jährige Dame aus Wilhelmshaven. Ihr Mann hat hier als 14-Jähriger Arbeit gesucht und im Pütt gefunden. Hut ab: Am Abend trat die Dame wieder mit dem Zug den Heimweg.
Also: Ein wenig Zeit sollte man unbedingt mitbringen, will man die Weihnachtsausstellung "Glückauf, Kumpel!" in der Alten Cuesterey besehen. Schließlich haben Herbert Schielke und sein Team über 1000 Exponate an den Weidkamp gebracht.
Ebenfalls Schönes aus der Welt des Bergbaus bieten Reinhold Stausberg (Bücher und historische Postkarten) und Foto-Künstler Thomas Gallus an. An einigen Tagen sind Bergbau-Experten vor Ort: Udo Schwamborn informiert über die oftmals gefährliche Arbeit der Grubenwehr. Friedhelm Wessel und Peter Allekotte zeigen Filme und Dias zum historischen Bergbau.
Der Wahl-Duisburger Herbert Schielke wurde im Kultur-Hauptstadtjahr 2010 mit dem Sammlervirus infiziert. Das Ruhrgebietsmaskottchen hatte ihn fasziniert. Dies legte den Grundstein für seine heute einzigartige Sammlung. Schielke sammelt überall alles, was mit Bergbau zu tun hat. Seine Sammlung füllt mittlerweile seine Wohnung in Duisburg.
Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Veranstaltungen ist frei.

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