Geselliges Multitalent in Gefahr

Sturnus vulgaris hat Star-Qualitäten

0 11.05.2019

Verkehrte Welt: Während manche einst fast ausgestorbene Vogelarten wie Kranich und Seeadler dank jahrzehntelangem Intensivschutz von der Roten Liste entlassen wurden, sinkt die Anzahl einst häufiger Allerweltsvögel wie Schwalben oder Schnäpper deutlich. Besorgniserregend.

Das gilt leider auch für den Star. Der Star macht seinem Namen alle Ehre. Was das Outfit betrifft, so setzt er mit dem glänzenden Gefieder, dem kurzen Schwanz und dem langen Schnabel auf elegantes Understatement. Die echten Star-Qualitäten zeigt der rund 22 cm große Vogel jedoch beim Singen. Neben einer Unmenge eigener Gesangsmotive besitzt er die Fähigkeit, andere Vögel, aber auch zum Beispiel Klingeltöne von Handys oder Geräusche von Rasenmähern perfekt nachzuahmen. Sein rhythmisches Singen unterstreicht der Star dabei gerne mit weit geöffneten Flügelbewegungen. Und der Aufwand lohnt sich: Starendamen finden diejenigen Männchen am attraktivsten, deren Gesang die meisten Motive enthält und die beim Singen die größte Ausdauer an den Tag legen. Gesungen wird im übrigen fast das ganze Jahr hindurch.

Sturnus vulgaris – so sein lateinischer Name - ist 19 bis 22 cm groß – also etwas kleiner als eine Amsel. Ein Star wiegt um die 80 Gramm, die Starendame ist etwas leichter. Nach der Herbstmauser tragen Stare ein hell getupftes Federkleid (das sogenannte Schlichtkleid). Das Prachtkleid entsteht im Frühjahr durch Abnutzung der hellen Spitzenflecken des Körpergefieders, der Körper ist dann insgesamt schwärzlich und metallisch glänzend. Der Schnabel ist im Prachtkleid gelb, im Schlichtkleid schwärzlich. Weibchen sind etwas weniger intensiv metallisch glänzend gefärbt als Männchen und die Punktzeichnung auf dem Körper bleibt bei Weibchen im Prachtkleid meist deutlicher erhalten. Jungen Staren fehlt noch der Glanz im Gefieder.

Etwas unsortiert scheint das Starennest, das aus trockenen Blättern, Halmen, Wurzeln, Stroh, Haaren, Wolle und Federn in den unterschiedlichsten Arten von Höhlen gebaut wird. Als Brutplätze dienen Baumhöhlen, Felsspalten, und Hohlräume an Gebäuden aller Art. Stare sind während der Brut nicht unbedingt monogam. Es gibt Starenmännchen, die gleichzeitig mit zwei oder drei Weibchen brüten. Die Eier sind hellgrün bis hellblau und ohne Zeichnung. Das Weibchen legt davon vier bis acht und bebrütet sie elf bis 13 Tage. Nach etwa 21 Tagen fliegen die jungen Stare aus.

Auf dem Speisezettel der Stare stehen im Frühjahr und Frühsommer vor allem Insekten, aber auch Regenwürmer und kleine Schnecken. Im übrigen Jahr frisst der Star Obst und Beeren aller Art, in Mitteleuropa vor allem Kirschen und Äpfel, in West- und Südeuropa vor allem Weintrauben und Oliven. Außerdem sucht der Star auch Nahrungsabfälle des Menschen in Siedlungen und auf Müllkippen. Je nachdem, wo der Star in Europa zu Hause ist, bleibt er im Winter dort. Ist es ihm zu kalt, zieht er Richtung Süden. Dabei legt er 500 bis 2000 Kilometer zurück.

Ab Mitte Juni bis Anfang August machen vor allem die Jungvögel im Nordosten Europas einen sogenannten Zwischenzug; die Zugrichtung liegt meist schon in Richtung des Winterquartiers. Der Zug wird durch die Vollmauser unterbrochen. Anfang September beginnt der eigentliche Wegzug, er erreicht seinen Höhepunkt Mitte Oktober und ist Ende November weitgehend abgeschlossen. Der Heimzug beginnt im Februar und ist in Mitteleuropa meist Ende März, im Norden Europas erst Anfang Mai beendet.

Stare sind gesellig und vor allem ab dem Herbst in riesigen Schwärmen unterwegs. Nur seinen unmittelbaren Brutplatz verteidigt der Vogel. Nachts werden gemeinsame Schlafplätze genutzt, an denen mitunter 40000 Vögel übernachten. Im Winterquartier erreichen die Schwärme eine Größe von einer Million Tiere. Wenn ein großer Schwarm auffliegt, sieht es ein wenig so aus, als nähere sich ein Tornado. Die Schwarmbildung senkt das Risiko für den einzelnen Star von einem „Fressfeind“ erledigt zu werden. Gegen andere „Feinde“ hilft die Schwarmbildung nichts. Wohnungsnot und Nahrungsmangel setzen dem hübschen Vogel immer mehr zu. Der Tisch des Stars ist längst nicht mehr reichhaltig gedeckt. Viehweiden und wenig genutzte Wiesen gibt es immer weniger. Rinder und Ziegen fristen den Großteil ihres Lebens in engen Ställen und das Kraftfutter der Kühe kommt oftmals aus dem Ausland. Die rasche Einsaat des Wintergetreides macht das uns allen so vertraute hochsommerliche Stoppelfeld selten. Auch Beeren tragende Hecken sucht der Star zwischen den Feldern vielerorts vergebens. Biozide und Agrochemikalien vernichten Nahrungsinsekten und die Umweltgifte landen in der Nahrungskette. Der Star findet immer weniger Bruthöhlen in alten Bäumen. Sie werden in Wäldern geschlagen, weichen städtischen Bauvorhaben oder Verkehrssicherungsmaßnahmen. Auch sanierte Gebäudefassaden bieten dem Vogel keine Brutplätze mehr.

Uwe van Hoorn aus Gerschede bekam diesen schillernden Start vor die Kamera.

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