Gelb leuchtet das Scharbockskraut

Blätter sind essbar, aber mit Vorsicht zu genießen

0 13.03.2020

Das gewöhnliche Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) gehört zu den Frühblühern. Bereits ab März in milden Wintern schon ab Ende Februar - leuchten seine goldgelben Blüten in Laubwäldern, wo es dicht an dicht an feuchten, stickstoffhaltigen Stellen gedeiht, zum Beispiel im Pausmühlenbachtal, zwischen Schlossstraße und Voßgätters Mühle. Aber auch im oberen Teil des Schlossparks reckt es im noch unbelaubten Wald seine gelben Sterne zum Licht. Sogar auf dem Germaniaplatz gibt es diese hübschen Blüten, die erste Insekten anlocken.

Das Frühlingsscharbockskraut ist eine ausdauernde Pflanze, der ausdauernde Teil steckt aber unter der Erde. Doch dazu später.

Zwischen fünf und 15 Zentimeter hoch wird die auch Feigwurz genannte Pflanze. Wie das Buschwindröschen, das ebenfalls zu den ersten blühenden Pflanzen im Laubwald zählt, der Winterling und das Leberblümchen gehört das Scharbockskraut zu den Hahnenfußgewächsen.

Die durch einen dreiblättrigen Kelch geschützte Blüte hat acht bis zwölf Kronenblätter mit Nektarien, die Insekten anlocken, und eine ganze Anzahl von Staubblättern. In der Mitte der Blüte sitzt ein Stempelknöpfchen. Die Blüte steht einzeln und ist lang gestielt. Die Verbreitung der Samen erfolgt durch den Wind und auch durch Ameisen. Das Samenkörnchen hat allerdings noch nicht die Energie, eine vollständige Pflanze wachsen zu lassen. Deshalb kommen im ersten Jahr zunächst nur wenige kleine Blütchen zum Vorschein, die ersten Würzelchen werden gebildet.

Das Scharbockskraut speichert in seinen meist unverzweigten, keulenförmig verdickten Wurzeln (Wurzelknollen) Nährstoffe. Dazwischen finden sich auch einzelne fadenförmige, verzweigte Wurzeln. Die in der Wurzel gespeicherten Nährstoffe machen es dem Kraut möglich, so früh im Jahr durchzustarten.

Die glänzenden dunkelgrünen Laubblätter sind rundlich herz- oder nierenförmig und gekerbt, die oberen Blätter eher handförmig. In den Blattachseln entstehen sehr oft Brutknospen oder Brutknollen, aus denen neue Pflanzen entstehen können. Sie fallen zu Boden, werden vom Regen fortgeschwemmt und tragen so  zusätzlich zu den Samen vegetativ zur Vermehrung bei. Doppelt gemoppelt ist ein erfolgreiches Konzept im Pflanzenreich.

Bereits im Mai schließt das Scharbockskraut seinen Lebenszyklus bald nach der Blüte ab. Ähnlich wie der Bärlauch und das Maiglöckchen zieht das Scharbockskraut dann alle oberirdischen Teile der Pflanze in die Erde zurück. Pflanzen, die sich so zurückziehen, nennt man auch Geophyten.

Früher wurde die Pflanze als Heilmittel gegen Skorbut, das ist eine Vitamin-C-Mangelkrankheit, verwendet. Seeleute auf großer Fahrt erkrankten häufig an Skorbut, weil sie unterwegs kein frisches Gemüse zu sich nehmen konnten (bis man merkte, dass auch Sauerkraut Skorbut vorbeugt, doch das ist eine andere Geschichte).

Übrigens: Der Name Scharbockskraut klingt nur seltsam, ist es aber nicht. Denn Scharbock ist die alte und ähnlich klingende Bezeichnung für Skorbut.

Die Blätter des Scharbockskrauts gehören nicht nur zum ersten Grün, sie enthalten also auch Vitamin C. Doch ihr Genuss ist nicht unbedenklich. Kräuterspezialisten empfehlen den Verzehr der Pflanze nur, wenn sie noch nicht geblüht hat. Während und nach der Blüte sammelt sich in den Blättern Protoanemonin an, das brennend scharf schmeckt und für Menschen (schwach) giftig ist. Es kann den Magen reizen. In der Wurzel ist am meisten von diesem Protoanemonin enthalten, deswegen verwendet man sie nicht.

Wer nicht empfindlich ist und keine Sorge hat vor umherstreunenden Hunden und deren Hinterlassenschaften, kann die klein geschnittenen grünen Blätter unter seinen Kräuterquark mischen.

Die Brutknöllchen und die Wurzelknolle (Rhizom) wurden früher als Mittel gegen Feigwarzen verwendet. Durch den Saft, der auf der Haut Brennen verursachen kann, sollten die Feigwarzen vertrieben werden. Die Wirkung ist aber nicht belegt.

Zum Bild von Andreas Koerner:  Das frühe Wachstum hat auch Vorteile: Da zu dieser Zeit nur wenige andere Pflanzen in die Höhe sprießen und die Bäume noch unbelaubt sind, muss das Kraut kaum gegen Konkurrenz ankämpfen.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 4 plus 7.