Gar nicht so dumm, die schnatternde Gans

Aber auch ohne Mast ein dicker Brocken

0 15.11.2019

Auch große Dichter geben manchmal Unsinn von sich. Goethe, zum Beispiel, wird zitiert mit dem Spruch „Junge Gänschen sehen so altklug aus, besonders um die Augen, so vielgelebt, und werden doch mit jedem Tag wie größer, so dümmer.“ Doch so dumm ist die „dumme Gans“ mit ihrem „blöden Geschnatter“ nicht.

Der liebenswürdigen Gans „Petunia“ zum Beispiel, Heldin aus einem Kinderbuch der Fünfzigerjahre, gelang die Einsicht: Wer als schlau gilt (nur weil er zum Beispiel ein Buch unter dem Flügel trägt), ist nicht zwangsläufig klug.

Es gibt keinen Grund, Gänse als dumm zu bezeichnen. Sie besitzen eine ausgeprägte soziale Intelligenz. Sie wissen, ob jemand aus ihrer Gruppe fehlt und vermissen denjenigen auch, sagen Gänsehalter. Ihre Laute sind sehr vielfältig. Jeder hat eine Bedeutung. Laute zwischen ausgewachsenen Tieren in der Gruppe und zwischen Junggänsen und ihren Eltern klingen unterschiedlich. Während ihrer Balzzeit geben die Gänse noch einmal spezifische Laute von sich.

Außerdem: Schnatternde Gänse wurden schon früh als Alarmanlage eingesetzt. Gänse reagieren sehr sensibel auf Gefahren und warnen zuverlässig ihre Artgenossen. Der Legende nach alarmierten Gänse die Römer im Jahr 390 vor Christus, als Gallier die Stadt angreifen wollten.

Eine andere Legende besagt, dass der heilige Martin versuchte, sich in einem Gänsestall zu verstecken. Das ging schief. Das laute Schnattern der Gänse verriet den Mann, der später Bischof von Tours wurde. Gefährlich leben die Hausgänse. Im November, Dezember. Viele landen in der Pfanne oder im Ofen, als Martins- oder Weihnachtsgans.

Wenn die Gänse gebraten werden, sind sie etwa 28 bis 30 Wochen alt. Beinahe Babys noch. Lässt man die Hausgans nämlich in Ruhe alt werden, lebt sie 20 Jahre lang und länger. Gänse sind recht anspruchslos. Jeder Bauernhof hatte früher Hausgänse frei herumlaufen. Sie lieferten Eier, Federn und Fleisch.

Heute können nur außerhalb großer Zuchtbetriebe die Gänse ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Sie verbringen dann den Tag damit über das Gelände zu watscheln, Gras und andere Pflanzen zu weiden und Körner zu fressen. Ihr Schnabel hat scharfe Kanten, so dass sie gut Grünes abrupfen können. Der Gänsemagen benötigt zur Verdauung Grit, das sind kleine aufgenommene Steinchen, die sich mit dem Mageninhalt vermengen.

Gänse gehören zur Familie der Entenvögel und sind auch ohne Mast ganz schön dicke Brocken: Sie werden 75 bis 90 Zentimeter lang und wiegen vier, fünf Kilo und wenn sie gemästet werden bis acht Kilogramm. Die Rasse der Emdener Gänse können sogar auf zehn bis zwölf Kilogramm genudelt werden. Obwohl: Das »Nudeln« von Hausgänsen - die gewaltsame Fütterung (Stopfen) mit schnell fettmachender Nahrung - ist heute in Deutschland untersagt.

Männchen und Weibchen der Zuchtgänse sind an äußeren Merkmalen so gut wie gar nicht zu unterscheiden. Etwa im Juli beginnen sich die Gänse zu mausern. Sie bekommen nach und nach ein neues Federkleid. Das Gefieder der Hausgänse ist weiß. Sie gehören zu den Schwimmvögeln, sind also mit Schwimmhäuten ausgestattet, schwimmen aber nicht ganz soo gerne wie Enten zum Beispiel.

Im Gegensatz zu den wilden Gänsen lebt die Hausgans nicht monogam. Ein »Ganter« (oder Gänserich) begattet ohne weiteres mehrere Weibchen. Wilde Gänse sind ausgezeichnete Flieger. Hausgänse hingegen fliegen nicht, obwohl ihre Flügel recht kräftig sind. Wittern sie Gefahr, lärmen sich nicht nur. Sie recken ihre langen Hälse, richten imposant ihren Körper auf und schlagen mit den weit aufgeschlagenen Flügeln. Einer wütenden Gans sollte man nicht zu nahe treten Zum Bild: Vor ein paar Jahren gelang im Schlosspark der Schnappschuss. Diese Hausgans hatte sich offensichtlich verdünnisiert und fand es am Teich ganz prima.

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