Gar kein Dreckspatz!

Das Bad im Staub schützt gegen Parasiten

0 11.10.2019

Viel Besuch hat der Gerscheder Vogelfreund Uwe van Hoorn derzeit. Insgesamt 40 Spatzen, richtiger Haussperlinge, zählt er zwischen den Hagebutten zu seinen Gästen . Das ist eine Menge. Schließlich steht der Haussperling inzwischen auf der Vorwarnliste. „Mein Vater erzählte, dass er als Jugendlicher noch für jeden Spatzenkopf 5 Pfennig vom reichsten Bauern meines Heimatdorfes Rysum bekommen hat“, erzählt Uwe van Hoorn Getreidekörner und Gräsersamen gehören zur bevorzugten Nahrung des Spatzes. Mit dieser Leibspeise hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Er wurde als frecher Korn- oder Speicherdieb beschimpft. Hinzu kommt, dass der gesellige Piepmatz sich in Sommerschwärmen zusammenschließt, um gemeinsam auf Nahrungssuche zu gehen. Heute gehören Bilder von Spatzenschwärmen in Kornfeldern vielerorts der Vergangenheit an.

Dabei haben haben sich inzwischen die Spätzchen in die Herzen zahlreicher Vogelfreunde getschilpt. So ist es doch: Manches Kind ist ein süßes Spätzchen! Und einen Spatz in der Hand zu haben, ist alle Mal besser, als eine Taube auf dem Dach. Auch darum sollte man nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Wer es trotzdem tut, der ist vermutlich mit einem Spatzenhirn ausgestattet (oder hat eine Meise unterm Pony).

Fest verankert ist dieser Vogel in Redensarten und Sprichwörtern. Der Spatz ist Titelfigur in Geschichten und Gedichten. Selbst Wolfgang Amadeus Mozart scheint der Vogel beeindruckt zu haben, denn eine charakteristische Violinfigur brachte der unter KV220 verzeichneten festlichen Messe den Titel „Spatzenmesse“ ein.

Der Spatz oder Haussperling ist ein Singvogel aus der Gruppe der Sperlinge, zu der weltweit 36 Arten gehören. In Deutschland leben mit dem Feldsperling und dem ebenfalls zu den Sperlingen zählenden Schneefink nur zwei Verwandte. Der 14-16 cm große Vogel fällt besonders durch seinen großen Kopf und den kräftigen Schnabel auf. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrem Aussehen. Mit einer schwarzen Kehle, einem aschgrauen Scheitel und einem kastanienbraunen Streifen an den Kopfseiten sind die Männchen deutlich auffälliger gezeichnet. Auch durch ihren bräunlichen Rücken mit schwarzen Streifen lassen sich die Männchen leicht von den insgesamt unscheinbareren, matt braun gezeichneten Weibchen unterscheiden. Der Spatz ist in der Hauptsache vegetarisch, seine Jungen aber füttert er in den ersten Tagen mit Insekten und Raupen. Besonders in den Städten hat sich der Vogel dem Angebot angepasst und gilt dort als Allesfresser. Gerne gesellt er sich zum Beispiel in Straßencafés zu den Gästen und pickt eifrig Krümel vom Boden auf.

Mitte bis Ende April beginnt die Brutsaison. Nicht selten bringt es der Haussperling auf drei oder sogar vier Bruten pro Saison. Meist baut er sein einfaches Nest in Nischen oder Höhlen, vorzugsweise an Gebäuden oder in Baumhöhlen. Der Spatz lebt gesellig und brütet gerne in Gemeinschaft mit anderen Paaren. Nach 11 bis 13 Tagen schlüpfen zwischen vier und sechs Junge aus den Eiern. Der Haussperling, der wie die meisten Kleinvögel nach einem Jahr geschlechtsreif ist, lebt in der Regel in "Dauerehe". Vogelexperten gehen davon aus, dass der Spatz (Passer domesticus) ursprünglich aus den baumarmen Steppengebieten Südost- und Vorderasiens stammt. Die Eroberung anderer Landstriche trat der eher unscheinbare Singvogel vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren im "Windschatten" des Menschen an. Wo sich die Menschen niederließen, um Ackerbau zu treiben, richtete sich auch der Spatz ein. Er ist ein echter Allerweltsvogel.

In Deutschland leben etwa 4,5 Millionen Brutpaare. (Quelle: Deutsche Wildtierstiftung). Ein Rückgang lokaler Bestände ist auf fehlende Nistmöglichkeiten in und an Gebäuden, vor allem unter Dächern, zurückzuführen. Auch naturfern gestaltete,  artenarme Gärten machen ihm zu schaffen. Durch die Versiegelung der Landschaft fehlen außerdem Plätze für die bei den Spatzen so beliebten Staubbäder, die der „Dreckspatz“ so gerne nimmt, um sich gegen lästige Federparasiten zu schützen.

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