Fichte oder Tanne?

Die Nordmanntanne ist der Gewinner

0 20.12.2020

Im Jahre 1539 soll der erste christliche Weihnachtsbaum im Straßburger Münster gestanden haben, später dann wurde es modern, einen Weihnachtsbaum in die gute Stube zu stellen und mit allerlei Gebäck und Süßkram zu schmücken. Mit dem Lied „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum wie grün sind deine Blätter“ wurde so ein Weihnachtsbaum vor 170 Jahren schon besungen.

Von den rund 23 bis 26 Millionen deutschen Weihnachtsbäumen stammt der Großteil aus eigens angelegten Weihnachtsbaumplantagen. 90 Prozent der in unseren Wohnzimmern aufgestellten Bäume wachsen in Deutschland, der Rest wird importiert, vor allem aus Dänemark. (Quelle: Schutzgemeinschaft deutscher Wald)

Fichte oder Tanne?“ lautet hier die Frage, aber nicht nur am Weihnachtsbaumstand. Die Weißtanne (Abies alba) und die Fichte oder Rottanne werden häufig verwechselt.

Dabei ist es gar nicht schwer, die Bäume auseinander zu halten. Die Weißtanne hat, wie ihr Name schon sagt, eine weißliche Rinde, die Rinde der Fichte ist rötlich. Auch die Nadeln unterscheiden sich: Die Unterseite der Tannennadel hat zwei weiße Wachsstreifen. Außerdem ist die Tannennadel vorn eingekerbt. Die Fichtennadel ist spitz und sticht.

Ferner stehen bei Tannen die Zapfen aufrecht an den Zweigen und bei den Fichten hängen sie. Sind die Samen in den Tannenzapfen reif, fallen nur die Schuppen der Zapfen ab. Am Boden findet man also nie reife Tannenzapfen. Komplette Zapfen am Boden stammen immer von der Fichte.

Die Tanne ist ein Mischwaldbaum mit einer besonderen Fähigkeit. Sie kann lange im Schatten anderer, größere Bäume ausharren. Dann wächst sie nur ganz langsam und richtet ihre Zweige so aus, dass sie mit dem wenigen Licht auskommen. Sterben dann ältere Bäume ab, wächst sie zu einem mächtigen Baum heran. Dieses „Beinahe-Nullwachstum“ im Dunkel des Waldes nennt man „Schattenschlaf“. Die Tanne kann im „Schattenschlaf“ an die hundert Jahre überdauern. Wenn dann der Baum über ihr abstirbt, wächst sie endlich nach oben und wird dicker.

Der Samen der Tanne ist etwa sechsmal schwerer als der Fichtensame. Der Tannenkeimling braucht eben größere Nahrungsreserven, um in der Dunkelheit überleben zu können.

Die Tanne wurzelt tiefer als alle anderen Nadelhölzer. Bei einem Sturm knicken Fichten um wie Streichhölzer, die stabileren Tannen bleiben stehen. Die Tanne kann zu einem mächtigen Baum heranwachsen, der bis zu 65 Meter hoch wird - und 300 bis 500 Jahre alt. Alte Tannenriesen zählen zu den mächtigsten Bäumen Europas.

Besonders weiche Nadeln hat übrigens die als Weihnachtsbaum immer beliebter werdende Nordmanntanne, Abies nordmannia. Sie ist mit 75 Prozent der mit Abstand beliebteste Baum. Dann folgen die Blaufichte mit 15 Prozent, sonstige Fichten mit 7 Prozent und die Edeltanne/Nobilistanne mit 3 Prozent. In den 70er Jahren war die Blaufichte europaweit besonders beliebt. Seit 1980 ist die Nordmanntanne der Favorit. Die Fichte hat als Weihnachtsbaum verloren. Sie nadelt schnell.

Der Naturschutzbund (NABU) empfiehlt übrigens den Kauf von heimischen Fichten, Kiefern oder Tannen aus durchforsteten Waldbetrieben oder aber – noch besser – aus ökologisch wirtschaftenden Weihnachtsbaumkulturen, die man an dem FSC-, Naturland- oder Bioland-Siegel erkennt.

Im ökologischen Weihnachtsbaumanbau werden die zur Neupflanzung vorgesehenen Flächen nicht mit Herbiziden kahlgespritzt, sondern mechanisch von Aufwuchs befreit. Schafe halten die Gräser zwischen den Bäumchen kurz, weil sie durch ihr wählerisches Fressverhalten die Weihnachtsbäume nicht gefährden. Im Gegenteil, ihre Ausscheidungen sorgen sogar für zusätzliche Düngung.

Und gerade weil im Biolandbau keine Pestizide eingesetzt werden, überleben auch die nützlichen Insekten, die in der Lage sind, einem Schädlingsbefall wirksam etwas entgegen zu setzen. Totalverluste wie in konventionellen Baumschonungen gibt es daher im Ökoanbau nicht.

Zum Bild: Bei der blühenden Fichte stehen die Zapfen noch, werden die Samen reif, neigen sie sich und hängen kopfüber an den Zweigen. Sie fallen später als ganze Zapfen ab. Bei der Weißtanne lösen sich die Schuppen einzeln vom Zapfen, einen Tannenzapfen am Boden findet man nicht. Foto: flora

 

 

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