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0 02.01.2026
Wenn jemand „zittert wie Espenlaub“, dann zittert er am ganzen Körper. Er tut dies, weil er friert oder weil er Angst hat. Die Sprache nimmt bei diesem Vergleich Anleihe bei der Zitter-Pappel oder Espe (Populus tremula). Ihre Blätter geraten bereits beim leichtesten Windhauch in Bewegung. Sie zittern und rauschen dabei ganz charakteristisch, weil die Laubblätter recht lang gestielt und die Stiele an den Seiten abgeflacht sind. Das reicht, um das Espenlaub schnell in Bewegung zu bringen.
Die Espe wurde zum Baum des Jahres 2026 gekürt.
Die Espe ist eine ganz besondere Pappelart. Sie besiedelt lichte Wälder, Weg- und Waldränder, Steinhalden und Hecken. Sie ist wie die Birke eine Pionierbaumart und auf Brachen oft als erster Baum zu finden. Kein Wunder: An die Qualität des Bodens stellt sie keine hohen Ansprüche. Da sind die Lichtverhältnisse schon wichtiger. Die Espe meidet den Schatten.
Zwanzig bis 35 Meter kann eine Espe hoch werden. Sie wird etwa 100 Jahre alt, hört aber schon nach 60 Jahren auf zu wachsen. Hundert Jahre sind für einen Baum eigentlich kein Alter, doch Weichhölzer (wie Pappeln und Weiden) bilden keinen harten Kern aus und werden schnell von innen morsch. Dafür gibt es in unseren Breiten keinen Baum, der schneller wächst.
Der Stamm der Espe ist meist gerade. In der Jugend ist ihre Krone locker und licht, später wird sie kegelförmig, alte Espen-Kronen sind unregelmäßig ausgestaltet. Die Rinde der jungen Espe ist glatt und gelblich. Sie hat rautenförmige Wülste in der Rinde, das sind so genannte Korkwarzen (oder Lentizellen). Die Borke älterer Bäume ist dunkelgrau und rissig.
Ihre Blattknospen sind gelb bis dunkelbraun. Im Frühling bildet die Espe rundliche Laubblätter aus, die wiederum rundlich gezähnt sind. Die Sommerblätter haben eine andere Form. Im Herbst färben sich die Blätter goldgelb. Pappeln bilden nämlich nicht nur im Frühling, sondern auch im Sommer neue Blätter aus.
Espen sind zweihäusig. Das heißt, es gibt männliche und weibliche Bäume. Beide bilden Blütenkätzchen, die ab Mitte März vor dem Laub erscheinen. Die männlichen Kätzchen fallen nach der Blüte schnell ab. Die weiblichen Kätzchen setzen bis Mitte Mai weißen Flaum an und werden dann vom Wind davon getragen.
Für unsere heimischen Schmetterlinge ist die Zitterpappel eine der wichtigsten Futterpflanzen. Ungefähr 35 der am stärksten gefährdeten Tagfalterarten haben Appetit auf Espenlaub.
Zum Bild: Keine andere Baumart wächst in unseren Breiten schneller als Pappeln. Da macht auch die Espe keine Ausnahme. Foto: flora
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